„Architektur des Glücks“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Dokumentation „Architektur des Glücks“ von Michele Cirigliano und Anton von Bredow, welche auf den 59. Hofer Filmtage 2025 ihre Weltpremiere feierte, ist ein Portrait eines Ortes, dessen gesamte Wirtschaft auf einer Säule ruhte, und geht der Frage nach, was passiert, wenn diese nicht mehr da ist.

Am Schweizer Luganer See liegt das italienische Städtchen Campione d’Italia. Im Jahr 1933 funktionierte Ministerpräsident Benito Mussolini das damalige Fischerdorf in eine Mustergemeinde um. Diese Exklave verdankt ihre Eigenständigkeit, ihre Lebensgrundlage und auch ihren Wohlstand dem Spielcasino, das lange Zeit das größte Europas war. Dessen Bedeutung und Ansehen wurde durch einen Neubau im Jahr 2007 von Marco Botta betont. Seitdem dominiert das riesige, im brutalistischen Stil erbaute Gebäude die Stadt. Als das Casino 2018 überraschend Konkurs anmeldete, wurden die Einwohner:innen auf einmal mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert.

Die beiden Regisseure Michele Cirigliano aus der Schweiz und Anton von Bredow aus Deutschland zeichnen die Geschichte dieser Exklave mit einer Mischung aus Interviews mit den Menschen vor Ort, Aufnahmen des Ortes und Archivaufnahmen nach. Sie erzählen vom einstigen Hotspot der High-Society und wie dieser Ort zu einer der angesagtesten Adressen wurde, die auch viele Hollywood-Stars anzog. Sie berichten von dem neuerbauten Casino und welche Gewichtung oder Botschaft in der brutalistischen Architektur stecken könnte. Durch die aktuellen Drohnenaufnahmen des Gebäudes kann man sich als Zuschauende ein Bild davon machen. Neben dem informativen, historischen Kurs erzählt er vor allem mit Interviews mit den Einwohner:innen des Ortes, wie sie die frühere Zeit und den Wandel durch den Konkurs erlebt haben. Was denken sie, wie es in der Zukunft weitergeht? Überlegen sie, den Ort zu verlassen? Darüber hinaus stellen sich Fragen nach der wirtschaftlichen Abhängigkeit eines Ortes von einem Unternehmen. Wie kann man mit so einer Mono-Wirtschaft umgehen und warum ist es sinnvoll, sowas zu vermeiden? Auch geht es hier um architektonische Überbleibsel. Was fängt man mit so einem großen, übertriebenen Gebäude an? Am Ende, mit dem Fortgang der Geschichte des Ortes, kommt auch eine Lösung ins Spiel. Doch ist sie dauerhaft und ist das wirklich der beste Weg für den Ort?

Fazit: „Architektur des Glücks“ ist eine Dokumentation von Michele Cirigliano und Anton von Bredow, die den Ort Campione d’Italia am Luganer See in der Schweiz porträtiert. Der Ort gelangte zu Wohlstand und Reichtum durch ein dort angesiedeltes Casino in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch was passiert nun mit dem Ort nach dem Konkurs des Casinos? Wie gehen die Einwohner:innen damit um und welche Zukunft wünschen sie sich? All diesen Fragen gehen die beiden Regisseure in ihrer Dokumentation nach und regen dabei an über die Wirtschaftlichkeit, vor allem wenn diese einseitig ist, nachzudenken. 

Bewertung: 3/5

Kinostart: 5. Februar 2026

Trailer zum Film „Architektur des Glücks“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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