- Acht Fragen an Jon Grandpierre - 26. März 2026
- „S’Tuntschi vo Juf“ (2026) - 26. März 2026
- Kinostarts 26.03.2026 - 25. März 2026
Interview: Im Gespräch mit den beiden Filmemacherinnen Lara Torp (Auf Platte) und Emilia Zieser konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Nicht Du“, der im Nationalen Wettbewerb des 36. Filmfest Dresden 2024 lief, erfahren, wie sie beide und die Worte und die Animationen zueinander fanden.
Wie ist das Drehbuch zu „Nicht Du“ entstanden?
Lara: Der Text war eigentlich gar nicht als Drehbuch gedacht, oder überhaupt für eine Veröffentlichung. Ich war in der Zeit nur ein bisschen frustriert von den langen Prozessen, bis Drehbücher umgesetzt werden, und wollte auch wieder mehr Prosa schreiben. Also habe ich mir die Challenge gesetzt, einen Monat lang jeden Tag einen kleinen abgeschlossenen Text zu schreiben, nur für mich. Die habe ich dann eher zufällig Monate später durchgeschaut. Natürlich war viel Schrott dabei, aber als ich über „Nicht Du“ gestolpert bin, war ich positiv überrascht und fand es schade, nichts damit zu machen. Weil ich eh Animationsfan bin und das bei diesem Text auch für ein sehr geeignetes Medium hielt, habe ich mich dann an der Uni auf die Suche nach Animationsstudierenden gemacht und Emilia kennen gelernt.
Wie hast Du die Bilder dazu entwickelt?
Emilia: Für mich war von Anfang an klar, dass ich dem Text in der Animation genug Raum geben muss. Er ist für sich allein schon sehr stark, und ich wollte ihn mit der Animation eher unterstreichen, anstatt ihn zu überladen. So kam die Entscheidung, die Animation sehr minimalistisch zu gestalten. Die Bilder habe ich dann sehr intuitiv gefunden, ähnlich wie wenn man versucht Musik zu bebildern. Ich habe den Text einfach wieder und wieder gelesen, und die Bilder, die dazu kamen, wurden in Animationen umgesetzt.
Habt ihr den Off-Kommentar selbst eingesprochen?
Lara: Am Ende ja. Wir haben erst eine Aufnahme mit einer Schauspielstudentin von der Uni gemacht, die es auch super toll eingelesen hat – aber es war dann fast ein bisschen zu „gut“ gesprochen, falls das Sinn macht. Dann kamen meine Eltern ins Spiel. Weil ich selbst seit meiner Kindheit ab und zu als Sprecherin arbeite und es ja auch ein ziemlich persönlicher Text ist, hat meine Mutter mich angestoßen, es mal selbst zu probieren. Mein Vater ist Musiker und Sounddesigner und so konnte ich es in seiner Studio-Einrichtung unkompliziert aufnehmen. Man hört ja die eigene Stimme nicht so gerne, deshalb habe ich andere – vor allem natürlich auch Emilia – entscheiden lassen, und das Feedback war, dass wir „meine“ Version nehmen sollten, weil sie etwas persönlicher und rougher war und dadurch auch gut zum Animationsstil gepasst hat.
In welchem Rahmen ist der Film entstanden und über welchen Zeitraum?
Emilia: Für uns war es ein freies Projekt im Studium, sodass wir keine gesetzte Deadline hatten. Der Großteil der Animationsarbeit fand mitten in der Pandemie statt und hat sich dadurch über einen längeren Zeitraum verteilt. Rückblickend schätze ich es sehr, dass wi
r trotz der Schwierigkeiten der Pandemie den Film mit mehr Zeit und Ruhe umsetzen konnten, als es bei Projekten mit festen Deadlines normalerweise der Fall ist.
Lara: Dann lag es noch eine Weile, bis die Auswertung angefangen hat. Wie wahrscheinlich an allen Filmschulen muss man leider einige Hürden meistern, um ein Projekt auswerten zu dürfen, wenn man nicht Regie studiert. Aber im Nachhinein bin ich super froh und dankbar, dass wir es durchgeboxt haben, weil wir auf mehreren tollen Festivals laufen und schöne Rückmeldungen bekommen.
Könnt ihr mir noch ein bisschen mehr zu euch erzählen und wie ihr zum Film gekommen seid?
Emilia: Ich war schon immer an Kunst und Film interessiert, konnte mir aber nie so richtig einen Beruf darunter vorstellen. Etwas beim Film hinter der Kamera fand ich spannend, aber im Realfilm habe ich mich auch nicht komplett Zuhause gefühlt. Als ich dann gesehen habe, dass es auch Animationsstudiengänge an Filmhochschulen gibt, habe ich angefangen mich mehr damit zu beschäftigen und aus meinen Illustrationen erste Animationen zu machen, und bin so zur Filmuni Babelsberg gekommen. Während dem Studium habe ich immer mehr Freude an Projekten wie Musikvideos, Festivaltrailer, Animationsworkshops, Dokumentar- und Spielfilmen gefunden, und habe vor kurzem das Animationsstudio „Studio Fazi“ mitgegründet.
Lara: Ich habe schon immer sehr gern geschrieben. Als ich klein war und noch nicht schreiben konnte, habe ich anderen Geschichten zum Aufschreiben diktiert. Film und Theater mochte ich auch immer. Nach dem Abi, ein bisschen Reisen und Arbeit am Theater war dann die Frage, was als nächstes kommt. Im Schulsystem habe ich mich ziemlich schwer getan, also kam – wenn überhaupt Studium – nur ein möglichst „unschulischer“ Studiengang infrage. Also habe ich mich relativ blauäugig auf verschiedene Sachen beworben und mit dem Drehbuch hat es geklappt. 2017-2020 habe ich den Bachelor in Babelsberg gemacht und dann den Master drangehängt, den habe ich letztes Jahr abgeschlossen. Das war total gut, weil ich einerseits die handwerklichen und dramaturgischen Grundlagen gelernt und andererseits gleichzeitig frei und praktisch arbeiten und in verschiedenen Funktionen Teil von spannenden, sehr vielfältigen Projekten sein konnte.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Lara: Gemeinsam aktuell leider nicht, aber ich arbeite in anderen Konstellationen und allein an einigen Film- und Seriensachen und hoffe, dass etwas davon klappt. Für die Zukunft würde ich mir total wünschen, dass Animationsfilm auch für erwachsenes Publikum in Deutschland einen besseren Stand und Finanzierungsmöglichkeiten bekommt, und dann würde ich auch gern dafür schreiben!
Emilia: Momentan arbeite ich an meinem Abschlussfilm, und gleichzeitig an einigen Studioprojekten. Ich finde in der Animation sollten wir noch viel öfter mit Drehbuchschaffenden zusammenarbeiten und umgekehrt. Ich denke auch, dass Animation für Erwachsene in Deutschland eine Zukunft hat, und es noch so viele ungenutzte Möglichkeiten für animierte Stoffe gibt. Dafür brauchen unsere Gewerke einander unbedingt!
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Nicht Du“
