“Nachtfalter” (2017)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2017

Filmkritik: Der vom RBB geförderte Kurzfilm “Nachtfalter” (“AT: Ugly Butterflies”) ist eine Hochschularbeit der drei Studenten Lasse Holdhus (Regie), Jonas Zimmermann (Drehbuch) und Patrick Schorn als Produzent. Sie erzählen mit souveränen Bildern und gut ausgewählten Darstellern eine emotionale Geschichte ohne dabei jemals rührselig zu werden.

Benjamin (Niklas Post) gehört nicht zu den beliebten Jungs der Schule. Das Leben als Teenager ist nicht leicht, aber zusätzlich muss er sich daheim auch noch um seine manisch-depressive Mutter (Elisabeth Müller) kümmern. Als die ebenfalls unbeliebte Lulu (Emma Frieda Brüggler) mit einem unerwarteten Angebot auf ihn zukommt, findet er endlich eine Verbündete.

Der Filmstudent Jonas Zimmermann schrieb mehrere Fassungen seiner Geschichte “Nachtfalter”, welche dann von seiner Hochschule in Zusammenarbeit mit dem RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) realisiert wurde. Der 27-minütige Kurzfilm erzählt die Geschichte des 15-jährigen Benjamin, welcher durch seine kranke Mutter viel zu schnell erwachsen geworden ist. Eindringlich zeigt der Film die Diskrepanz zwischen der eigentlichen Kindheit und der Verantwortung, die er übernehmen muss. Benjamin muss hier die Erwachsenenrolle übernehmen. Erst als Lulu in sein Leben tritt, kann er wieder kindliche Freude empfinden. Der Film sensibilisiert für dieses schwierige Thema, welches ansonsten eher selten die private Wände verlässt. Schwankend zwischen der eigenen verlorenen Kindheit und der Liebe zu seiner Mutter lässt der Film auch den Zuschauer rätseln, wie es in dieser schwierigen Sohn-Mutter-Beziehung weiter gehen sollen. Im Kontrast zu den heimischen Szenen steht die Zeit mit Lulu. Die Unbeschwertheit der Jugend wird hier greifbar und scheint einen Ausweg zu bieten.

Das kluge Drehbuch, was sich auch vor allem an ein jüngeres Publikum richtet, wurde von dem in Norwegen geborenen Lasse Holdhus (*1991 in Stavanger) stimmig umgesetzt. Mit einer flexiblen, nie statischen Kamera – der gesamte Film wurde mit der Handkamera gedreht – bekommen die Charaktere Luft zu agieren. Gerade das überzeugende Spiel der Darsteller trägt viel zum Gelingen des Films bei. Hier fällt vor allem die junge Emma Frieda Brüggler als Lulu auf. Diese konnte die Zuschauer schon in den Kurzfilmen wie “Homework” (2016) und “Taschengeld” (2016) von Annika Pinske begeistern und war auch schon des öfteren zu Gast beim Filmfest Dresden. Auch Elisabeth Müller als depressive Mutter überzeugt. Ihr Spiel trägt viel dazu bei, zu erkennen, dass es keine vorgefertigte Schubladen und Lösungen für diese Krankheit gibt. So bilden Geschichte, Darsteller und Ausgestaltung ein rundes Bild und es erfreut, dass solche Projekte finanziell gefördert werden. Wenn man diese jetzt noch der Öffentlichkeit mehr (als nur nachts) zugänglich machen würde, wäre es eine Wohltat für die deutsche Fernsehlandschaft.

Fazit: Der von Jonas Zimmermann geschriebene und von Lasse Holdhus inszenierte Kurzfilm “Nachtfalter” erzählt eine eindringliche Geschichte über ein schwieriges Sohn-Mutter-Verhältnis, in dem durch eine depressive Krankheit die Verhältnisse umgekehrt wurden. Der für ein jüngeres Publikum konzipierte Film kann für ein schwieriges Thema sensibilisieren, aber durch eine leichtfüßige und spontane Inszenierung mit guten Darsteller auch ansprechen. Das macht den Kurzfilm “Nachtfalter” zu einem stimmigen, unterhaltsamen und didaktisch wertvollen Beitrag zur deutschen Fernsehkultur.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu ““Nachtfalter” (2017)

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