Sechs Fragen an Roman Sokolov

Roman Sokolov

Interview: Im Interview erzählt uns der russische Filmemacher Roman Sokolov mehr zu seinem Kurzfilm “The Theory of Sunset”, welcher der Publikums-Lieblingsfilm auf dem 30. Filmfest Dresden im internationalen Wettbewerb wurde. Er berichtet von der Entwicklung, den Animationen und welche Botschaft er mit seiner Geschichte vermitteln möchte oder eben gerade nicht.

The original english language interview is also available.

In einem ausverkauften Saal begeisterte dein Kurzfilm “The Theory of Sunset” das Publikum auf dem 30. Filmfest Dresden. Wie kam es zu der Geschichte Deines Films?

Es ist schon lange her, dass ich den ersten Entwurf dieser Geschichte geschrieben habe. Es soll so etwas wie ein Bilderbuch für Kinder sein. Ich wollte ein poetisches, verträumtes Märchen über Kreaturen machen, die für die Sonnenbewegung verantwortlich sind. Es gab fünf Freunde: Elefant, Drache, Vogel, Schildkröte und ein Mädchen. Mein großer Plan war es eine Reihe von Büchern über diese Figuren zu zeichnen. Ich wollte alternative Mythen für Kinder über sehr grundlegende und wichtige Phänomene schaffen: Sonnenbewegung, Erschaffung der Welt, Dunkelheit, Weisheit etcetera.

Aber wie immer hatte ich keine Zeit, sie zu zeichnen, und ich habe alle Skizzen in einen speziellen Ordner mit dem Namen „gute Ideen“ gelegt. Nach einigen Jahren, auf der Suche nach der Inspiration für einen Animationsfilm, öffnete ich diesen Ordner und stieß wieder auf diese Skizzen. Und mir wurde klar, dass sich diese Geschichte gut mit Animation erzählen lässt.

Vom ersten Entwurf bis zur Endfassung war es ein langer Weg. Die Idee des Buches hat sich verändert: Vier Freunde sind verschwunden, das Mädchen verwandelt sich in jemanden, den wir Zeit nennen können, einige neue Charaktere sind neu dazu gekommen.

Warum hast Du Dich für recht schlichte Animationen entschieden? Hat sich dieser Stil bei Dir über die Jahre entwickelt?

Es gab einige Gründe für die Wahl eines einfachen Animationsstils. Erstens hatte ich nicht genug Zeit für kompliziertere Techniken. Ich hatte wegen der Förderbedingungen eine sehr strenge Frist für diesen Film. So entschied ich mich für einfache Computer-Scherenschnitt-Animationen, welche auch für die Produktion von Zeichentrickserien verwendet werden, welche ich manchmal mit Frame-by-Frame-Animation kombinierte.

Der zweite Grund ist, dass ich die Knappheit in der Kunst sehr mag. Ich glaube, dass die Beschränkung der Ausdrucksmittel ein Geheimnis eines kraftvollen Bildes ist. Zum Beispiel mag ich Animes aus Japan wegen ihrer Einfachheit und ihres Ausdrucks.

Was ist Deine Botschaft des Films?

Das ist eine schwierige Frage, denn um sie zu beantworten, muss ich von der Sprache der Bilder und Animationen in die Sprache der Wörter „übersetzen“. Aber das ist unmöglich. Meine Sprache ist Animation. Eigentlich habe ich nicht versucht, durch die Erstellung des Films eine Botschaft zu senden. So ist es nicht. Ich lebte einen Teil meines Lebens mit Figuren und ihren Geschichten. Sehr nah und intensiv. Und Schritt für Schritt ist etwas aus meinem Kopf zur Geschichte geworden und wurde zum Film. Alle Themen, die du in diesem Film siehst, sind für mich wichtig: Leben und Tod, Stille, Alltag und Wunder des Augenblicks, Erstaunen etc.. Es ist wie ein Spiegelbild meines Geistes und meines Lebens im Spiegel der animierten Geschichte. Und wenn du in diesen Spiegel schaust – du siehst nicht mich und meine Botschaft – sondern dich selbst. Was fühlst du, wenn du diesen Film siehst, woran denkst du nach der Vorstellung? Das ist meine Botschaft.

Hast Du Deinen Kurzfilm für eine bestimmte Zielgruppe entwickelt?

Dieser Film soll für jedes Alter interessant ist. Es ist traditionell in der russischen (und sowjetischen) Animation, keinen Grenze zwischen Kinder- und Erwachsenenfilmen zu ziehen. In Russland sieht ein solcher Ansatz normal aus, aber ich stelle fest, dass mein Film bei europäischen und amerikanischen Filmfestivals meist als Kinderfilm gezeigt wird. Das ist kein Problem, aber es war eine Überraschung für mich.

Dein Film hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Träumst Du davon auch mal für einen Oscar nominiert zu werden?

Im vergangenen Frühjahr erhielt mein Film eine Auszeichnung beim New York International Children’s Film Festival – einem der Oscar-qualifizierenden Festivals. Es erlaubt mir, mich für einen Oscar zu bewerben, und ich habe gerade meinen Film zur Auswahl geschickt. Mal sehen, was passiert.

Wie geht es bei Dir weiter? Welche Projekte stehen als nächstes an?

Ich habe noch keine Ideen für den nächsten Film. Aber ich suche nach der Geschichte, die mein Herz berührt. Oder vielleicht ist es besser zu sagen, dass ich auf die Geschichte warte. Ich hoffe, sie kommt bald. Vielleicht finde ich ganz unten in meinem alten Ordner noch gute Ideen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzungen Michael Kaltenecker

Hier nochmal der Link zur Kurzfilmkritik zu “The Theory of Sunset


Interview: In our interview Russian filmmaker Roman Sokolov tells us more about his short film „The Theory of Sunset„, which became the favourite film of the audience at the 30th Filmfest Dresden in the international competition. He tells us about the development, the animations and which message he wants to convey with his story or rather not.

Your short film „The Theory of Sunset“ delighted the audience at the 30th Dresden Film Festival in a sold-out hall. How did the story of your film come about?

It was a long time ago when I wrote first draft of this story. It is supposed to be something like a illustrated book for kids. I wanted to make poetic dreamy fairy tale about creatures who are responsible for sun movement. There were 5 friends: elefant, dragon, bird, turtle and a girl. And I had a big plan to draw a series of books about that characters.  I wanted to create alternative myths for kids about very basic and important phenomenons: sun movement, creation of the world, darkness, wisdom …

But as is usually the case I didn’t have time to draw it and I put all sketches in special folder named „good ideas“.  After some years, looking for the inspiration for animated film, I opened that folder and came across this sketches again. And I realised that this story fits well for animation.

It was long way from that first draft to the final story. The idea of the book has been transformed: 4 friends disappeared, the girl turns into somebody we can call Time, some new characters were added.

Why did you decide for quite simple animations? Has this style developed with you over the years?

There were some reasons for choosing a simple style of animation. The first is that I didn’t have enough time for more complicated technique. I had a very strict deadline for this film because of grant conditions. So I decided to combine simple computer cutout animation used for series production and elements of frame by frame animation.  

The second reason is that I really like brevity in art. I believe that the limitation of the expressive means is one secret to a powerful image. For example I like Japanese animation for their simplicity and expression.

What is your message of the film?

This is the most difficult question, because to answer I have to „translate“ from the language of  images and animation to the language of words. But this is impossible. My language is animation. Actually, I didn’t try to send any message by creating the film. It is not like this. I was living a part of my life with characters and their stories. Very close and intensive. And step by step something from my mind has moved to the story and became the movie. All the topics that you see in this film are important for me: life and death, silence, day-to-day routine and the miracle of the moment, wonder … It is like a reflection of my mind and my life in the mirror of the animated story. And when you are looking at this mirror – you see not me and my message – but yourself. What do you feel when you are watching this film, what do you think about after the screening? That is my message.

Have you developed your short film for a specific target group?

I created this film to be interesting for every age. It is traditional in Russian (Soviet) animation not to make a distinction between kids’ and adults’ films. In Russia such an approach looks normal, but I notice that at European and American festivals my film is mostly considered a movie for kids. That’s not a problem, but it was a surprise for me.

Your movie’s got a lot of attention. Do you dream of being nominated for an Oscar?

Last spring my film got an award in New York International Children’s Film Festival – one of the Oscar qualifying festivals. . It allows me to submit for an Oscar and I’ve just sent my film for selection. Let’s see what happens …

What happens next? What are the next projects?

I do not have any ideas for the next movie yet. But I’m looking for a story which touches my heart. Or maybe it is better to say that I’m waiting for the story. I Hope it’ll come shortly. Maybe I’ll find it at the bottom of my old folder of “good ideas”.

Questions were asked by Doreen Matthei

Read on our german review of the shortfilm “The Theory of Sunset

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