„The Eternal Road“ (2017)

Filmkritik: Auf dem 28. Cottbuser Filmfestival lief der Spielfilm „The Eternal Road“ (OT: „Ikitie“, Finnland, Schweden, Estland, 2017) von Antti-Jussi Annila. Dieser erzählt nicht nur mit schockierender letzter Konsequenz eine Stück unbekannter Geschichte, sondern schafft es auch mit einem hollywoodgerechten Look seine Inszenierung von anderen Filmen in der Spektrum-Reihe abzusetzen.

Jussi Ketola (Tommi Korpela) muss 1931 aus Finnland fliehen und seine Familie zurücklassen. Als er Asyl in der Sowjetunion erhält, merkt er schnell, dass hier unter dem Deckmantel des Kommunismus auch nicht alles stimmt. Er darf das Land nicht wieder verlassen, sondern wird in die Kolchose „Hopea“ eingegliedert. Er soll dort als Spion die Aktivitäten der friedlichen Gruppe überwachen, die vor allem aus Amerikanern besteht, welche helfen wollen, den Kommunismus aufzubauen. Nach und nach findet er dort ein Zuhause und eine neue Familie, doch der Schrecken verfolgt ihn weiterhin.

Der finnische Film „The Eternal Road“, der für den bekanntesten finnischen Filmpreis – den Jussi Award  – in 13 Kategorien im Jahr 2018 nominiert war, basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt damit ein Stück zumindest hierzulande unbekannte Geschichte. So müssten die Ereignisse, die sich in den 30er Jahren in der Sowjetunion ereigneten, für viele Zuschauer zuallererst eine informative Geschichtsstunde sein. Doch der finnische Regisseur Antti-Jussi Annila (*1977), dessen Film „Sauna“ bereits viel Anerkennung erhielt, erzählt hier in seinem dritten Spielfilm nicht nur die Ereignisse runter, sondern wählt einen sehr emotionalen Ausgangspunkt. Es basiert auf dem letzten Teil einer Romantrilogie von Antti Tuuri, der zusammen mit Tom Abrams, Antti-Jussi Annila sowie Aku Louhimies das Drehbuch verfasste. Der Mittelpunkt und Sympathieträger der Geschichte ist der etwas raubeinige Jussi Ketola, erschaffen nach einer realen, historischen Person, welcher im Verlauf der Geschichte wiederholt mit Verlust und Neuanfängen konfrontiert wird. Dabei erstaunt der fast ungebrochene Überlebenswille der Figur. Der Regisseur schafft es, einer persönlichen Geschichte historisches Gewicht zu verleihen und macht ein Einzelschicksal zu einem Beispiel für eine historische Epoche. Er fängt dabei mit voller Wucht die Utopie und den Schrecken der stalinistischen Diktatur ein. Das macht den Spielfilm zu einem gefühlvollen und lehrreichen Film zugleich.

Hinzu kommt eine souveräne und überzeugende Ausgestaltung der Geschichte. Die Inszenierung mit ihren satten Farben gibt den perfekten Rahmen für das historische Drama. Dabei wird die Idylle in schönen, warmen Bildern eingefangen. Doch der Verlust und der Tod werden genauso bebildert und diese Bilder kommen dazu meistens so schnell und überraschend, dass man den Blick nicht abwenden kann, auch wenn man gern die letzten Konsequenzen nicht sehen möchte. Das unterscheidet den Film von manchen Hollywood-Produktionen, welche die Schonung der Zuschauer beabsichtigen, doch ansonsten besitzt der Spielfilm viele Qualitäten von amerikanischen Produktionen. Dazu gehören die souveräne Bildsprache, die gute Kameraarbeit und der klassische Einsatz von Musik. Auch können alle Darsteller, allen voran der Hauptdarsteller Tommi Korpela, mit ihrer Darstellung glänzen und lassen trotz großer Dramatik die Figuren menschlich und nie klischeehaft erscheinen. Zusammen mit der berührenden Geschichte macht das „The Eternal Road“ zu einem rundum gelungenen Historien-Drama.  

Fazit: Das Historien-Drama „The Eternal Road“ erzählt einen für viele unbekannten Teil der europäischen Geschichte und entlarvt dabei mehrere Systeme. Durch den wahren Hintergrund und die Fokussierung auf das Schicksal einer Person schafft es der Spielfilm in hollywood-ähnlicher Manier Fakten mit Emotionalität zu vereinen und zu berühren. Der Regisseur Antti-Jussi Annila schuf eine Geschichte mit starken Bildern, einem echten Drama und viel Herz.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „The Eternal Road“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„The Eternal Road“ (2017)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.