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Filmkritik: Der niederländische Kurzfilm „Femme“ von Nina Noël Raaijmakers, der im ‚Shock Block‘-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war, nutzt das Body-Horror-Genre, um auf gesellschaftlich etablierte Misogynie und sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen.
Die neu ins Studentenheim eingezogene und schüchterne Fem (Nola Elvis Kemper) wird eines Nachts davon geweckt, dass ihr die Zimmertür gestohlen wird. Sie kann diese erst wieder bekommen, wenn sie mit jemanden vor Ort Sex hatte. Sie lässt sich darauf ein und merkt, dass sich nach dem Akt etwas auf ihrer Haut verändert hat. Nur weitere sexuelle Treffen beruhigen diese. Als ihrer Mitbewohnerin Luna (Jatou Sumbunu) Leid geschieht, weiß sie ihre neue Fähigkeit anders einzusetzen.
Die niederländische Regisseurin und Drehbuchautorin Nina Noël Raaijmakers beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Gesellschaftsstrukturen, welche Gewalt an Frauen akzeptieren. So spürt sie in „Femme“ – angelehnt an viele wahre Fälle – destruktiven Strukturen nach. Rituale in Student:innenverbindungen wirken auf den ersten Blick harmlos, zeigen dann aber doch die Übergriffigkeit und vor allem die Unterdrückung der Frauen. Dies wird auch in ihrem Film deutlich: Es geht hier nicht um schwache Frauen oder die Sexualität von Frauen, die verteufelt werden, sondern um die Gesellschaft, in der sie leben und in der es leider normal ist, Frauen in
jeglicher Form zu benutzen. Umso wohltuender ist es, dass hier keine Opfer-Geschichte erzählt wird, auch wenn man es anfänglich glaubt, sondern der Film von Selbstermächtigung und ja auch etwas von Rache handelt. Inszeniert hat Raaijmakers das Ganze als Kammerspiel, das mit der Kargheit und Begrenztheit des studentischen Zimmers arbeitet, gekonnt Farben und Bildausschnitte verwendet, um in das Innere von Fem zu schauen. Hinzu kommt das einfühlsame Spiel der Hauptdarstellerin Nola Elvis Kemper, die mit ihren Blicken viel auszudrücken vermag und zeigt, wie schnell Wunden entstehen und wie tief sie werden können. Eine Zeit lang leidet man mit ihr mit, da sie auch eine gewisse Lethargie an den Tag legt, bis sie endlich ihre Stärke findet und für eine andere Art Happy End sorgt.
Fazit: „Femme“ ist ein Kurzfilm von Nina Noël Raaijmakers, der als Mischung aus Coming-of-Age und Body Horror daher kommt. Die Regisseurin erzählt eine Geschichte über sexuelle Gewalt, über Selbstermächtigung und Schwesternschaft und weiß das Horror-Genre dafür wunderbar einzusetzen.
Bewertung: 4/5
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Nina Noël Raaijmakers‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „Femme“ beim Landshuter Kurzfilmfestival
- Website der Regisseurin Nina Noel Raaijmakers
- Rebecca Sayce, ‚Femme‘, bloodlettermag.com, 2026