„Mary Anning“ (2025)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der Schweizer Animationsfilm „Mary Anning“ von Marcel Barelli, der im ‚Young Eyes‘-Programm des 68. DOK Leipzig 2025 zu sehen war und schon in einigen europäischen Ländern in den Kinos gestartet ist, erzählt basierend auf realen Personen von einer der ersten Paläontologinnen der Welt. 

Die 12-jährige Mary Anning liebt es, mit ihrem Vater Richard zusammen an der Küste des kleinen Städtchens Lyme Regis nach Fossilien zu suchen. Dabei müssen sie immer darauf achten, vor der Flut das Gelände zu verlassen. Doch an einem Tag schafft es ihr Vater nicht mehr nach Hause. Was ist passiert? Hat er etwas entdeckt? Eine mysteriöse Zeichnung könnte der Schlüssel sein. Trotzdem muss Mary jetzt vor allem erst einmal für ihre Mutter Molly und ihren Bruder Joseph da sein, da sie ohne den Vater in Not und Armut geraten sind. 

Der Animationsfilm basiert auf der realen Paläontologin Mary Anning (1799-1847). Sie hat vor über 200 Jahren in Lyme Regis in England gelebt und ist immer noch für ihren großen Fossilienfund des Plesiosaurus dolichoderus weltberühmt. Der Regisseur Marcel Barelli, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt von der 12-jährigen Mary, die durch ihren Vater die Leidenschaft entwickelt hat, sich trotz aller Widrigkeiten treu bleibt und weiter auf Fossiliensuche geht. Ihre Geschichte ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man sich nicht verstellen soll und das Leben leben soll, was man will. Die Geschichte spielt im Jahr 1811 und ist somit auch ein Portrait der Zeit und der damaligen Gesellschaft. Sie zeigt auf leichtfüßige Weise, welchen starken Einfluss die Kirche in dieser Zeit hatte, welche Stellung der Frau zugedacht wurde und, dass bereits Kinder in jungen Jahren unterdrückt und in die für sie vorbestimmten Rollen gepresst wurden. Umso wohltuender ist die Figur von Mary, die für Widerstand steht und dafür, ihren eigenen Weg zu gehen. Da der Film bereits für junge Zuschauer:innen geeignet ist und auch als Schulmaterial eingesetzt wird, ist ein Happy-End zwar vorprogrammiert, ist aber auch in den realen Ereignissen begründet. Da der Film auch nicht vor ernsten Themen wie Verlust, Armut, Ausgrenzung und repressiven Systemen zurückschreckt, ist es umso wichtiger, dass am Ende eine wohltuende und kraftspendende Botschaft steht.  

Umgesetzt ist der Schweizer Animationsfilm in digitalen 2D-Zeichnungen. Dabei werden die Figuren mit großen Augen und klaren Charakteristika eingefangen. Das Team (u.a. mit Marjolaine Perreten als Künstlerische Leitung) arbeitete dabei mit kontrastreichen Farbflächen bei den Figuren. Die Umgebungen sind detailliert gezeichnet und fangen Großbritannien am Anfang des 19. Jahrhunderts wunderbar ein. Dabei werden die Fossilien realistisch und in ihrer Vielfalt gut eingefangen. Der absolute Sympathieträger ist der Hund Tray, der mit seinem süßen Look und seiner Quirligkeit alle Herzen erobert. Hinzu kommt eine tadellose Synchronisation und der Einsatz gängiger, wenn auch ein wenig zu poppiger Musik. 

Fazit: „Mary Anning“ ist ein Animations-Langfilm, der mit stimmigen Bildern und liebenswerten Charakteren aus dem Leben der damals 12-jährigen Mary Anning erzählt, die heute zu einer der ersten Paläontologin der Welt zählt. Die Geschichte ist mitreißend für ein junges Publikum bestimmt, spricht aber mit der Inszenierung wie auch der innewohnenden Botschaft Jung und Alt gleichermaßen an. So ist der Film auch ein Zeitportrait, macht klüger und zeigt Kindern, dass man sich auch gegen Ungerechtigkeiten und Fehlverhalten wehren kann und soll. 

Bewertung: 3,5/5

Trailer zum Film „Mary Anning“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen