„The Sisters“ (2018)

Kurzfilm / Polen / Dokumentarfilm / 2018

Filmkritik: Auf dem 61. DOK Leipzig gab es einen ganzen Filmblock, der sich mit dem Thema Nonnen und Klosterbetrieb beschäftigte. Während der Langfilm „The Sister’s Song“ vor allem eine persönliche Geschichte erzählt, besticht Michał Hytroś‘ „The Sisters“ (OT: „Siostry“) mit einem authentischen Blick hinter die Kulissen eines geschlossenen Klosters.

In Staniatki, in der Nähe von Krakau, befindet sich das älteste, geschlossene Kloster Polens. Seine 12 Bewohnerinnen sind fast alle über 70 Jahre alt und führen ihr Leben geprägt von ‘ora et labora’. Sie haben über die Jahre eine feste Gemeinschaft gegründet, in der die Arbeit und das Gebet im Vordergrund stehen, aber auch gemeinsame Aktivitäten und vor allem das Füreinander-da-sein haben eine Priorität. Den wichtigsten Dienst leisten sie für die Außenwelt, indem sie Gebete sprechen, ansonsten führen sie ein Leben abseits der Entwicklungen und Zeitströmungen.

Als der junge Filmemacher Michał Hytroś nach Warschau ging, um zu studieren, wurde er, wie auch schon früher, immer auf das berühmte Kloster in seiner Heimatstadt angesprochen. Das Kloster, gebaut im 18. Jahrhundert, stellt eine Besonderheit in der Klosterlandschaft dar und ist für die katholischer Bevölkerung immer noch ein wichtiger Anlaufpunkt, vor allem wenn es Probleme zu lösen gibt. Als er der Regisseur ein Thema für seinen nächsten Dokumentarfilm suchte, wurde ihm das Kloster vorgeschlagen. Nach anfänglichem Zögern ging er das Projekt an und bekam die Erlaubnis in dem Kloster zu drehen. Entstanden ist ein 20-minütiger Film, der auf keinem Fall blauäugig die Kloster-Tradition verherrlicht, sondern ein wahrhaftiges Bild zeichnet. Er fängt die Nonnen bei ihrem Alltag ein, zeigt, dass das Alter an ihnen nagt und wie fest sie in ihrem Rhythmus verankert sind. Die Bilder sind wunderbar echt und beschönigen nichts. Doch das Nonnen-Dasein, was normalerweise hinter verschlossenen Türen bleibt, bekommt hier etwas sehr Menschliches und auch Liebenswertes. Man erkennt, dass Hytroś kein Sympathisant der Kirche ist, aber er stellt seine Kritik nicht in den Vordergrund, sondern fängt das Leben unverfälscht ein. Das Interpretieren und Einschätzen, ob so ein Leben in heutigen Zeiten noch seine Richtigkeit hat, überlässt er dem Zuschauer.

Fazit: Der Dokumentar-Kurzfilm „The Sisters“ des polnischen Regisseurs Michał Hytroś ist ein intimer Einblick in ein geschlossenes Nonnenkloster. Die Kamera fängt den Alltag der Nonnen unverblümt und offen ein und portraitiert dabei vor allem die Menschen hinter dem Gewand. Das macht den Film charmant, aber nicht unkritisch, und lässt unmerklich die richtigen Fragen aufkommen.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „The Sisters“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„The Sisters“ (2018)

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