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Filmkritik: Der Dokumentarfilm „What Will I Become“ von Lexie Bean und Logan Rozos, der auf der 76. Berlinale 2026 seine Weltpremiere feierte und mit dem Amnesty-Filmpreis ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich anhand von zwei Personen mit der hohen Suizidrate in der trans-maskulinen Community.
Die beiden Filmschaffenden Lexi Bean und Logan Rozos gehören selbst zu den über 50% der transmaskulinen Personen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Als Überlebende spüren sie nun der Frage nach, warum diese Prozentzahl so hoch ist. Von einer persönlichen Betrachtung ausgehend, bei der sie sich in einem Deckenberg miteinander austauschen, erzählen sie von den beiden jungen Transmännern Kyler Prescott und Blake Brockington, die sich im Alter von 14 und 18 Jahren das Leben genommen haben. Mit privaten Videoaufnahmen von Blake, Zeitungsartikeln, News-Sendungen und vor allem mit Interviews mit den Hinterbliebenen spüren sie den beiden Leben nach und zeigen die Hürden, Schwierigkeiten und das Mobbing auf, welchem die beiden als Transjungs ausgesetzt waren.
In der 86-minütigen Dokumentation lernt das Publikum zunächst Lexi Bean und Logan Rozos kennen, beide transmaskulin und beide Überlebende eines Suizidversuchs. Wir erfahren etwas über ihre Biographie und wie sie für den Film zusammengefunden haben. Beide erzählen, welche Suizide sie damals im Jahr 2015 sie schwer getroffen haben und beschlossen, diese in ihrem Film aufzuarbeiten. Dafür finden sie viele Gesprächspartner:innen wie die Eltern, ehemalige Wegbegleiter:innen und Betreuer:innen und schaffen so ein Portrait von Kyler Prescott und Blake Brockington. Dabei wechseln sie zwischen beiden Portraits hin und her und ziehen unweigerlich Parallelen zwischen ihnen, vor allem in den Erfahrungen, die beide gemacht haben. Das Videomaterial von Blake ist dabei ein großer Glücksfall, da man ihm so sehr nahe kommt und seinen Tod auch schmerzlich spürt. Bei Kyler, von dem selbst wenig Videos und Fotos existieren, wechseln sie zu Animationen und vertonen seine Gedichte als Lieder, um ihm näher zu kommen. Diese Mischung aus Talking Heads, Archivmaterial und Animationen funktioniert sehr gut. Dabei zeigen sie deutlich, welchen negativen Einflüssen u.a. Hasskommentare im Netz und Diskriminierung durch Ärzte die beiden ausgesetzt waren. Die Tat selber wird ausgespart, denn es geht hier nicht um Opfer-Voyeurismus, sondern darum, zu zeigen, was in der Gesellschaft falsch läuft und gerade in den jetzigen Zeiten der Trump-Regierung sich immer noch mehr verschärft. Der Film ist ein persönliches Statement, das sich aber universell lesen lässt. Es ist ein Aufruf gegen das System und die gesellschaftlichen Strukturen, aber es macht jungen Menschen auch Mut, denen mit diesem Film mitgegeben wird, dass sie nicht allein sind und es sich lohnt, sie selbst zu sein.
Fazit: „What Will I Become“ ist eine Dokumentation des Regie-Duos Lexi Bean und Logan Rozos. In dieser portraitieren sie die beiden jungen Transmänner Kyler und Blake, welche Selbstmord begonnen haben. Von einem persönlichen Standpunkt ausgehend spüren sie den beiden mit Interviews, Archivmaterial und Animationen nach. Ihnen gelingt so ein starker, berührender Film, der gleichzeitig zeigt, dass es gesellschaftlich und politisch so nicht weitergehen kann, aber jungen Transmenschen auch vermittelt, dass sie nicht allein sind.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Film „What Will I Become?“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Eintrag des Films „What Will I Become?“ bei der Berlinale
- Amnesty International, ‚Berlinale: Amnesty-Filmpreis 2026 geht an „What Will I Become?“‘, amnesty.de, 2026
- Sabrina Vetter, ‚Berlinale 2026: What Will I Become?‘, filmlowein.de, 2026
- Matthew Carey, ‚‘What Will I Become?’ Premieres At Berlin Film Festival: Powerful Coming-Of-Age Documentary Traces “Transmasculine Grief, Vulnerability, And Survival”‘, deadline.com, 2026