Fünf Fragen an Lasse Holdhus

Interview: Im Interview erzählt uns der gebürtige Norweger Lasse Holdhus, der zusammen mit dem Drehbuchschreiber Jonas Zimmermann den vom RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) unterstützten Kurzfilm “Nachtfalter” verwirklichte, wie das Drehbuch zum Film reifte und wie wichtig die flexible Kameraarbeit mit jungen Schauspielern ist.

Wie kam es zur Idee zu „Nachtfalter“ und wie bist Du zu dem Projekt gestoßen?

Ich kam erst als Regisseur dazu, nachdem die zweite Fassung von Jonas Zimmermann geschrieben und vom RBB abgenommen wurde. Der Producer Patrick Schorn hat mich in Kontakt mit Jonas gesetzt und wir haben uns dann getroffen und den Stoff zusammen besprochen. Diese zweite Fassung von Jonas wurde unter drei anderen Drehbücher ausgewählt, die dann von unserer Schule DFFB [Anm. d. Red.: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin] in Zusammenarbeit mit RBB verwirklicht werden sollte. Die Drehbuchautoren konnten sich dann den Regisseur auswählen oder ein Produzent konnte sich für den Stoff interessieren und jemanden vorschlagen als Regisseur.

Soweit ich sagen kann, kam Jonas zur Idee durch die Charaktere. Er wollte einen Stoff schreiben, wo ein Junge seine Mutter betreuen muss, welche krank bzw. depressiv ist. Und die Frage zu stellen, was macht es mit einem jungen Mensch, der sich eigentlich in seiner Jugendzeit selbst finden soll, aber schon ein Erwachsener sein muss? Ich fand den Ansatz sehr spannend!

Wie seid ihr die Umsetzung angegangen? Gab es Auflagen, an die ihr euch halten musstest?

Es gab wenige Bedingungen zur Umsetzung. Voraussetzung war natürlich ein abgenommenes Drehbuch, und diverse technische Vorgaben aufgrund des Fernsehformats und so weiter. Das 16:9-Format und guter Ton waren ein Muss.

Wir haben erstmal ziemlich intensiv an dem Buch gearbeitet, auch nachdem die erste Fassung von RBB abgenommen wurde. Es folgte ein langer Prozess. Es war mein erster großer Film mit einem Drehbuchautor, und ich fand es schwer mich anzupassen an die Zusammenarbeit Drehbuch – Regie. In der DFFB lernen Regisseure hauptsächlich als Autor zu arbeiten, und ich glaube deswegen war ich sehr streng mit Jonas und mir selber. Jonas hatte ja eigentlich schon einen drehfertigen Film hingeschrieben, dennoch haben wir ungefähr ein halbes Jahr hin und her diskutiert, bevor der Dreh angefangen hat. Hauptsächlich war der Grund dafür, die Grundtonalität zu finden. Die Szenen zwischen Lulu und Benjamin waren teilweise viel leichter als die Szenen zwischen Benjamin und seiner Mutter Petra. Die Leichtigkeit und die Schwere mussten deswegen in allen Szenen zu spüren sein, damit der Film einigermaßen auf einer ästhetische Ebene zusammenhängt. Wir haben dann Niklas Post als Benjamin gecastet, denn ich fand seinen Ausdruck und sein Spiel spiegelten das Schwere und das Leichte gleichzeitig wieder, und so haben wir viel auf ihn und seinen Blick auf die Geschichte fokussiert.

Warum habt ihr euch für eine bewegliche statt statische Kamera entschieden?

von links nach rechts: Patrick Schorn (Produzent), Lukas Eylandt (Kameramann) und Lasse Holdhus  beim 30. Filmfest Dresden 2018

Ich und mein Kameramann Lukas Eylandt mögen gerne etwas freier mit den Schauspielern arbeiten. Das war der Grundvoraussetzung für die bewegliche Kamera. Wir wollten die Möglichkeit haben, den Frame zu ändern und den Charakteren zu folgen, falls uns zwischen zwei Takes was Spontanes einfallen sollte oder falls ein Schauspieler was macht, was uns gefällt, und wir diese Input weiter verfolgen wollten. Das macht auch besonders Spaß in der Arbeit mit Jugendlichen, wo man einfach diese junge Energie zur Verfügung hat. Ein Beispiel für diese Drehweise sieht man beispielsweise in der letzten Szene zwischen Lulu und Benjamin. Die Szene ist durchaus improvisiert, enthält aber eine super schöne Atmosphäre und ein magisches Timing. Solche Momente können wir aber auch nur machen, wenn wir diese Freiheit haben, die Kamera überall spontan aufzusetzen.

Die Schauspieler sind gut gewählt und brauchen nicht viele Worte, um den Zustand der Charaktere zu umreißen. Vor allem Emma Frieda Brüggler als Lulu überzeugt.

Ja, Emma Frieda ist sehr begabt. Sie war auch die Jüngste von allen: Sie war beim Drehen nur 14 Jahre alt. Sie überzeugt sofort, hat eine unglaubliche Intuition und ein Gespür für ihren Charakter und die Situationen. Sie merkt auch sehr leicht, was eine dumme Idee von dem Regisseur ist, aber zeigt dir trotzdem, warum es eine dumme Idee war. Das gilt auch für Niklas, der auch jede gut Regie annimmt, aber Dir auch zeigt wenn Anweisungen schlecht waren. Man hat ja immer so viele Ideen als Regisseur, aber sie müssen auch nach Außen funktionieren. Sonst wird der Film zu verkopft. Elisabeth Müller als die Mutter Petra hat auch eine sehr ausdrucksvolle Ausstrahlung und ist natürlich als professionelle Schauspielerin flexibel. Mit ihr habe ich oft viele Variationen beim Drehen gemacht.

Wie geht es bei Dir weiter? Welche nächsten Projekte sind geplant?

Ich habe gerade zwei Kurzfilme gedreht: “Moonjump“, einen Kurzfilm in Zusammenarbeit mit ARTE und SWR, und einen ganz neuen Film “Das Warten“, den ich immer noch schneide. “Moonjump“ wird, soweit ich weiß, im November in der ARTE-Mediathek zu sehen sein.

Und sonst habe ich schon ein Jahr an meinem Abschlussfilm an der DFFB geschrieben. Als Ausgangspunkt wollte ich einen autobiographischen Film über meine Erfahrungen in Berlin schreiben. Aber ich kann von der Fiktion nicht weg, und dichte ohne Ende drauf los. Dieser Film sollte ein Berlin-Cool-Hip-Film werden, so, wie ich mich auch gerne sehen würde, deswegen wird es bestimmt das Gegenteil. Arbeitstitel ist “Der Mann ohne Absicht“.

Ich hoffe auch, dass ich mein DFFB-Studium bald abschließe, denn ich muss bald ins Arbeitsleben rein. Als Norweger würde ich aber auch gerne einen Film in Norwegen drehen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch unsere Kurzfilmkritik zu “Nachtfalter

Ein Gedanke zu “Fünf Fragen an Lasse Holdhus

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