„Gloria!“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der italienische Spielfilm „Gloria!“ ( OT: „Gloria!“, Italien/Schweiz, 2024) von Margherita Vicario stach unter den Wettbewerbsteilnehmer-Filmen der 74. Berlinale 2024 als schwungvolles Empowerment-Musical hervor, konnte sich aber nicht gegen den Gewinnerfilm „Dahomey“ (2024) von Mati Diop durchsetzen.

Die schweigsame Teresa (Galatéa Bellugi) lebt in der Mädchenmusikschule Sant Ignazio in der Nähe von Venedig. Während die anderen Bewohnerinnen als Teil des Chors und des Orchesters ihren Beitrag leisten, verrichtet sie niedrige Arbeiten. Als Teresa irgendwann ein Klavier entdeckt, verwandelt sie die Musik, die sie überall wahrnimmt in eigene Kompositionen. Eines Nachts wird sie dabei von den anderen jungen Frauen entdeckt und sie kosten diese neu gewonnene, musikalische Freiheit aus. Tagsüber dagegen werden sie vom Kapellmeister Perlina (Paolo Rossi) streng geführt, der sehr unter Druck steht, da der Papst seinen Besuch angekündigt hat.

Margherita Vicario, die man bisher als Sängerin und Schauspielerin („To Rome with Love“ (2012)) kannte, erzählt in ihrem Debüt die Geschichte einer Emanzipation. Dabei wählt sie eine Zeit und einen Ort, in er das leider eher nicht passiert ist und so macht sie gleich klar, dass es sich um eine märchenhafte Geschichte voller Wünsche handelt. Dabei spricht sie auch ernste Themen an, die man nicht nur historisch verorten muss. Doch trotzdem verliert der Film nie an Leichtigkeit und Schwung. Natürlich gibt es die obligatorischen Tiefpunkte, doch nur um dann um so mehr aufzublühen. Die gute Laune und die Kraft der Selbstermächtigung überträgt Vicario, die zusammen mit Anita Rivaroli das Drehbuch geschrieben hat, wunderbar aufs Publikum. So dass sich ganz automatisch der fromme Wunsch einstellt, dass alles so gewesen wäre: Wie sähe dann jetzt die Welt aus?

Der 106-minütige Spielfilm ist eine Mischung aus Musikfilm und Musical. Gerade der Anfang – bei dem aus Alltagsgeräuschen Musik entsteht – ist ein klassisches Musical, doch danach wird Musik dann vor allem im Kontext eingesetzt, wenn es um Proben, Auftritte und Spielereien geht. Da es im 18. Jahrhundert spielt, ist die Musik per se erstmal klassisch. Doch nach und nach schleichen sich moderne Töne ein. Den Gipfel erreicht der Film als Vicario, welche die gesamte Musik geschrieben hat, am Ende eindeutig moderne, popige Töne in das Finale einwebt. Die Liebe zur Musik merkt man dem ganzen Film an. Sie ist treibender Beat, sie ersetzt die Sprache und sie ist verbindend. Alles am Film schmiegt sich an das musikalische Thema an. Die Ausstattung und der Look sind zwar historisch, aber trotzdem sehr lebendig und farbenfroh. Obwohl die Geschichte tragische Elemente enthält, besitzt der Look etwas Romantisierendes. In dieser Welt bewegen sich die junge Schauspielerinnen äußerst souverän. Sie sind gleichzeitig Kinder der Zeit, aber auch modern und emanzipiert. So passt hier alles zusammen: Musik, Look und Schauspielerinnen sind gleichzeitig historisch und modern und damit ist der Film klar im Fantastischen, im Märchenhaften verhaftet und das macht den Reiz und den Spaß des Films aus.

Fazit: „Gloria!“ ist ein märchenhafter Spielfilm von Margherita Vicario, die darin die Kraft der Musik feiert. Sie erzählt eine Emanzipationsgeschichte in Form eines Musikfilms mit viel Leichtigkeit und Schwung und bleibt mit ihrer Musik in den Ohren und der Geschichte in den Herzen.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 29.08.2024

Trailer zum Film „Gloria!“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen