Acht Fragen an Joshua Long

Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Joshua Long erfuhren wir mehr über seinen Kurzfilm „Post Mortem Mary“, welcher das 20. Landshuter Kurzfilmfestival mit eröffnet hatte, welche Inspiration ihn dazu führte und ob es davon auch eine Langfilmvariante geben wird.  

The original english language interview is also available.

Wie kam Dir die Idee für die Geschichte zu Deinem Kurzfilm „Post Mortem Mary“ in den Sinn?

Meine Eltern sind Antiquitätenhändler, deshalb war ich schon immer von der viktorianischen Ära fasziniert. Ich stieß auf die Post-Mortem-Fotografie und war einfach fasziniert. Ich habe mich gefragt, wer diese Bilder eigentlich gemacht hat und wie es wäre, das als Beruf zu machen. Alle meine Filme handeln vom Tod. Wir sind jetzt so weit vom Tod entfernt. Die Verbindung zum Tod aus dieser Zeit ist für mich wunderbar. Die Erzählidee und der Charakter von Mary kamen von meiner Großmutter Mary, die als kleines Kind darin geschult wurde, die Toten zu „legen“. Sie war damals erst zehn Jahre alt.

Erzähl mir mehr über die Inspiration für deinen Kurzfilm. Hast Du Vorbilder auf die Du Dich beziehst?

Als ich aufgewachsen bin habe ich sehr viele italienische Horrorfilme gesehen. Die wichtigsten Inspirationen für dieses Projekt waren die Horrorfilme von Lucio Fulci [„Ein Zombie hing am Glockenseil“ (1980), „Zombi 3“ (1988)], Mario Bava [„Im Blutrausch des Satans“ (1971), „Schock“ (1977)] und Dario Argento [„Susperia“ (1977), „Opera“ (1987)]. Ein weiterer Film, der mich inspiriert hat und mich auch weiterhin für die Langfilmfassung inspiriert, ist „Let The Right On In“ [Regie: Tomas Alfredson, 2008]. Er ist einfach ein perfekter Film und hat so interessante und vielschichtige Kinderfiguren.

Hattest Du Skrupel den Film auf diese konsequente Weise enden zu lassen?

Der Film handelt von einem Kind, das mit seiner eigene Sterblichkeit konfrontiert wird. Ein Kind, das dem schwarzen Abgrund des Nichts gegenübersteht. Die Dunkelheit des Kameraobjektivs repräsentiert dies. Ich wollte einen kleinen Moment der existentiellen Angst ganz am Ende nach dem großen Schrecken des Monsters haben. Es war hauptsächlich, um mich selbst zu erschrecken. Wenn ich an den Tod denke, mache ich mir Sorgen, dass ich nie nie wieder je sein werde. Das Betrachten des schwarzen Nichts, wie des dunklen Daguerreotype-Objektivs war der beste Weg, den ich finden konnte, um das zu zeigen.  

Kannst Du mir von den Dreharbeiten erzählen? Wo habt ihr gedreht und wie habt ihr das Zeitkolorit, was wunderbar gelungen ist, so authentisch realisieren können?

Das Projekt wurde von ‚Screen Queensland‘ in Australien finanziert. Also drehten wir den Film vor Ort im ländlichen Queensland in einer kleinen Stadt namens Boonah. Es liegt westlich von Brisbane. Die Hütte selbst wurde tatsächlich in den 1880er Jahren gebaut, so dass sie an sich authentisch war. Wir haben den Antiquitätenladen meiner Eltern durchsucht, um sie auszufüllen. Produktion und Set-Design arbeiteten unermüdlich daran, einen authentischen Look wiederherzustellen. Unsere Kostüme wurden von Amelia Fuller brillant gestaltet. Die unglaubliche Kameraarbeit von Ben Not im Cinemascope gab ihm den perfekten Western-Look. Ich bin so stolz darauf, wie dieser Film aussieht und könnte die gesamte Crew hier aufzählen. 

