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Interview: Im Gespräch mit dem US-amerikanischen Filmemacher und Animationskünstler Michael Granberry konnten wir mehr über seinen Animations-Kurzfilm „Les Bêtes“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 zu sehen war, erfahren, wie er den No-Budget-Film realisiert hat und welche Bedeutung die Musik für den Puppen-Stop-Motion-Film spielte.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Im Laufe der Jahre, in denen ich mich mit Stop-Motion-Animation beschäftigt habe, habe ich Dutzende von Puppen für Projekte gebaut, die aus verschiedenen Gründen nie verfilmt wurden. Diese Puppen lagerten fast zwei Jahrzehnte lang im Lager, wo sie mit der Zeit langsam verrotteten. Im Januar 2020 wurde mir schließlich klar, dass es an der Zeit war, sie zu benutzen oder wegzuwerfen, also beschloss ich, sie alle zusammen in einen Film zu stecken und zu sehen, was passieren würde. Es gab kein Drehbuch und keine Storyboards; die Puppen wurden einfach auf einen Tisch gelegt, und ich ließ der Inspiration freien Lauf. Als die Coronavirus-Pandemie im März 2020 ausbrach, wurde „Les Bêtes“ von einem Freizeitprojekt zu meiner Vollzeitbeschäftigung. Da ich mich darauf verließ, dass meine „Schauspieler“ (die Puppen im Film) mir sagten, was ich zu tun hatte, wusste ich nie, was die nächste Aufnahme sein würde, bis ein paar Tage vorher.
Du bezeichnest den Film selbst als No-Budget-Film. Wie hast Du ihn ohne finanzielle Mittel auf die Beine gestellt?
Ich komme aus einem Theaterumfeld, in dem es nie viel Geld gibt, und man muss auf die vorhandenen Mittel, die Kreativität und den grenzenlosen Enthusiasmus zurückgreifen, um zu versuchen, etwas zu schaffen. In diesem Fall waren die Puppen die einzigen Mittel, also beschloss ich, alles andere aus recycelten und wiederverwendeten Materialien herzustellen. Diese Elemente, kombiniert mit dem bereits erwähnten Enthusiasmus, waren die Bausteine für den Film. Alles wurde von mir selbst gebaut und animiert, so dass es niemanden zu bezahlen gab, bis der Film fertig war und ich meinen Komponisten hinzu zog.
Stop-Motion ist wohl die zeitintensivste Machart. Warum wolltest Du einen Stop-Motion-Film machen und wie lange hast Du für die Umsetzung gebraucht?
Ich arbeite seit zwanzig Jahren mit Stop-Motion, es ist also wirklich das Medium meiner Wahl. Bei „Les Bêtes“ gab es keinen Abgabetermin, und ich wusste, dass ich mir so viel Zeit nehmen konnte, wie ich wollte. Wenn also bezahlte Arbeit anfiel, konnte ich sie für eine Weile beiseite legen, weil ich wusste, dass sie wieder da sein würde, wenn ich wieder Zeit habe. Insgesamt dauerte die Animation etwa sechzehn Monate, aber diese Monate verteilten sich auf vier Jahre.
Was war Dir visuell wichtig? Warum hast Du Dich für Schwarz-Weiß entschieden?
Wenn es möglich ist, bringe ich gerne Dinge auf die Leinwand, die ich noch nie gesehen habe. In diesem Fall inspirierte die grelle Farbpalette der versammelten Charaktere zu der Entscheidung, in Schwarz-Weiß zu arbeiten, was an eine Ladislas-Starevich-Animation aus den 1930er Jahren erinnerte. Im Anschluss an diese Idee wurden Aufnahmen erstellt und animiert, wobei so weit wie möglich versucht wurde, Filmtechniken zu verwenden, die denen der 30er und 40er Jahre nachempfunden waren. Es war eine tolle Erfahrung, da ich noch nie in Schwarzweiß gearbeitet habe, und ich würde gerne mehr in diesem Stil machen.
Da es keine Sprache gibt, ist der Ton und die Musik umso wichtiger. Kannst Du mir dazu erzählen?
Ich wusste von Anfang an, dass die Musik ein wesentlicher Bestandteil des Films sein würde, da es keine Dialoge und nicht einmal minimale Soundeffekte geben würde. Die Musik sollte nicht nur den emotionalen Bogen der Geschichte erzählen, sondern auch die „Stimmen“ der Figuren und der Soundeffekte sein. Ich bat meinen Komponisten, Lito Velasco, sich den Film als eine verworfene Sequenz aus Walt Disneys „Fantasia“ vorzustellen, und er hat das perfekt hinbekommen.
Mich erinnern die Figuren auch an Schreckensfiguren aus der Kunstgeschichte, insbesondere der Malerei. Kannst Du mir noch mehr zu den Einflüssen für Deine Arbeit erzählen?
Im Film gibt es viele direkte visuelle Hommagen an die Kunst, darunter Francisco Goyas „Saturn verschlingt seinen Sohn“, Henry Füsslis „Der Alptraum“ und Edvard Munchs „Der Schrei“. Vor allem bin ich ein großer Fan von Hieronymus Bosch, dessen fantastische Szenen mit Dutzenden von albtraumhaften Figuren, die alle in ihren eigenen kleinen Geschichten interagieren, mir den Antrieb gaben, so viele Figuren gleichzeitig auf der Leinwand zu zeigen.
