- Kinostarts 23.04.2026 - 22. April 2026
- Neun Fragen an Joscha Bongard - 20. April 2026
- „Babystar“ (2025) - 20. April 2026
Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur Joshua Shaffner konnten wir mehr über seinen Animationskurzfilm „In Dreams“ erfahren, der im Internationalen Wettbewerb des 36. Filmfest Dresden 2024 lief, wie er die Geschichte über eine lange Zeit und mit traumähnlichen Bildern entwarf und wie er selbst für die musikalische Untermalung sorgte.
The original english language interview is also available.
Dein Kurzfilm „In Dreams“ fühlt sich genauso traumartig an, wie der Titel verspricht – wie ist die Idee dazu entstanden?
„In Dreams“ ist ein improvisierter Film, den ich über einen Zeitraum von sechs Jahren entwickelt habe. In dieser Zeit wurde bei einer mir sehr nahestehenden Person eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, an der sie verstarb. Ich kam nicht umhin, mich mit dem emotionalen Stress dieses Ereignisses auseinanderzusetzen, und die Arbeit wurde zu einer Meditation über Tod und Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese unmöglichen Themen auf abstrakte Weise durch meine persönliche und unkonventionelle Herangehensweise an das Filmemachen mit Animation ansprechen konnte. Mein Stil ist von surrealistischen Regisseuren wie Lynch oder Fellini beeinflusst, und ich wollte ein Werk schaffen, das während des gesamten Films einen traumähnlichen Zustand aufrechterhält.
In welchem Rahmen (auch finanziell) und über welchen Zeitraum ist Dein Film entstanden?
Es handelte sich um einen No-Budget-Film, den ich in meinen Pausen von der freiberuflichen Arbeit erstellt habe. Ich habe allein an dem Projekt gearbeitet, was mir einen flexiblen Zeitplan und Entwicklungsprozess ermöglichte. Die Arbeit begann im Jahr 2017 und endete 2023. In den ersten Jahren experimentierte ich mit Stil- und Story-Optionen und in den letzten vier Jahren fand ich die Geschichte und begann, die Animation, den Schnitt, das Sounddesign und die Musik gleichzeitig zusammenzustellen.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr zu den Animationen erzählen. Speziell wie diese entstanden sind und welche visuelle Aspekte Dir wichtig waren.
Ich habe jede Szene auf eine andere Weise gestaltet. Manchmal begann ich mit einem Hintergrundbild und improvisierte eine Animation darüber. Gelegentlich habe ich mehrere getrennte Hintergründe zusammengeschnitten und sie mit handgezeichneten Animationen über der Sequenz verbunden. Bei anderen Sequenzen arbeite ich eher nach einem typischen Schema, bei dem ich ein Storyboard erstelle und Sprachspuren aufnehme, zu denen ich dann animiere. Ich mache gerne handgezeichnete Animationen und Hintergründe. Zu der Zeit habe ich ein wenig mit CG experimentiert, daher gibt es einige Hintergründe mit CG-Elementen, die dann übermalt wurden. Ich hatte keine Angst, neue Dinge auszuprobieren. Es waren keine anderen Künstler an der Produktion beteiligt, so dass ich wusste, dass der Gesamtzusammenhang gewahrt bleiben würde.
Ich habe auch das Gefühl, dass der ganze Film voller Zitate und Anspielungen ist – narrativ und visuell. Magst Du ein bisschen mehr dazu sagen?
Wenn ich Bilder mache, suche ich nach etwas Ikonischem oder Nostalgischem, das meine Fantasie anregt. Ich denke, dass dieser Film dem Zeitgeist entsprungen ist und seine Bilder einigen vertraut vorkommen könnten. Das funktioniert auch auf einer konzeptionellen Ebene, denn der Film ist die Halluzination der Hauptfigur, so dass ihr Unterbewusstsein durch Film und Medien beeinflusst wird.
Der Musikeinsatz ist perfekt – magst Du mir noch ein bisschen mehr dazu sagen?
Danke, dass du das sagst. Ich habe den größten Teil der melodischen Musik für den Film selbst gemacht. Ich hatte kein Budget für einen richtigen Komponisten, also musste ich auf meine begrenzten Fähigkeiten als Musiker zurückgreifen, um einfache Melodien zu schaffen, die die Geschichte erzählen. Ich mag Noir-Filme mit ihren oft jazzigen, düsteren Melodien, und ich liebe auch frühe Sci-Fi-Scores, also habe ich versucht, diese beiden Einflüsse zu kombinieren, um die Musik zu schaffen. Für einige Szenen habe ich auch Ambient-Musik von meinem Freund Kevin Eskew verwendet.
Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich lebe und arbeite in Los Angeles als freiberuflicher Animator und Lehrer. Mein Hauptziel ist es, Filme zu machen, aber ich verbringe die meiste Zeit damit, an Projekten anderer Leute zu arbeiten oder als Auftragsregisseur zu fungieren. Ich habe schon mehrere andere kurze Animationsfilme gemacht, und „In Dreams“ war einfach das nächste Filmprojekt, aber vielleicht mit mehr Ehrgeiz und technischem Knowhow dahinter. Ich habe meine Karriere in der bildenden Kunst als Maler begonnen, bin dann aber zur Animation gewechselt, weil ich mich als Freiberufler in der Animation leichter zurechtfand als in der Kunstwelt. Die Branche befindet sich im Umbruch, daher bin ich mir nicht sicher, was ich in Zukunft beruflich machen werde, vielleicht wieder als Maler arbeiten.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich habe zwei Projekte in Arbeit. Das erste ist ein Comic, der auf die gleiche Weise improvisiert wird wie „In Dreams“. Es ist ein wortloser autobiografischer Comic. Außerdem beginne ich langsam mit der Arbeit an einem neuen animierten Kurzfilm. Ich werde diesen Sommer einige frühe Segmente in einer gemeinschaftlichen Animationsinstallation in Tokio zeigen.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „In Dreams“
Interview: In our conversation with American director Joshua Shaffner, we learned more about his animated short film „In Dreams„, which screened in the International Competition of the 36th Filmfest Dresden 2024, how he created the story over a long period of time and with dream-like images, and how he himself provided the background music.
Your short film “In Dreams” feels just as dreamlike as the title suggests – how did the idea for it come about?
„In Dreams“ is an improvised film which I crafted over a six year period. During that time, someone very close to me was diagnosed with a terminal illness and passed away. I couldn’t avoid dealing with the emotional stress of this event and the work became a meditation on death and time. I felt that I could address these impossible issues in an abstract way through my personalized and unconventional approach to filmmaking with animation. My style is influenced by surrealist directors such as Lynch or Fellini and I wanted make a piece that sustained a dreamlike state for the entire film.
In what context (including financially) and over what period of time was your film made?
This was a no budget film which I created during my breaks from freelance work. I worked alone on the project which gave me a flexible schedule and development process. The work started in 2017 and it concluded in 2023. For the first few years I was experimenting with style and story options and in the last four years I found the story and began assembling the animation, edit, sound design and music simultaneously.
Can you tell me a bit more about the animations? Specifically how they were created and which visual aspects were important to you.
I created each scene in a different way. Sometimes I would start with a background painting and improvise some animation over the top. Occasionally I would edit together multiple disassociated backgrounds and connect them with hand drawn animation over the top of the sequence. For other sequences, I work in a more typical pipeline of storyboarding and recording voice tracks to animate to. I like to make hand drawn animation and backgrounds. I was experimenting a bit with CG at the time so there are a few backgrounds that have CG elements that were then painted over. I wasn’t afraid to try new things. There were no other artists involved in the production so I knew it would maintain an overall cohesion.
I also have the feeling that the whole movie is full of quotes and allusions – narratively and visually. Would you like to say a bit more about that?
When I make images I look for something iconic or nostalgic to trigger my imagination. I think this film is dreamed up from the zeitgeist and its imagery may seem familiar to some. This also functions on a conceptual level because the film is the hallucination of the main character so their subconscious would be influenced by film and media.
The use of music is perfect – can you tell me a bit more about that?
Thanks for saying that. I did most of the melodic music for the film myself. I didn’t have a budget for a real composer so I had to resort to my limited abilities as a musician to craft simple melodies to help tell the story. I like noir films with their often jazzy somber tunes and I also love early sci-fi scores so I tried to combine these two influences to create the music. I also used some ambient music from my friend Kevin Eskew for a couple scenes.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to make the movie?
I live and work in Los Angeles as a freelance animator and teacher. My main goal is to make films but I spend most of my time working on other peoples projects or as a director for hire. I’ve made several other short animated films and „In Dreams“ was simply the next film project but with perhaps more ambition and technical knowhow behind it. I started my career in fine art as a painter but I eventually pivoted to animation because I found freelance animation easier to navigate than the art world. The industry is changing a lot so I’m not sure what I’ll be doing in the future for work, perhaps back to painting.
Are there any new projects planned?
I have two projects in the works. The first is a comic that is improvised in the same manner as „In Dreams„. It’s a wordless autobiographical comic. I’m also slowly starting on a new animated short. I’ll be presenting some early segments in a collaborative animation installation in Tokyo this summer.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „In Dreams„