Viel zum Charme tragen auch deine Darsteller bei. Wie hast Du sie gefunden – vor allem die Jungdarstellerin Stella Charrington spielt überzeugend und hat alle Sympathien auf ihrer Seite.

Stella Charrington ist eine heimische Schauspielerin und wir waren begeistert, als sie vorsprach. Sie war erst das fünfte Mädchen, das vorgesprochen hat, und wir wussten, dass wir unsere Maria hatten. Sie ist so talentiert! Stella liefert eine Performance ab, die über ihr Alter hinausgeht und ist ein Naturtalent. Sie ist auf dem richtigen Weg. Sie ist so intelligent. Sie folgt Regieanweisungen genauso gut wie alle anderen, mit denen ich je zusammengearbeitet habe. Ein wahres Naturtalent. Sie hat nicht ein einziges mal gezuckt! Ihre Performance gab dem Film wirklich die Glaubwürdigkeit, die er brauchte. Der Film konnte nur auf ihrem Rücken stehen oder fallen und sie hat den wahren Horror eines kleinen Mädchens, dass dem Tod zum ersten Mal ins Auge blickt so großartig gespielt.

Die Auftritte der gesamten Besetzung waren außergewöhnlich. Ich fühlte mich selig, jeden Einzelnen zu haben. Jeder einzelne ist ein in Queensland aufgebautes Talent.

Kannst Du mir noch etwas mehr zu den Effekten erzählen. Ist alles Handarbeit?

Die Effekte wurden von dem Emmy preisgekrönten FX-Künstler Chad Atkinson und seinem Team umgesetzt. Er ist ein Meister der praktischen Effekte. Das prothetische Make-Up  der toten Maria war komplett echt, abgesehen von der Rotoskopie ihrer Augen. Die Nahaufnahme des Löffels im Auge war auch ein praktischer Effekt auf einen Prop-Kopf von Chad mit Augentrübung durch unser Post-FX-Team. 

Deine Pläne gehen dahin einen Langfilm draus zu machen – ist das korrekt?

Der Kurzfilm ist eine Aushängeschild für einen Spielfilm. Es ist mein lebenslanger Traum, einen Spielfilm zu machen. Wir arbeiten schon sehr lange an der Spielfilmversion und hoffen, das Drehbuch bald fertig zu haben. 

Kannst Du zum Schluss noch ein bisschen von Dir erzählen. Wie hast Du Deine Liebe zum Horrorfilm entdeckt und arbeitest Du gleichzeitig noch anderen Projekten?

Zum Zeitpunkt der Entstehung von „Post Mortem Mary“ beendete ich tatsächlich meine Abschlussarbeit an der Griffith Film School. Wir haben den Film abgeschlossen, am nächsten Tag habe ich meine akademische Arbeit abgegeben und am Tag danach sind wir zum Screamfest in L.A. geflogen. 

Meine Liebe zum Film kam von der Tatsache, dass ich Legastheniker bin. Ich wuchs mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben auf und verliebte mich in die Geschichten des Kinos. Ich war auch ein sozialer Außenseiter und schon in jungen Jahren war ich vom Tod besessen. So wurde ich schnell süchtig nach den Filmen von Ray Harryhausen. Das wurde zu einer Besessenheit mit brutalem Horror wie „The Evil Dead“ [Sam Raimi, 1981] und „Dawn Of The Dead“ [Zack Snyder, 2004]. Diese Liebe zu Zombiefilmen führte mich dann zur Besessenheit für die italienischen Zombiefilme von Lucio Fulci und die Kannibalenfilme von Umberto Lenzi [„Die Rache der Kannibalen“ (1980), „Lebendig gefressen“ (1981)]. Ich bin ein Horror-Nerd!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Post Mortem Mary


Interview: In our conversation with director Joshua Long we learned more about his short film „Post Mortem Mary„, which opened the 20th Landshut Short Film Festival, what inspiration led him to it and whether there will also be a feature film version of it.  

How did you come up with or find the story for „Post Mortem Mary„? 