Kannst Du mir noch kurz erzählen, wie Du selbst zum Film gekommen bist?
Ich habe mich schon früh in die Filme von Ray Harryhausen verliebt, was meine Liebe zur Stop-Motion inspiriert hat. Mit zehn Jahren habe ich angefangen, kleine Stop-Motion-Filme zu drehen, und das tat ich, bis ich etwa vierzehn war, als CGI aufkam und alle sagten, Stop-Motion sei tot, also habe ich mich stattdessen dem Theater und dem Live-Action-Film und dem Fernsehen zugewandt. Erst 2004, als Stop-Motion-Software erfunden wurde, fing ich als begeisterter 36-Jähriger ohne formale Animationsausbildung wieder damit an und habe nie zurückgeblickt.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Zurzeit arbeite ich an einem Horrorfilm, für den es wie bei „Les Bêtes“ keine feste Frist gibt. Das ist für mich der beste Ansatz, da ich nie weiß, wann ein großes Projekt ansteht und ich die Dinge für eine Weile beiseite legen muss. Aber wie „Les Bêtes“ mir gezeigt hat, führt die zusätzliche Zeit oft zu einem besseren Film!
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Les Bêtes“
Interview: In our conversation with US filmmaker and animation artist Michael Granberry, we learned more about his animated short film „Les Bêtes„, which was shown in the ‚Shock Block‘ program of the 25th Landshut Short Film Festival 2025, how he realized the no-budget film and what significance the music played for the puppet stop-motion film.
How did the idea for your short film come about?
Over the years working in stop-motion animation I’ve constructed dozens of puppets for projects that, for various reasons, were never filmed. These puppets lingered in storage for almost 2 decades, slowly deteriorating with the passage of time. Finally, in January of 2020, I realized it was time to use them or throw them away, so I decided to put them all in a movie together and see what would happen. There was no script and no storyboards; the puppets were simply laid out on a table and inspiration allowed to flow. As the coronavirus pandemic took hold in March of 2020, „Les Bêtes“ went from a spare-time project to my full-time occupation. Since I was relying upon my „actors“ (the puppets in the film) to tell me what to do, I never knew what the next shot would be until a few days beforehand.
You describe the film itself as a no-budget movie. How did you get it off the ground without any financial means?
I come from a theatre background where there is never much money, and you have to draw on available assets, creativity and boundless enthusiasm to try and make magic. In this case, the puppets were the only assets so I decided to make everything else with recycled and repurposed materials. These elements, combined with the aforementioned enthusiasm, were the building blocks for the film. Everything was built and animated by myself, so there was no one to pay until the film was finished and I brought in my composer.
Stop-motion is probably the most time-consuming type of production. Why did you want to make a stop-motion film and how long did it take you to realize it?
I’ve been working in stop-motion for twenty years so it’s really my medium of choice at this point. With “Les Bêtes” there was no deadline and I knew I could take as much time as I wanted, so when paying work came along I could put it away for awhile knowing it would be there when I had time again. Overall the animation took about sixteen months, but those months were spread out over four years.
What was important to you visually? Why did you choose black and white?
I like to put things on screen that I’ve never seen before when at all possible. In this case, the garish color palette of the assembled characters inspired the decision to proceed in black & white, which looked reminiscent of a 1930’s Ladislas Starevich animation. Following this germ of an idea, shots would be set up and animated, trying as much as possible to use filming techniques that mimicked those from the ’30s and ‘40s. It was a fun experience having never worked in black and white and I’d love to do more in that style.
As there is no language, the sound and music are all the more important. Can you tell me about that?
I knew at the beginning that the music was going to be integral to the film since there wasn’t going to be dialog and even minimal sound effects. The music would have to not only tell the emotional arc of the story but also be the “voices” of the characters and the sound effects. I asked my composer, Lito Velasco, to think of the film as a rejected sequence from Walt Disney’s “Fantasia”, and he knocked it out of the park.
The figures also remind me of terrifying figures from art history, especially painting. Can you tell me more about the influences for your work?
There are many direct visual tributes to art throughout the film, including Francisco Goya’s “Saturn Devouring his Son“, Henry Fuseli’s “The Nightmare” and Edvard Munch’s “The Scream”. Above all I’m a massive fan of Hieronymus Bosch whose fantastical scenes overrun with dozens of nightmarish characters all interacting in their own little stories gave me the drive to keep so many characters all going on screen at once.
Can you briefly tell me how you got into filmmaking?
I fell in love with the films of Ray Harryhausen at an early age, which was inspired by love of stop-motion. I started making little stop-motion films when I was ten and did so until I was about fourteen when CGI came along and everyone said stop-motion was dead so I pursued theatre and live action film and tv work instead. It wasn’t until 2004 when stop-motion software was invented that I got back into it as an enthusiastic 36 year old with no formal animation training and never looked back.
Are there any new projects planned?
I’m currently at work on a horror film that, like “Les Bêtes”, has no set deadline. It’s the best approach for me since I never know when a big project may come around and I have to put things aside for a while. But as “Les Bêtes” has shown me, the extra time often leads to a better film!
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Les Bêtes„