„Sparschwein“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der österreichische Filmemacher Christoph Schwarz begeisterte schon in seinen Kurzfilmen mit seinem Stil, der offenen Erzähl-Art und der Mischform aus Realem und Fiktivem. In seinem nun bereits in den österreichischen Kinos gestarteten Langfilm „Sparschwein“ (Österreich, 2024) bleibt er sich treu und beschäftigt sich in seinem als Mockumentary gelabelten Film mit der Klimaschutzbewegung. 

Der ORF sucht für einige Fernsehprojekte Regisseure. Da die Leiterin mit dem Filmemacher Christoph Schwarz, der chronisch pleite ist, bekannt ist, bietet sie ihm an, sich ein Jahr lang dem Thema Klimastreik zu widmen. Das Produktionsbudget begeistert Schwarz sofort. Doch statt das Geld in den dokumentarischen Bericht zu stecken, beschließt er, davon lieber das erträumte Wochenendhaus im Waldviertel zu kaufen. Doch wie soll er jetzt noch seine Arbeit erledigen? Er ruft einen ‚Geldstreik‘ aus und verbindet diesen mit dem Klimaschutz. Wie gut kommt man also ein Jahr ohne Geld zurecht? Und was hat das mit der Umwelt zu tun?

Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Christoph Schwarz verwendete bereits bei seinen Kurzfilmen wie „Civilization“, „Wieso es gibt 3633 Emojis“ (2022) und „Supercargo“ (2015) den Stil und die Erzählart der Mockumentary. Die Filme dieses Genres tun, als ob sie dokumentarisch seien – aber alles ist inszeniert. Doch bei ihm sind die Geschichten nicht rein fiktiv, sondern er verwebt stets darin das Dokumentarische mit dem Fiktiven so eng, dass man als Zuschauer:in nie sicher sein kann, was echt und was erdacht ist. In seinem ersten Langfilm bleibt er diesem Prinzip treu und spielt so gekonnt damit, dass man als Betrachter:in immer wieder darüber nachdenkt, ob das nun wahr sein kann. Im Zentrum stehen die Herausforderung, ein Jahr ohne Geld zu leben und die Klimaschutz-Bewegung. Das geldlose Jahr ist natürlich eine große Kapitalismus-Kritik, die er aber immer wieder selbst augenzwinkernd unterläuft, u. a. wenn er sich dafür entscheidet, ein Haus von seinem Gehalt zu kaufen (vor dem Streik) oder sich bei allen möglichen Menschen durchschnorrt. Doch der eigentliche Kern seines Films sind die verschiedenen realen Klimaschutzprojekte, die Menschen, die dahinter stehen und die Projekte, die er gemeinsam mit ihnen umsetzt. Hier wirft der Film einen klaren Blick auf die Klimagerechtigkeitsbewegung in Österreich zwischen 2021 und 2023. 

Der Stil des Films bestimmt natürlich maßgeblich auch Teile des Inhalts. Dabei inszeniert Schwarz alles ungemein leichtfüßig und mit viel Humor, der meistens auch auf die eigene Kappe geht. Während man den Regisseur selbst in der Hauptrolle sieht, stammt das Voice-Over von Robert Stadlober. Dieser wird dann noch selbst Teil der Handlung, so dass auch der Off-Kommentar selbst entlarvt wird. Im Gesamten ist die selbstironische Mockumentary ein sympathisches Porträt dieser Zeit. Sie ruft nach Veränderung, zeigt aber immer wieder, dass die menschliche Natur Probleme hat, ihre Komfortzone zu verlassen und auch ehrlich mit sich selbst zu sein. Auf den 58. Hofer Filmtagen 2024 wurde der Film zurecht mit dem Hofer Kritiker Preis für Produktion ausgezeichnet und konnte auch schon in Österreich in den Kinos starten. Hoffentlich schafft der Film es auch in unsere Kinos. 

Fazit: „Sparschwein“ ist das Langfilm-Debüt des österreichischen Regisseurs Christoph Schwarz, der seiner Erzählweise zwischen Fiktion und Dokumentation treu bleibt. Wunderbar spielt er mit der Frage „Was ist echt?“. Hinzu kommt eine leichtfüßige Inszenierung und selbstkritischer Humor, so dass der Film äußerst unterhaltsam bleibt, aber dabei viele gesellschafts- und klimarelevante Themen aufs Tableau bringt. Wahlweise Widerstand gegen kapitalistische Verwertungslogiken oder geniale Selbstvermarktungsidee: Im Geiste von Christophs Selbstversuch haben wir in dieser Rezension als ‚Easter Egg‘ einen Geheimlink versteckt, der zum Stream des besprochenen Films führt. Viel Spaß damit! 

Bewertung: 9/10

Kinostart: unbekannt

Trailer zum Film „Sparschwein“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen