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5.-10. November 2024 / Cottbus
Festivalbericht: Auch in diesem Jahr stand die brandenburgische Stadt Cottbus ganz im Zeichen des osteuropäischen Films. Sechs Tage lang konnte man in sechs Spielstätten 93 Lang- und rund 40 Kurzfilme sehen. Dabei waren die Kinos oft ausgebucht und vor den Sälen warteten meist weitere Besucher:innen, die noch auf ein Ticket hofften. Auch in diesem Jahr war die Bandbreite von Erzählformen und Genres so vielfältig wie die Herkunftsländer und bot so mit Sicherheit für jeden Gast den ein oder anderen Highlight-Film.
Wettbewerb Spielfilm
Der serbische Spielfilm „When the Phone rang“ von Iva Radivojević, der vom Krieg in Ex-Jugoslawien erzählt, konnte gleich zwei Preise gewinnen, den Hauptpreis für den besten Film und den FIPRESCI-Preis. Der Spezialpreis für die beste Regie und der Publikumspreis gingen an den ukrainischen Regisseur Pavlo Ostrikov für seinen Sci-Fi-Liebesfilm „U are the Universe“. Es ist ein dystopisches Weltall-Kammerspiel, das einem am Ende zu Tränen rührt.
Die Schauspielerin Eva Samioti erhielt den Preis für eine herausragende darstellerische Einzelleistung für ihre Rolle in dem griechischen Spielfilm „Riviera“. Neben den Preisträgern gab es noch weitere Filme zu entdecken. Besonders in Erinnerung blieben dabei der estnisch-lettische Spielfilm „Southern Chronicles“, die sympathische Geschichte eines jungen Mannes, der neben der Liebe zum Sport auch noch eine andere Liebe entdeckt, und der polnische Spielfilm „The Trap“. Auch dieser handelt von Liebe, aber diesmal zu Tieren. Die ganze Geschichte ist ein klarer Blick auf die Gesellschaft, die traditionell einen anderen Umgang mit Tieren pflegt.
Wettbewerb Kurzfilm
In diesem Jahr lockte das Kurzfilmprogramm wieder viele Zuschauer:innen in die Kinos. Erstmals auch in einer zweiten Runde am Sonntagmorgen. Der Hauptpreis für den besten Kurzfilm ging an den georgischen Film „Burning Sun“ von Nutsa Tsikaridze, der einen Blick auf die Welt aus Kinderaugen wirft. Einen anderen Blick vor allem auf die Liebe besitzt auch der 30-Minüter „Age of Dragon“, der den Spezialpreis an einen Regisseur erhielt. Neben den beiden Gewinnerfilmen konnte man neun weitere Kurzfilme sehen, die u.a. mit unterschiedlichen Erzählformen aus einem Land und dessen Gesellschaft berichten, wie „The Tie“ aus der Türkei oder „The Man who could not remain silent“ aus Kroatien erzählen. Doch Geschichten, die sich auf einen kleineren familiären Rahmen konzentrieren, gab es èbenfalls im Programm: So erzählt „Minus Two Hundred“ von toxischen Beziehungen, „@Tiktok_Cowboy“ vom Vaterwerden und der berührende „Christmas Day“ handelt vom Abschiednehmen.
U18 Wettbewerb Jugendfilm
Ein besonderer Höhepunkt des Cottbuser Filmfestivals ist jedes Jahr die Jugend-Reihe. In diesem Jahr konnte man dort sieben Filme sehen. Den Preis für den besten Jugendfilm gewann der polnische Spielfilm „Wet Monday“ von Justyna Mytnik, der darin von dem Trauma zweier Schwestern erzählt und gleichzeitig einen kritischen Blick auf die Gesellschaft mit ihren traditionellen Geschlechterbildern wirft. Auch Frauke Lodders Spielfilm „Gotteskinder“, der auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 bereits seine Premiere feierte, lief in der Reihe. Der im Dezember in den Kinos startende „Eine Erklärung für alles“ war ebenfalls im Programm. Der ungarische Film von Gábor Reisz erzählt schwungvoll, kreativ und humorvoll ein Polit-Drama. Selten hat ein Film den Spagat zwischen Unterhaltung und ernsthafter Auseinandersetzung mit einem Thema so gut geschafft.
