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Interview: Im Gespräch mit dem österreichischen Filmemacher Christoph Schwarz (Kurzfilme wie „Civilization“ (2021)) konnten wir mehr über seinen Langfilm „Sparschwein“ erfahren, der auf den 58. Hofer Filmtagen 2024 und bereits im österreichischen Kino zu sehen war. Wir haben nachgefragt, was alles echt an der Mockumentary ist, was visuell stimmig sein musste und wie Robert Stadlober als prominenter Sprecher zum Projekt dazu kam.
Die Entstehung des Films ist Teil des Films. Aus einem Klimakrisen-Projekt wurde ein Geldstreik-Projekt. Ist der Film genauso entstanden?
Jein. Aus dramaturgischen Gründen wurde die Geschichte so gebaut, als hätte Christoph sich erst notgedrungen für einen Klima-Selbstversuch im Fernsehen dem Aktivismus zugewandt. In der Realität habe ich mich mit dem Aufkommen der Fridays For Future und Extinction Rebellion schon ab 2019 in der Wiener Klimaaktivismusszene eingebracht.
Wie viel Wahrheit steckt in diesem Film? Willst oder kannst Du es uns verraten?
Sehr viel mehr, als man im ersten Blick vielleicht denken würde. Gerade, weil ja in großen Lettern „Mockumentarfilm“ drauf steht, ist die Lesart, die der Film selbst vorgibt, durchaus ernst gemeint: der Regisseur Christoph erzählt die nackte Wahrheit, aber diese ist als solche nicht mehr zu erkennen. Die Rahmenhandlung, das Fernsehformat „Streikjahre“ für den ORF, ist dagegen komplett fiktiv. Aber real existierende RegisseurInnen spielen sich darin selbst. Der Selbstversuch, ein Jahr ohne Geld zu leben, hat tatsächlich stattgefunden und wird sehr ehrlich nacherzählt. Ich arbeite mit selbsterfüllenden Prophezeiungen – d.h. ich stelle Behauptungen auf, die mit dieser Behauptung dann auch wahr werden. Manche sofort, manche erst mit der Zeit.
Inwiefern ist für Dich das Spiel mit der Wahrheit Teil des Films? Sollen sich Zuschauer:innen fragen, was wirklich passiert ist und was nicht?
Die Suche nach der Wahrheit darf als Motor verstanden werden, der Handlung zu folgen und ist als dramaturgisches Element durchaus mitgedacht. Das war die Prämisse des Films: dass man mit mehr Fragen aus dem Kino rausgeht, als man reingegangen ist.
Du triffst auf verschiedene Organisationen und Projekte. Hältst Du zu diesen noch Kontakt und wie haben sie sich weiterentwickelt?
All diese Aktionen und Initiativen wurden Teil meines Lebens und waren nicht geskriptet. Mit manchen verbindet mich noch immer eine intensive Zusammenarbeit, z.B. mit dem Aktivisten David Sonnenbaum. Wir haben im Frühjahr 2024 die Nachbarschaftsinitiative GÜRTEL LIEBE gegründet, die sich für Verkehrsberuhigung auf Wiens Prachtautobahn (dem „Gürtel“) einsetzt. #LobauBleibt, der viele Klimagerechtigkeitsbewegungen übergreifende Protest gegen eine Autobahn unterm Nationalpark im Osten Wiens, wird nächstes Jahr wohl leider auch wieder aktiv werden müssen. Mit dem Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat ist dieser Autobahnbau absurder Weise wieder auf der politischen Agenda. Die Letzte Generation in Österreich hat sich aufgelöst, mein Nachbarschaftsprojekt Cabrio-Beet hat gerade seine 4. Saison hinter sich und zieht nach wie vor sehr viel lokale Aufmerksamkeit auf sich. Zusammengefasst: ich stecke nach wie vor knietief in aktivistischen Projekten.
Der Film spielt auf zwei Ebenen, Bild-Ebene und Off-Kommentar. Kannst Du mir mehr dazu erzählen, warum Du Dich dafür entschieden hast – wie auch bereits in Deinen Kurzfilmen – die Bilder teilweise mit den gesprochenen Worten zu unterlaufen?
Diese Arbeitsweise hat sich mit einer Reise auf einem Containerfrachter nach China („Supercargo“) so ergeben und hat sich über viele Jahre ausdifferenziert und entwickelt. Anfangs waren die O-Töne ja kaum zu hören, bei „Sparschwein“ ist es ein richtiges Ping-Pong zwischen diesen beiden Erzählebenen. Ich mag den lapidaren Witz, der sich daraus ergeben kann, zwischen eloquenter Erzählerrede und dem banal-authentischen O-Ton.
Wie ist Robert Stadlober in das Projekt involviert worden – genauso wie es der Film erzählt?
Robert wurde klassisch gecastet als Off-Voice Actor, aber hat so viel Selbstironie mitgebracht, dass er Bereitschaft gezeigt hat, in der Meta-Handlung auch vorzukommen. Für mich ist das eine der unterhaltsamsten Szenen, ich bin Robert extrem dankbar, dass er mitgemacht hat.
Was waren Deine Vorstellungen von dem Look des Films?
Es war klar, dass die Kamera dokumentarisch unbewegt sein muss, damit ich selbst auch viele Szenen selbst filmen kann. Mit dem Kameramann Georg Glück haben wir ein Setup zusammengestellt, das flexibel und leicht einzusetzen war, und dank älterer Optiken auch einen filmischen Look ermöglicht. Gerade bei den Außenszenen in der Natur sind die Farben wirklich sehr sehr schön.
Stehen schon neue Projekte in den Startlöchern?
Es gibt einige Ideen, aber ich bin erstmal auf der Suche nach Finanzierung, um diese genauer auszuarbeiten. Ich möchte aber gerne inhaltlich der Klimafrage und dem Aktivismus treu bleiben.
Wird Dein Film in die deutschen Kinos kommen? Gibt es da bereits Pläne?
Das wäre schön. Wenn ihr Verleiher kennt, die Lust drauf haben: einfach bei meinem Produzenten Daniel Bleninger melden: pr@christophschwarz.net
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Films „Sparschwein“