„EX-tract“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Schweizer Animationsfilm „EX-tract“ von Marcel Barelli, der im Animations-Kurzfilm-Wettbewerb des 68. DOK Leipzig 2025 seine Weltpremiere feierte, thematisiert in der Kürze der Zeit mit einer klaren Botschaft das aktuelle Artensterben.

Das Voice-Over schildert das aktuelle, menschengemachte Artensterben. Es verweist dabei auf bekannte Schriften u.a. auf die Shifting-Baseline-Syndrom-Theorie von Daniel Pauly und sucht seine Nähe zur Extinction-Rebellion-Bewegung. Auf Bildebene sehen wir Tiere, die es mal gab und Erinnerungen an die eigene Kindheit des Regisseurs. 

In nur drei Minuten präsentiert uns der Regisseur Marcel Barelli hier Gedanken, Thesen und Fakten rund um das aktuell stattfindende und menschengemachte Artensterben. Man kann es als die ‚sechste Auslöschung‘ bezeichnen. Dabei greift er mit Archivmaterial auch die vorher stattgefundenen Artenverluste auf und zeigt so, welche Tiere wir nicht mehr kennen und ganz nach der Theorie von Pauls auch an die wir nicht mehr denken. Für das Verschwinden findet er auf visueller Ebene einen ansprechenden, wie einprägsamen Ansatz. Er schuf seine Zeichnungen mit verdunstenden Wasseranimationen, welche die Vergänglichkeit auf künstlerische Weise einfangen. Das Papier, die Farbe und seine Hände sind sichtbar und zeigen die Nähe des Themas zum Künstler selbst, der sich auch in seinen anderen Kurzfilmen wie „Autosaurus Rex“ (2022) und seinem ersten Langfilm „Mary Anning“ (2025) mit Themakanon Natur- und Klimaschutz beschäftigt. Hier erzählt er vorrangig davon, dass der Mensch zum Vergessen tendiert und so auch das Verlorene nicht mehr vermisst. Aus diesem Grund muss Tier- und Unweltschutz genau jetzt entstehen und auch greifen. So ist der Film trotz persönlicher Einschübe und Erinnerungen an die Kindheit vor allem eine Aufforderung zum Hinsehen und ein Appell zum Handeln. 

Fazit: „EX-tract“ ist ein dreiminütiger Kurzfilm von Marcel Barelli, der sich mit dem aktuellen Artensterben auf künstlerische sowie eindringliche Weise auseinandersetzt. Dabei fängt er dieses Thema nicht nur mit einem klar positionierten Voice-Over, sondern auch mit sich auflösenden Wasseranimation ein.

Bewertung: 3,5/5

Trailer zum Kurzfilm „EX-tract“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • 68. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2025
  • Doreen Kaltenecker, ‚Neun Fragen an Marcel Barelli‘, testkammer.com, 2025
  • Eintrag des Kurzfilms „EX-tract“ auf der Website des Regisseurs Marcel Barelli
  • Eintrag des Kurzfilms „EX-tract“ beim Distributor Swiss Films

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