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Filmkritik: Auf der 74. Berlinale 2024 lief im Programm ‚Berlinale Special Gala‘ der deutsch-amerikanische Horrorfilm „Cuckoo“ (OT: „Cuckoo“, Deutschland/USA, 2024) von Tilman Singer, der verschiedene Genre mixt, um seine Wirkung zu erzielen.
Die 17-jährige Gretchen (Hunter Schafer) wird von ihrem Vater Luis (Marton Csokas) und dessen neuer Frau Beth (Jessica Henwick) gezwungen, mit ihnen in die deutschen Alpen zu ziehen. Dort wollen sie für Herr König (Dan Stevens) ein neues Resort aufbauen. Doch nicht nur, dass es Gretchen nervt, dass sie aus ihrem Leben in Amerika gerissen wurde, stimmt irgendwas nicht an diesem beschaulichen Ort. Frauen werden plötzlich sehr krank und verschwinden dann. Eine mysteriöse Frau im Trenchcoat verfolgt Gretchen immer wieder und der Ressortleiter scheint ebenso in die Ereignisse verwickelt zu sein.
Der Leipziger Regisseur Tilman Singer, der bereits mit seinem Abschlussfilm „Luz“ (2018) beim Genre-Publikum auffiel, schuf einen atmosphärisch dichten Horrorfilm, der aber auch Elemente aus anderen Genres wie Coming-of-Age-Geschichten, (Melo-)Drama und ein wenig Sci-Fi einbindet. Das Drehbuch stammt ebenfalls aus seiner Hand und schafft es gerade anfänglich, ein sehr Gefühle von großem Unbehagen und Anspannung zu schaffen. Leider kommt die Auflösung ein wenig zu früh im Film und wirkt auch ein wenig zu konstruiert, als dass sie einen befriedigt zurücklässt. Aber bis dahin ist der Mystery-Thriller-Horror mit dem jungen Gretchen im Zentrum ein sympathischer Horrorfilm, der zeigt, dass auch deutsche Filmemacher Horror können und sich auch die heimischen Landschaften gut dafür eignen.
Die Umsetzung des Horrorfilms ist gekonnt. Die Zuschauenden werden mit Gretchen zusammen an einem abgelegenen Ort in den Alpen (gedreht wurde übrigens in Nordrhein-Westfalen) entführt. Die Wälder sind dicht, die Bebauung ist wenig vorhanden und die Menschen verhalten sich von Beginn an größtenteils merkwürdig. Schnell wird Gretchen und uns klar, dass hier etwas nicht stimmt. Stimmig fängt der Film eine Bedrohlichkeit ein, die auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Dass dies so gut funktioniert, verdankt er auch einen gewissen Retro-Charme der Orte und dem starken Sounddesign. In dieser Welt wirken die wenigen Menschen fast wie Fremdkörper. Außer Herr König, gespielt von Dan Stevens, der sofort als Fiesling entlarvt wird, der aber dieses schleimig zuckersüße, aber hintergründig Böse einfach mit so viel Lust verkörpert, dass man ihn einfach als Antagonisten lieben muss. Schön ist auch, dass er dann grausamer ist, als es den anfänglichen Anschein macht. Hunter Schafer („Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“ (2023), „The Kind of Kindness“ (2024)) ist das Herz des Films und mit ihr zusammen fiebert das Publikum darauf hin auszubrechen, so funktioniert auch die queere Liebesgeschichte zwischendrin sehr gut. Aber gleichzeitig ruft die Figur auch Erinnerungen an bockige Teenager:innen wach, die einfach nie das wollen, was ihr Eltern wollen und damit spielt der Film ebenfalls wunderbar. So entstand eine interessante Mixtur, die sich aber vor allem dem Horrorfilm zuwendet, mit seiner Auflösung zwar nicht ganz überzeugen kann, aber dafür für gute Unterhaltung sorgt.
Fazit: „Cuckoo“ ist der zweite Film des deutschen Regisseurs Tilman Singer, der hier verschiedene Genre-Elemente in einen Topf wirft, um einen atmosphärisch dichten Horrorfilm zu schaffen. Auch wenn nicht alles überzeugt, ist der Film trotzdem sehr unterhaltsam und besticht mit einem interessanten Setting, großartigen Darsteller:innen und einer ungewöhnlichen Geschichte.
Bewertung: 6,5/10
Kinostart: 29. August 2024
Trailer zum Film „Cuckoo“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Berlinale Special Gala‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Cuckoo“
- Oneal Redux, ‚Urlaubsparadies mit Geheimnissen: „Cuckoo“ von Regisseur Tilman Singer mit Hunter Schafer bekommt deutschen Trailer und Kinostart im August‘, moviebreak.de, 2024
- Franco Schedl, ‚Cuckoo-Trailer: Horror aus den deutschen Alpen mit Hunter Schafer‘, film.at, 2024
- https://soundundvision.org/?p=2816
- Pamela Jahn, ‚https://ray-magazin.at/cuckoo/‘, ray-magazin.at. 2024
- Podcast Filmfrühstück, ‚Cuckoo | Tilman Singers Zweitwerk im Fokus‘, podcast.de, 2024