My parents are antique dealers so I have always been fascinated with the Victorian Era. I came across Post Mortem photography and was just fascinated. I wondered about who actually took those images and what it would be like to do that for a job. All my films are about death. We are so disconnected from death now. The connection to death from this period in history is wonderful to me. The story idea and the character of ‚Mary‘ came from my grandmother Mary whom as a young child was trained how to ‚Lay Out‘ the dead. She was only ten years old at the time.  

 

Tell me about your inspiration for your short film. Do you have any role models you refer to?

I grew up watching Italian horror. The major inspirations on this project were the horror films of Lucio Fulci [„Paura nella città dei morti viventi“ (1980), „Zombi 3“ (1988)], Mario Bava [„Ecologia del delitto“ (1971), „Shock“ (1977)] and Dario Argento [„Susperia“ (1977), „Opera“ (1987)]. Another film that inspired me and continues to do so for a feature version is ‚Let The Right On In’… It is just a perfect film and has such interesting and layered child characters.

Did you have scruples about ending the film in this way?

The film is about a child coming to terms with their own mortality. A child facing the black abyss of nothingness. The darkness of the camera lens represents this. I wanted to have a slight moment of existential dread right at the end after the major fright of the monster. It was mainly to frighten myself. When I think about death I worry that I will never ever be ever ever again… Looking into black nothingness like the dark daguerreotype lens was the best way I could figure out to show it.  

Can you tell me about the shooting? Where did you shoot and how did you authentically re-create the era, which was wonderfully successful? 

The project was funded by Screen Queensland in Australia. So we shot the film on location in rural Queensland in a small town called Boonah. It is west of Brisbane. The cabin itself was actually built in the 1880’s so it was authentic in itself. We raided my parents antique shop to fill it up. The whole production design and art department worked tirelessly to recreate an authentic look. Our costumes were brilliantly designed by Amelia Fuller. The incredible photography of Ben Not in cinemascope gave it the perfect western look. I am so proud of the way this film looks and could name the entire crew here. 

Your actors also contribute a lot to the charm. How did you find them? Especially the young actress Stella Charrington plays convincingly and has all sympathies on her side.

Stella Charrington is a local actor and we were blown away when she auditioned. She was actually the fifth girl we auditioned and we knew we had our Mary. She is so talented! Stella gives a performance beyond her years and is a natural. She is going places. She is so intelligent. She can take direction as good as anyone I have ever worked with. A true natural. She didn’t even flinch once! Her performance really gave the film a credibility that it needed. The film was made or broken on the back of her performance and she nailed the true terror of a little girl facing death for the first time. 

The performances from the entire cast were exceptional. I felt blessed to have each one. Every single one is a Queensland grown talent.

Can you tell me a little bit more about the effects? Is everything handmade?

The effects were handled by emmy award winning FX artist Chad Atkinson and his team. He is a master of practical effects. The prosthetic make up of dead Mary was all practical apart from the rotoscoping of her eyes. The close up of the spoon in the eye was also a practical effect on a prop head done by Chad with eye clouding by our post FX team. 

Your plans are to make a feature-length film out of it – is that correct?

The short is a calling card for a feature film. It is my life long dream to make a feature film. We have been working on the feature film version for a very long time and hope to finish the script soon. 

Can you tell us a bit more about yourself in the end? How did you discover your love for horror films and whether you are working on other projects at the same time?

At the time of making „Post Mortem Mary“ i was actually finishing off a exegesis at Griffith Film School. We locked the film and the next day I handed in my academic work and the day after we flew to Screamfest in L.A. 

My love for film came from the fact I am dyslexic. I grew up struggling to read and write and fell in love with the story of cinema. I was also a social outcast and even at a young age I was obsessed with death. So I quickly got hooked on the films of Ray Harryhausen. That grew into an obsession with more brutal horror such as The Evil Dead and Dawn Of The Dead. This love of zombie films then lead me to obsessing over the Italian zombie films of Lucio Fulci and cannibal films of Umberto Lenzi [„Cannibal Ferox“ (1980), „Eaten Alive!“ (1981)]. I am a horror nerd!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Post Mortem Mary

2 Gedanken zu “Acht Fragen an Joshua Long

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