„White Snail“ (2025)

Doreen Kaltenecker

Filmkritik: „White Snail“ ist der erste Spielfilm des Regie-Duo Elsa Kremser und Levin Peter, welche bereits mit ihren dokumentarischen Arbeiten „Space Dogs“ (2019) und „Dreaming Dogs“ (2024) aufgefallen sind. In ihrem ersten fiktiven Werk über zwei ungewöhnliche Außenseiter in Belarus arbeiten sie mit realitätsnahen Elementen. 

Die junge Masha (Marya Imbro) lebt in Minsk, Belarus, und geht auf die Modelschule. Einer Karriere in China steht ihr mit ihrem besonderen Look nichts im Weg. Doch scheint sie damit nicht glücklich zu sein.. Nach einem Selbstmordverusch, entdeckt sie vom Krankenhausfenster aus den Leichenbeschauer Misha (Mikhail Senkov) und bald sucht sie ihn unter einem Vorwand persönlich auf. Fasziniert von seiner Welt der Toten und später auch von seinen Gemälden kommen die beiden Außenseiter immer wieder zusammen und scheinen einander intuitiv zu verstehen. 

Marya Imbro

Der 115-minütige Spielfilm sollte anfänglich eine Doku über den Maler und Leichenbeschauer Mikhail Senkov werden. Doch statt ihn dokumentarisch zu portraitieren, entschied sich das deutsch-österreichische Duo Elsa Kremser und Levin Peter dafür, eine zweite Person hinzuzufügen und von dem Künstler und seinem Leben in Belarus als Spielfilm zu erzählen. Dabei treffen in der Geschichte zwei ungewöhnliche Held:innen, beides Außenseiter:innen, aufeinander, die in der ein oder anderen Weise mit Körpern arbeiten. Ein Nicht-Dazugehören und eine gewisse Schwermut durchziehen das Wesen der beiden, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Der Kontrast ihrer Körper steht dabei im Gegensatz zu ihren Gefühlen. Hier haben sich zwei gefunden, die einander verstehen, dabei ist aber die ganze Zeit unklar, ob es funktionieren kann, da ihre Lebenswelten und auch die für sie angedachten Wege sehr unterschiedlich sind. Gleichzeitig portraitieren Peter und Kremser auch das Land Belarus, die Menschen, die dort leben, woran sie glauben und wie es sich anfühlt, in einem Land zu leben, das viele u.a. auch Mashas Vater verlassen und verlassen haben. Für die Zerbrechlichkeit der beiden, aber auch ihrer Verbindung stehen die titelgebenden weißen Schnecken, welche sowohl Mittel zur Hautstraffung als auch Mashas Haustiere sind. Die Ästhetik ist dabei nah an den Protagonist:innen, arbeitet mit natürlichem Licht und schafft es, den Alltag der beiden sehr dokumentarisch einzufangen. Dass die beiden Figuren so eine Kraft besitzen, liegt an der großartigen Besetzung der beiden Hauptdarsteller:innen. Sie haben sich dazu entschieden, dass Mikhail sich selbst spielt und auch Marya Imbro ist im realen Leben Modell. Sie schaffen die störrischen Persönlichkeiten mit all ihren Ecken und Kanten und Verletzlichkeit einzufangen, so dass man sich trotz fehlender Sympathien leicht mit den Figuren verbinden kann. 

Marya Imbro

Fazit: „White Snail“ ist der erste Spielfilm von Levin Peter und Elsa Kremser. Orientiert an realen Personen und dem aktuellen Leben in Belarus erzählen sie eine Geschichte zweier Außenseiter:innen, die sich trotz aller Unwahrscheinlichkeiten genau zur richtigen Zeit Halt und auch Liebe geben. 

Bewertung: 3,5/5

Kinostart: 29.01.2026

Trailer zum Film „White Snail“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über den Film „White Snail“ 
  • Eintrag des Films „White Snail“ beim Produzenten Raumzeitfilm
  • Julia Baschiera: Weltenbummlerkino: „White Snail“ vom österreichischen Regie-Duo Kremser und Peter,: Vollbild. Die ganze Sendung, in: Podcast ‚Deutschlandfunk Kultur Vollbild‘, 09.08.2025.
  • Pamela Jahn: Das Model und der Tod, in: Ray Filmmagazin, Ausgabe 12/25 + 01/26, S.44-47.
  • Julia Baschiera: Weltenbummlerkino: „White Snail“ vom österreichischen Regie-Duo Kremser und Peter, in: Podcast ‚Deutschlandfunk Kultur Vollbild‘, 09.08.2025.
  • Interview Chloe Zhao zu „Hamnet“ + Interview Kremser und Peter zu „White Snail“ (Julia Baschiera), in: Podcast ‚Ö1 – Kulturjournal, 21.01.2026.
  • Einsamkeit, Begehren, Belarus: Wie „White Snail“ Zärtlichkeit neu denkt, in: Podcast ‚Deutschlandfunk Kultur Vollbild‘, 24.01.2026.
  • Alexandra Seitz: White Snail, in: EPD Film, Ausgabe 2/26, S.60-61.

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