„Karate Kid: Legends“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der US-amerikanische Spielfilm „Karate Kid“ des Regisseurs John G. Avildsen aus dem Jahr 1984 konnte sich von Anfang an seiner Fangemeinschaft sicher sein, entwickelte sich über die Jahre zum Kult und zog diverse Filme, Serien und auch Remakes nach sich. Jetzt kam „Karate Kid: Legends“ (OT: „Karate Kid Legends“, USA, 2025) von Jonathan Entwistle in die Kinos und erzählt die Geschichte erneut, lässt hier aber die beiden Kampfsportarten Karate und Kung Fu verschmelzen. 

Li Fong (Ben Wang) lebt zusammen mit seiner Mutter (Ming-Na Wen) in Peking. Dort lernt er seit Jahren bei seinem Onkel Mr. Han (Jackie Chan) Kung Fu und hat sich zu einem veritablen Kämpfer entwickelt. Als er mit seiner Mutter nach New York City zieht, muss er ihr auch versprechen, nie wieder zu kämpfen, weil sie bereits einen Sohn dadurch verloren hat. Vor Ort hält er sich so lange aus allen Schwierigkeiten raus, bis er Mia (Sadie Stanley) und ihren stark verschuldeten Vater Victor Lipani (Joshua Jackson) kennenlernt. Dieser möchte seiner Misere mit offiziellen Boxkämpfen entkommen und bittet Li, ihn zu trainieren. Auch der Ex-Freund von Mia, Connor (Aramis Knight), fordert Lis Versprechen, nie wieder zu kämpfen, immer wieder heraus.

Jackie Chan und Ben Wang

Der Spielfilm „Karate Kid“ gehört zu jenen Sportfilmen, in denen ein Underdog sich hoch arbeitet, um einen mächtigen Gegner im sportlichen Kampf zu besiegen. Dabei entwickelt sich der Film vorhersehbar und bekommt natürlich ein Happy-End. Der Film machte nicht nur Ralph Macchio bekannt, sondern zog auch viele Nachfolger nach sich: die Teile 2 bis 4 erschienen zwischen 1986 und 1994. Auch als Serie wurde der Film aufgearbeitet: Mit der gleichnamigen Zeichentrickserie von 1989 und mit „Cobra Kai“ (2018-2025), die auf Netflix zu sehen ist. 2010 erschien mit „Karate Kid“ ein gleichnamiges Remake. In diesem Film zieht der junge Held (gespielt von Will Smiths Sohn, Jaden Smith) von Detroit nach China, wo er von dem von Jackie Chan gespielten Shifu Kung Fu lernt. Doch bis auf diesen Unterschied sind die Filme identisch inszeniert und so bietet das Remake keine Neuerungen zu dem Film von 1984.

Ben Wang, Jackie Chan und Ralph Macchio

Der nun 15 Jahre nach dem Remake erschienene Spielfilm von Jonathan Entwistle, nach einem Drehbuch von Rob Lieber, wählt einen Zwischenweg zwischen Remake und Fortsetzung. Dabei greift der Film die gleiche Struktur auf: Ein Umzug, eine neue Umgebung und am Ende ein Kampf, der aussichtslos scheint, aber gewonnen wird. Aber dazwischen variiert der Film, zum einen baut er mit Ralph Macchio als Karate-Sensei und Jackie Chan als Kung-Fu-Shifu beide Sportarten ein. Zusammen trainieren sie Li Fong und so entsteht eine Mischung aus Kung Fu mit Karate-Elementen. Zusätzlich gibt es mit der Figur des Victor noch einen weiteren Erzählstrang, der eine Zeit lang stärker als die Hauptstory hervortritt. Natürlich ist der Film auch eine große Verbeugung vor dem Original aus dem Jahr 1984, auch gibt es Anspielungen auf das Remake, obwohl der Junge aus diesem Teil trotz des gleichen Trainers nie zur Sprache kommt. So darf von der Geschichte von „Karate Kid: Legends“ keine Genre-Erneuerung erwartet werden, aber die Varianz, welche die Filmemacher einbringen, sorgt für bessere Unterhaltung als die Originalfilme, und huldigt trotzdem den Originalen genug, so dass Fans ebenfalls (auch mit einem Cameo am Ende) auf ihre Kosten kommen.

Joshua Jackson und Ben Wang

Der Regisseur Jonathan Entwistle, der bisher mit seinen Serien „The End of the F***ing World“ (2017-2019) und „I Am Not Okay with This“ (2020) auf sich aufmerksam gemacht, liefert inszenatorisch einen klassischen Underdog-Sportlerfilm ab. Mit gut choreographierten Kämpfen, Figuren, die sympathisch, aber eher oberflächlich skizziert sind, und mehreren schön montierten Trainingssequenzen. Bei der Inszenierung setzt er ebenfalls auf Altbewährtes. Auch die Besetzung ist gelungen: Neben den beiden großen Filmlegenden Ralph Macchio und Jackie Chan, spielt Ben Wang seine Rolle überzeugend. Dieser Film wird vermutlich sein Durchbruch werden, wie damals „Karate Kid“ für Macchio. Joshua Jackson („Fringe“ (2008-2013)) füllt seine Rolle als ehemaliger Boxer mit Geldsorgen sehr gut aus und steuert viel zur Dynamik des Films, aber auch zur Entwicklung der jungen Liebesgeschichte bei. 

Ben Wang

Fazit: „Karate Kids: Legends“ ist ein Spielfilm von Jonathan Entwistle, der das Miyagi-Verse, das 1984 mit „Karate Kid“ begann, weiterführt. Es ist gleichzeitig eine Art Remake der Geschichte, greift aber Elemente und Figuren der früheren Filme auf, so dass hier ein Hybrid entstand. Dies ist – vor allem für Fans der Reihe – unterhaltsam, gewinnt vielleicht auch ein paar neue Zuschauer:innen (auch für die alten Filme) und passt so gut zum 80er-Revival, dass zur Zeit in vielen Serien und Filmen heraufbeschworen wird.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 29. Mai 2025

Streaming: unter anderem bei Apple TV+ und Amazon Video

Trailer zum Film „Karate Kid: Legends“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über den Film „Karate Kid: Legends“ 
  • Karate Kid: Legends And What’s Making Us Happy, in Podcast: Pop Culture Happy Hour, 20.05.2025.
  • Karate Kid: Legends / Auftragen, polieren, neu machen, in Podcast: Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 28.05.2025.
  • Patrick Heidmann: Karate Kid: Legends, in: EPD Film, Ausgabe 6/25, S.53.
  • Marian Wilhelm, ‚„Karate Kid: Legends“: Das Miyagi-Verse expandiert‘, derstandard.de, 2025

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