„Unser Name ist Ausländer“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Kurzfilm „Unser Name ist Ausländer“ von Selin Besili, der im Dokumentarfilm-Wettbewerb des 41. interfilm Berlin 2025 lief, ist eine persönliche Doku über ihre Geschwister und sich selbst, wie sie hier ihre eigenen Identität nachspüren.

Die Eltern der vier Geschwister Hêlîn, Selin, Firat und Serhat sind vor deren Geburt von der Türkei in die Schweiz gezogen. Sie selbst sind in der Schweiz geboren, sprechen kein Kurdisch und fühlen sich voll und ganz als Schweizer:innen. Doch werden sie oft nicht als solche wahrgenommen und erfahren in ihrem Alltag oft Rassismus und Vorurteile. Zusammen mit ihren Geschwistern beschäftigt sich die Regisseurin Selin mit ihrer Identität, deren Fremdwahrnehmung und trifft dabei auf Liebe, Kraft aber auch auf Wut und aufkeimenden Widerstand. 

In ihrer 20-minütigen Dokumentation, mit der sie ihren Abschluss an der Hochschule Luzern (HSLU) machte, beschäftigt sich die Regisseurin Selin Besili mit der eigenen Familie, mit ihrer Identität als Schweizerin und wie das Leben in der Schweiz für Menschen mit Migrationshintergrund aussieht und sich anfühlt. Dafür holt sie ihre drei Geschwister ins Boot und scheut sich auch selbst nicht vor die Kamera zu treten. In inszenierten Szenen – Couch und Einrichtungsgegenstände werden draußen an verschiedenen Orten aufgebaut – unterhält sie sich mit ihren Geschwistern. Sie berichten von kleinen Ereignissen, Aussagen und wie sie sich selbst sehen. Dabei ist die Gefühlspalette von Scham bis Wut weit gestreut. Meist sehen wir dabei die Geschwister bei Alltäglichen und die Schilderungen kommen aus dem Off hinzu. Abgerundet wird das Ganze mit Familienvideos aus dem Jahr 2000, als die Familie in die Schweiz zog. Es geht im Gesamten um die Frage nach der eigenen Identität und welche Rolle dabei die Herkunft spielt. Aber vor allem ist der Film ein klarer Appell an mehr ehrliche Akzeptanz, Offenheit und das notwendige Anerkennen, dass Menschen auch mit verschiedenen Biographien zu einer Gesellschaft gehören. 

Fazit: „Unser Name ist Ausländer“ ist eine Kurz-Dokumentation von Selin Besili, in der sie mit den eigenen Geschwistern auf Spurensuche nach der eigenen Identität geht und wie diese häufig mit der Wahrnehmung der Gesellschaft im Kontrast steht. Sie erzählen sehr offen von der früheren Scham und der jetzigen Wut, die sie empfinden, wenn ihnen Alltagsrassismus begegnet. Der Film ist ein klarer Appell gegen Rassismus und Diskriminierung und ruft zu einem anderen Miteinander auf.

Bewertung: 3,5/5

Trailer zum Kurzfilm „Unser Name ist Ausländer“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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