“Everybody wants some!!” (2016)

 © Constantin Film Verleih

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Filmkritik: Der Regisseur und Drehbuchschreiber Richard Linklater (*1960) versteht sich darauf, die Stimmung und das Kolorit vergangener Zeit und vor allem auch die zeitlichen Entwicklungen einzufangen. Bewiesen hat er das besonders mit Filmen wie “Boyhood” (2014) und der Before-Reihe (“Before Sunrise” (1995), “Before Sunset” (2004) und “Before Midnight” (2014)). Auch bei seinem neuesten Film – “Everybody wants some!!” (OT: “Everybody wants some!!”, US, 2016) – schafft er es wunderbar, die jüngere Vegangenheit auferstehen zu lassen, vergisst dabei aber, dass Filme durch eine gute Geschichte lebendig werden.

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Texas, im Jahr 1980: Jake (Blake Jenner) zieht mit einem Sport-Stipendium in der Tasche und einer Kiste voller Schallplatten unter dem Arm in das Studentenwohnhaus der Baseball-Mannschaft ein. In wenigen Tagen beginnt das College, doch bis dahin machen Jake und seine neuen Teamkameraden, darunter Roper (Ryan Guzman) und Finnegan (Glen Powell), jede Party der Stadt unsicher. So gehen sie nicht nur mit Schlaghosen in die Disko, sondern auch mit Cowboyhüten zu einer Country-Veranstaltung. Dabei lernt Jake die Theaterstudentin Beverly (Zoey Deutch) kennen und alles deutet darauf hin, dass das erste Jahr am College eine schöne Zeit werden wird.

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Richard Linklater, Jahrgang 1960, schrieb auch für diese Regiearbeit das Drehbuch. Mit diesem Film knüpft er nicht nur an seinen Coming-of-Age-Film “Confusion – Sommer der Ausgeflippten” (1993) an, sondern baut viele autobiographische Elemente ein. Rückblickend ist ihm klar geworden, dass er in einer sehr interessanten kulturellen Phase aufs College gegangen ist. Zu dieser Zeit gab es eine große Bandbreite an Musik (Punk, Rock, Country, Disco, Funk) und viele unterschiedliche kulturelle Lebensweisen. Dies fängt er mit seinem Film “Everybody wants some!!!” (Der Filmtitel ist übrigens ein Liedtitel von Van Halen von 1980) vortrefflich ein. Durch die unterschiedlichen Partys bekommt jede musikalische Strömung ein Gesicht. Wunderbar passen sich die Charaktere meistens den Gegebenheiten an. Durch die recht unbekannten Darsteller und die Detailtreue hat man oft das Gefühl einen Film aus jener Zeit zu sehen. Bei bekannteren Gesichtern ist es manchmal schwer, die Kostümierung anzuerkennen. Aber bei diesem Film lebt jeder des Ensembles von Kopf bis Fuß den Stil der vergangenen Zeit. Um dem Film dieses authentische Gefühl zu verpassen, vermied Linklater Andeutungen auf die Zukunft, Anachronismen, und gab jedem Schauspieler Hausaufgaben auf. So ist der Film optisch und musikalisch ein Genuss. Doch Zuschauer, die eine gute Geschichte bevorzugen, könnten von Linklaters neuestem Werk enttäuscht sein. Zwar waren seine bisherigen Filme auch nicht einer von allumfassenden, gewaltigen Story dominiert, aber es war oft ein roter Faden oder ein Spannungsaufbau vorhanden. Bei “Everybody wants some!!!” verzichtet er darauf und scheint den Collegestudenten einfach nur bei ihren Aktivitäten beizuwohnen. Und ebenso wie sie weiß auch der Zuschauer nicht, wohin die Reise geht. Dies führt zu gefühlten Längen, da man sich auch wenig mit den Personen identifizieren oder sympathisieren kann. So vermittelt dieser Film vor allem ein Gefühl und keine eigentliche Handlung.

 © Constantin Film Verleih

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Fazit: Der Spielfilm “Everybody wants some!!!” besitzt ein fantastisches Zeitkolorit mit der passenden Ausstattung und der perfekten Musik. Es fängt die Zeit mehr als lebendig ein. Doch leider konzentriert sich Linklater allein darauf und vernachlässigt dabei eine richtige Story. Das anfängliche Interesse (die Jungs bieten auch nicht genug, um Sympathieträger zu werden) schwindet von Party zu Party mehr. Und so bleibt der Film vor allem als Stimmung statt als Geschichte hängen.

Bewertung: 5,5/10

Kinostart: 02.06.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Constantin Film

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