Spektrum
Jedes Jahr ist die Spektrum-Reihe ein zuverlässiger Anlaufpunkt für Filme, die andere Erzählweisen und Perspektiven bieten. Zwei Filme aus diesem Programm konnten auch Preise abräumen (siehe unten). Weiterhin konnte man hier den wunderbar erzählten Animationsfilm „Flow“ finden, der von einer Katze erzählt, die sich vor der Flut rettet und dabei anderen Tieren begegnet und damit schon in Cannes ein Publikumsliebling war. Des Weiteren lief hier auch „Pelikan Blue“, der auch auf dem 67. DOK Leipzig 2024 lief und eine Geschichte aus den 1980er-Jahren aus dem Herzen Ungarns erzählt. Auch die zwei finnischen Komödien „Butterflies“ und „Neuigkeiten aus Lappland“, der jetzt auch in den Kinos startete, liefen in der ‚Spectrum‘-Reihe. Beide Geschichten erzählen von der Emanzipation einer jungen Frau an einem abgelegenen Ort und setzten dabei die Mittel der Komödie wunderbar ein. Ein besonderes Highlight, dessen beide Vorstellungen auch sehr gut besucht waren, war das Spielfilmdebüt von Jannis Alexander Kiefer: „Another German Tank Story“ führt uns in ein kleines Dorf, in dem zwar ein großer Blockbuster gedreht wird, aber alle Bewohner:innen eher mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben.
Weitere Programmreihen
Das Cottbus Filmfestival glänzte wieder mit einer Vielzahl von Sonderreihen, sodass man als Zuschauer:in stets schwere Entscheidungen fällen musste. Im ‚Specials‘-Programm lief die berührende Dokumentation „Im Prinzip Familie“, die auf dem 67. DOK Leipzig 2024 drei Preise gewinnen konnte. ‚Close-Up Armenia‘ zeigte elf Filme aus und über Armenien u.a. den Mix-Genre-Film „Aurora’s Sunrise“, der in Animationen und Interviews die Geschichte von Aurora erzählt, die aus dem Land geflüchtet ist und in Hollywood unverhofft Karriere machte. Für Freunde des Genre-Films gab es dann noch die ‚Midnight Madness‘-Reihe. Dort konnte man u.a. ein Horror-Komödien-Musical aus Estland mit viel Blut, Gedärmen und Gesang entdecken.
Fazit: Immer im grauen November wird die brandenburgische Stadt Cottbus zum Treffpunkt für Freunde des osteuropäischen Films. Unter der Leitung von Programmdirektor Bernd Buder gab es auch in der 34. Ausgabe wieder ein buntes Potpourri an Spiel- und Dokumentarfilmen, von Drama bis Horrorfilm, viel zu entdecken. So dass jede Zuschauer:in immer auch den richtigen Film für sich finden konnte und mit Sicherheit am Ende die Welt – oft auch auf unterhaltsame Weise – ein bisschen besser kennengelernt hat.
DIALOG-Preis für die Verständigung zwischen den Kulturen
„Zinema“ (Ukraine/Luxemburg, 2024, Regie: Kornii Hrytsiuk)
Preis für den besten Debütfilm
„78 Days“ (Serbien, 2024, Regie: Emilija Gašić)
Preis der Ökumenischen Jury
„Good Children“ (Kroatien, 2024, Regie: Filip Peruzović)
Förderpreis der Stiftung für das sorbische Volk/ spěchowańske myto załožby za serbski lud
Maja Nagel
Akcija! – der Filmförderpreis/filmowe spěchowańske myto
Nestor Grischin
PICK A STORY – Audience Logline Award
Simon Albin
Trailer des 34. Filmfestival Cottbus 2024:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website des Filmfestival Cottbus
- Wikipedia-Artikel über das Filmfestival Cottbus




