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Filmkritik: Der deutscher Spielfilm „Scham“ von Lukas Röder, der seine Weltpremiere auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 feierte und mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde, startet nun in den Kinos und erzählt von familiärer Gewalt in einem strengen formellen Rahmen.
Aaron (Til Schindler) kehrt nach mehreren Jahren zu seiner Mutter Susanne (Heike Hanold-Lynch) zurück. In seinem Elternhaus hat er als Kind viel Leid, Missbrauch und Gewalt erfahren. Er beschließt, darüber mit seiner Mutter zu reden und das filmisch festzuhalten. Dafür stellt er zwei Kameras auf, die beide Gesprächspartner:innen einfangen. Er konfrontiert sie mit den Erlebnissen, die ihn geformt und ihn auch zu einem schlechten Menschen gemacht haben. Sie reagiert abwehrend und erzählt ihre Sicht der Dinge und wie sehr Aaron ihr Leben zerstört hat.
Der knapp 90-minütige Spielfilm von Lukas Röder, der auch das Drehbuch dazu schrieb, erzählt die Geschichte einer Familie, die sich viel Leid zugefügt hat. Wobei die Hauptschuld hier bei den Eltern liegt, da die Mutter ihr Kind von Beginn an nicht geschützt hat. Ihre Auseinandersetzung darüber inszeniert Röder als Kammerspiel mit zwei Personen, welche die Enge der Küche nicht verlassen. Die zwei Kameras, welche als Splitscreen zu sehen sind, fangen beständig beide Personen ein, wie sie sich gegenseitig beschuldigen und wiederum gegen die Anklagen wehren. Dabei ist die Qualität der Kameraaufnahmen absichtlich unterschiedlich. Während die Kamera auf Aaron eher schärfere und klare Bilder liefert, ist die Kamerasicht auf Susanne verpixelter und spiegelt so auch das Kaputte in ihrer Seele und in der Familie wider. Der Film beginnt zwar bereits schwer, aber entwickelt mit dem Fortschreiten der Unterhaltung einen unangenehmen Sog ins Abgründige. In diesem Mutter-Sohn-Verhältnis kumuliert sich alles Schreckliche, was man sich ausmalen kann. Röder legt immer noch eine Portion Unglück darauf.
Das dramatisiert den Film, der ansonsten beinahe dokumentarische Qualitäten besitzt. Diese Überspitzung und starke Polemisierung tragen zur Wirkung bei, die noch durch das natürliche Spiel der beiden Darsteller:innen verstärkt wird. Die Anspannung wird zunehmend unerträglich und zeigt, dass Vieles im Verborgenen schlummern kann. Die strenge Erzählweise, lange Takes, der Verzicht auf erleichternde Momente oder cineastische Spielereien konzentrieren die Geschichte auf den Dialog. Der Film kann als Einladung verstanden werden, sich selbst mit seiner Familie auseinanderzusetzen oder über das eigene Erwachsenwerden zu reflektieren.
Fazit: „Scham“ ist ein Drama von Lukas Röder, in dem er von familiärer Gewalt und einem zerstörten Sohn-Mutter-Verhältnis erzählt. Verdichtet in einem Gespräch, als Kammerspiel und mit Splitscreen inszeniert, welche die beiden Darsteller:innen die gesamte Zeit einfangen, ist der Film schwere Kost, die das Publikum zum Mitfühlen, Nachdenken und eigenem Reflektieren anregen kann.
Bewertung: 3/5
Trailer zum Film „Scham“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)
- Eintrag des Films „Scham“ bei der HFF München
- Chris Ignatzi, ‚Max Ophüls Preis: Scham‘, ardmediathek.de, 2025
- Wikipedia-Artikel über den Regisseur Lukas Röder

