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Filmkritik: Der finnische Spielfilm „Neuigkeiten Aus Lappland“ (OT: „Ohjus“, ET: „The Missile“, Finnland, 2024) der Regisseurin Miia Tervo, der u.a. auf dem 34. Filmfestival Cottbus 2024 zu sehen war, ist ein feine Gesellschaftsdramödie aus einem abgelegenen Teil Finnlands und erzählt auch viel über heute relevante Themen, obwohl es in den 80er Jahren angesiedelt ist.
Die zweifache Mutter Niina (Oona Airola), deren gewalttätiger Ex-Mann Tapio (Tommi Eronen) im Gefängnis sitzt, zerstört aus Versehen das Fenster des Büros der Lokalzeitung. Sie bittet den Chef Esko (Hannu-Pekka Björkman) darum, die Schulden abarbeiten zu können. Dabei versteht sie noch nicht viel vom Fach, aber das passt ganz zu dem Blatt, das meist keine aufregenden News verbreitet. Als Niina auf dem Weg zur Hochzeit ihrer Schwester Kaisa (Emma Kilpimaa) einen lauten Knall hört, ist sie sich sicher, dass es sich dabei um eine russische Rakete handeln muss. Bald laufen in dem kleinen Ort das Militär und die internationale Presse auf und Niina wittert eine Chance für einen großen Artikel.
Bereits in ihrem Spielfilm „Aurora“ hat die Regisseurin und Drehbuchautorin Miia Tervo einen dezidierten, aber auch humorvollen Blick auf die finnische Gesellschaft und ihre Probleme geworfen. Hier geht sie nun in der Zeit zurück – nach Lappland im Jahr 1984. Es erzählt dabei eine Geschichte aus dem Kalten Krieg, der hier nur wenig Nachhall zu haben scheint, aber zeigt, dass in manchen Menschen die Angst vor einer Auseinandersetzung mit der Sowjetunion und vor einem Atomkrieg schlummert. Doch diese ganze Geschichte ist vor allem ein McGuffin für die persönliche Geschichte von Niina. Ihre Bedrohung in Form ihres Ex-Mannes sitzt am Anfang des Films noch im Gefängnis. Doch als er entlassen wird, muss sie sich ihm stellen und entscheiden, ob er ein Teil ihres Lebens sein soll. Mit ihrem journalistischen Wachstum wächst auch ihr Selbstbewusstsein. So sehen wir eine Emanzipationsgeschichte einer Frau, die sich immer herumschubsen ließ. Auch das Verhältnis zu den einzelnen Familienmitgliedern, vor allem ihrer dominanten Stiefmutter und ihrem dementen Großvater, wird hier unter die Lupe genommen. So entstand ein einfühlsames Drama, das auch vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt. Aufgelockert wird es mit dem ein oder anderen (Irr-)witz, einer Liebesgeschichte und einer locker flockigen Inszenierung.
Die Ausgestaltung des Films ist eine große Verbeugung vor den 1980er Jahren. Alles ist hier im schönsten Zeitgewand gestaltet von der Ausstattung der Räume, über die Kostüme hin zu den Frisuren. Hinzu kommt der knallige Synthie-Pop-Soundtrack, der manchmal noch eine Konnotation mehr zum Film hinzugefügt. So ist der Film ein reiner Augen- und Ohrenschmaus und ist perfekt, um den trockenen Humor der Finnen zu unterstützen. Natürlich darf man hier nicht den fantastischen Cast vergessen. Allen voran spielt Oona Airola ihre Niina so nahbar, dass man sie sofort ins Herz schließt. Aber auch viele andere Charaktere wie der Großvater, gespielt von Kai Lehtinen, die Schwester (Emma Kilpimaa) und Hannu-Pekka Björkman („The Eternal Road“ (2017)) als Chefredakteur hat man schnell liebgewonnen. So kann man sich hier auf eine Dramödie freuen, die sich vor allem auf die gefühlvollen Momente seiner Emanzipationsgeschichte konzentriert, aber diese immer wieder mit humorvollen Szenen auflockert und ganz nebenbei noch von einer wahren Begebenheit aus den Zeiten des Kalten Krieges erzählt.
Fazit: „Neuigkeiten aus Lappland“ ist der zweite Spielfilm der finnischen Regisseurin Miia Tervo, der die Zuschauer:innen in die 1980er Jahren des ländlichen Lapplands bringt und mit lakonischen Humor vor einem geopolitischen Hintergrund die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau erzählt, die man auch dank der tollen Hauptdarstellerin Oona Airola sofort ins Herz schließt.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: 14. November 2024
Trailer zum Film „Neuigkeiten Aus Lappland“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 34. Filmfestival Cottbus 2024 – Katalog (Programm ‚Spektrum‘)
- Britta Schmeis, ‚Kritik zu Neuigkeiten aus Lappland‘, epd-film.de, 2024
- Lida Bach, ‚Neuigkeiten aus Lappland – Kritik‘, moviebreak.de, 2024
- Eintrag des Films „Neuigkeiten aus Lappland“ beim Filmverleih Neue Visionen


