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Filmkritik: Der ukrainische Spielfilm „U are the Universe“ (OT: „Ти – Космос“, Ukraine, 2024) von Pavlo Ostrikov, der zu Gast auf vielen Festivals war und u.a. beim 34. Filmfestival Cottbus 2024, wo er den Spezialpreis für die beste Regie und den Publikumspreis gewöhnen konnte, startet jetzt in den Kinos und ist eine Mischung aus einem dystopischen Weltraum-Drama und einer Rom-Com.
Der Weltraumfahrer Andrij Melnyk (Volodymyr Kravchuk) ist seit geraumer Zeit unterwegs, um atomaren Müll von der Erde auf den verlassenen Jupitermond Kallisto zu transportieren. Dabei wird er nur von seinem Bordcomputer Maxim (gesprochen von Leonid Popadko) begleitet. Der sporadische Kontakt zur Erde reißt eines Tages ab und nach einer Katastrophe scheint Andrij der letzte Überlebende zu sein. Wie soll er damit umgehen? Wie lange reichen seine Vorräte noch? Und ist so ein Leben überhaupt lebenswert? Doch dann meldet sich eine Stimme (Alexia Depicker) über Funk.
Der 90-minütige Spielfilm ist das Debüt des Regisseurs und Drehbuchautors Pavlo Ostrikov. Er erzählt zum einen eine klassische, sich an großen Vorbildern orientierende Sci-Fi-Geschichte über einen Weltraumfahrer, der aufgrund bestimmter Ereignisse auf sich allein gestellt ist. Der Weltraum als ultimativer Isolationsort bietet sich besonders für Sci-Fi-Dramen à la „Moon“ (2009) und „Gravity“ (2013) an. Auch hier geht es in der ersten Hälfte des Films um die existentielle Krise des Protagonisten. Wie fühlt es sich an, mit dem Wissen zu leben, der vermutlich letzte Mensch zu sein? An dessen Seite stellt Ostrikov ihm einen klassischen KI-Roboter-Begleiter, der nicht nur schlechten Humor zu bieten hat, sondern auch eine gewisse Ambivalenz besitzt. Auch das begründet sich in der Sci-Fi-Filmgeschichte u.a. durch den Bordcomputer HAL 9000 aus „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) von Stanley Kubrick. Doch in der zweiten Hälfte verändert sich die Tonalität des Films: Durch den Kontakt zu der französischen Astronautin entwickelt sich ein zartes Band, an das sich warme Gefühle und Hoffnungen knüpfen. Der Switch gelingt Ostrikov sehr gut, so dass man hier nicht nur den ersten Sci-Fi-Film der Moderne aus der Ukraine sehen kann, sondern zeigt, wie mühelos man diese Genres zusammenbringen kann.
Der gesamte Film wurde handwerklich stimmig umgesetzt. Das Ganze ist als Kammerspiel inszeniert und besitzt im gesamten Film nur wenige CGI-Aufnahmen. Der Raumfrachter besitzt einen realistisch rauen Charme und wirkt – wie es auch in der realen Raumfahrt so ist – sehr bodenständig. Die Spezialeffekte und Ausblicke auf das Universum werden gut, wenn auch sparsam eingesetzt. Das Ende besitzt dann noch einen kleinen magischen Touch, was wunderbar zur Wirkung des Films beiträgt. Die schauspielerische Leistung von Volodymyr Kravchuk schmiegt sich gut an die Geschichte an und er verkörpert ebenso überzeugend den gelangweilten Arbeiter vom Anfang des Films wie den lebensmüden und dann verliebten Mann im weiteren Verlauf.
Fazit: „U are the Universe“ ist ein ukrainischer Science-Fiktion-Film, der sich erst auf realitätsnahe und dann auf emotionale Weise mit menschlichen Themen auseinandersetzt. Der Regisseur Pavlo Ostrikov fand für sein Debüt einen gelungenen Look und eine atmosphärische Tonalität, welche die Zuschauer:innen mit Spannung und Gefühl zu packen weiß.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 4. September 2025
Trailer zum Film „U are the Universe“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 35. Filmfestival Cottbus 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „U Are the Universe“
- Rouven Linnarz, ‚U Are the Universe‘, film-rezensionen.de, 2024
- Filmfestival Cottbus, ‚FilmFestival Cottbus – U are the universe‘, radioeins.de, 2024
- Infestation: U Are the Universe, in Podcast: One of Us, 22.09.2024.

