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Kurzfilm / Niederlande / Dokumentation / 2024
Filmkritik: Der niederländische Kurzfilm „City of Poets“ von Sara Rajaei, der im ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 74. Berlinale 2024 lief, erzählt mit Archivmaterial von einer fiktiven Stadt, aber wird gleichzeitig aus den Erinnerungen der Regisseurin und ihrer Familie gespeist.
Es gab eine Stadt, die es heute nicht mehr gibt oder in ihrer Form nie gab. Sie wurde erbaut für Raffineriearbeiter:innen und Universitätsangestellte und alle Straßennamen waren nach Dichter:innen benannt. Die Kinder, die in dieser Stadt aufwachsen, lernten die Kunst kennen und erfuhren mit der Zeit die Veränderungen, die der Krieg mit sich gebracht hat. Geflüchtete wurden aufgenommen und die Namen der Straßen änderten sich.
Die Regisseurin Sara Rajaei entwickelte ihren Film ausgehend vom Maulbeerbaum ihrer Familie, der auch im Film eine zentrale Rolle spielt. Auch wenn viele Elemente autobiographisch sind, ihre eigene Stimme als Voice-Over durch die Geschichte führt und viel familiäres Archivmaterial verwendet wurde, erzählt der Film von einer fiktiven Stadt. Rajaei war es wichtig, den geographischen Rahmen unbestimmt zu lassen. Dabei konzentriert sie sich auf die Frauen in ihrer Geschichte und benutzt einen dezidiert weiblichen Blick. Zusammen mit ihrer Cutterin hat sie in anderthalb Jahren das Archivmaterial der eigenen Familie sowie des Fardid Khan Archives zusammengestellt. Ihre Stimme erzählt vom Wandel und Verlust und erzählt von einer Stadt, die utopisch war und eine andere Lebensqualität bot. Die Mischung aus realen Aufnahmen, aber ohne einen klaren geographischen Bezug verleiht dem Film etwas Träumerisches, was sich in einem melancholischen Gefühl bei dem Publikum manifestiert.
Fazit: „City of Poets“ ist ein Kurzfilm von Sara Rajaei, der mit Archivmaterial, einem gefühlvollen Voice-Over von einer fiktiven Stadt, von Heimat und Verlust erzählt. Dabei hat die Regisseurin mit viel Feingefühl eigene Erinnerungen einfließen lassen und sorgsam das Material arrangiert, so dass ein Film entstand, der aktueller nicht sein könnte und gleichzeitig von universellen Themen erzählt.
Bewertung: 7,5/10
Trailer zum Kurzfilm „City of Poets“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Berlinale Shorts‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Sara Rajaei‘, testkammer.com, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „City of Poets“
- Eintrag des Films „City of Poets“ bei der Stiftung near/by film
- Lida Bach, ‚City of Poets – Kritik | Film 2024 | Moviebreak.de‘, moviebreak.de, 2024