Elf Fragen an Elsa Kremser und Levin Peter

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Interview: Im Gespräch mit den beiden Dokumentarfilmern Elsa Kremser und Levin Peter konnten wir mehr über ihren Film „Space Dogs“ erfahren, welcher auf dem 62. DOK Leipzig seine Deutschland-Premiere feierte, wie sie das Archivmaterial erhalten haben und wie sie es geschafft haben, streunenden Hunden so nah zukommen. 

Euer Film „Space Dogs“ überzeugte durch seine fast kommentarlose Dokumentation von streunenden Hunden. War das zuerst als Idee da oder hatten ihr als erstes den Mythos von Laika im Kopf?

Tatsächlich ging alles damit los, dass wir einen Film über ein Straßenhunderudel machen wollten. Wir wollten einen sehr körperlichen Film machen, die Geschichte war damals noch sehr offen. Als wir dann bei der Recherche erfahren haben, dass der wohl berühmteste Hund der Geschichte, Laika – das erste Lebewesen im All, auf den Straßen Moskaus geboren wurde, hatten wir den Rahmen für unseren Film gefunden.

Wie kamt ihr an das historische Material? Hattet ihr noch mehr davon?

Um dieses Material mussten wir jahrelang kämpfen. Etwa 80% der Archivaufnahmen wurden noch nie vorher öffentlich gezeigt. Es waren viele Verhandlungen und Gespräche nötig, um in den russischen Archiven und Institutionen das nötige Vertrauen aufzubauen. Letztendlich konnten wir dank unserer tollen Assistenten in Moskau und der Unnachgiebigkeit das Material digitalisieren.

Wieso habt ihr euch für Moskau entschieden?

Moskau ist der Geburtsort von Laika und den vielen anderen Hunde-Kosmonauten, sie alle lebten einst auf Moskaus Straßen. 

Wie habt ihr eure beiden Hunde für die Aufnahmen ausgewählt? Wie habt ihr euch ihnen angenähert und ihr Vertrauen gewonnen, sodass sie euch während des Drehens nicht beachten?

Wir haben tatsächlich eine Art „Casting“ gemacht, um die Hunde für unseren Film auf den Straßen von Moskau zu finden. Viele Monate lang sind wir quer durch Moskau gefahren und haben unzählige Hunderudel gesehen. Letztendlich war es sozusagen ein Zufall, dass wir auf das Rudel aus dem Film gestossen sind. Eines Abends, wir waren auf dem Nachhauseweg einer langen Recherche, lief uns ein weisser Straßenhund vor dem Auto entlang. Ihm sind wir hinterher, und er hat uns zur Bar geführt, die im Film ein zentraler Ort geworden ist. Dort war das Rudel, das im Film zu sehen ist. Das Vertrauen dieser Hunde konnten wir vor allem durch die viele Zeit gewinnen, die wir mit ihnen verbracht haben.

Könnt ihr mehr zur reinen Kameraarbeit erzählen?

Gemeinsam mit unserem Kameramann Yunus Roy Imer haben wir über viele Monate hinweg, ein System gesucht, mit dem es uns möglich war, die Welt der Hunde filmisch so einzufangen, wie man es jetzt in „Space Dogs“ sieht.

Es war tatsächlich eine große technische, aber vor allem auch gestalterische wie auch körperliche Herausforderung für Roy. Letzten Endes ist der komplette Film mit Handkamera gedreht, alles auf Augenhöhe der Hunde. Dazu gibt es hier ein kleines Making-Of zu sehen, dass am besten beschreibt, wie wir gearbeitet haben.

Gibt es direkt geskriptete Szenen, wo ihr etwas nachhelfen musstet?

Die Szene mit den Schildkröten ist natürlich von uns initiiert. ’Nachhelfen’ konnten wir bei den Hunden eigentlich nicht wirklich. Allerdings wurde die gesamte Arbeit immer leichter, als sich die Hunde an uns gewöhnt hatten, und wir ihre sich immer wiederholenden Abläufe verstanden hatten.

Welche Botschaft soll vor allem durch euren Film vermittelt werden oder zu welcher Diskussion wollt ihr anregen?

Der Grund warum wir diesen Film über vier Jahre lang gemacht haben ist tatsächlich, dass wir versuchen wollten einen bisher ungesehen Blickwinkel auf Tiere ins Kino zu bringen. Einen Film, der sich 90 Minuten lang Hunden widmet und kaum Text hat, das kannten wir aus dem Kino bisher nicht, und das wollten wir zeigen und auch selbst sehen.

Die unterschiedlichen Publikumsreaktionen waren faszinierend – wieso habt ihr dazu entschieden die Katzenszene in ganzer Länge im Film zu lassen?

Erst durch die komplette Länge der Szene wird deutlich, dass die Hunde die Katze nicht fressen. Sie sind satt von den Abfällen der Menschen. Für uns war es sehr wichtig die Frage aufzuwerfen, warum ein Tier ein anderes Tier tötet, ohne vermeintlichen Grund. In unseren Augen bricht diese Szene mit unseren moralischen Vorstellungen von so genannten ‚domestizierten Tieren‘. 

Wisst ihr was ist jetzt aus den beiden Hunden geworden ist? 

Vor ein paar Wochen, Anfang Dezember 2019, haben wir die beiden Hunde aus dem Film tatsächlich wiedergefunden. Sie leben am selben Ort und sind in guter Gesundheit. Es war ein berührendes Wiedersehen – einmal mehr wurde uns klar, dass Zeit für diese Lebewesen nicht mit unserem Maß zu messen ist. Sie erkannten uns auf jeden Fall wieder, jedoch verhielten sie sich, als ob wir erst vor kurzem gegangen wäre, obwohl wir zwei Jahre zuvor das letzte Mal dort waren.

Könnt ihr mir noch mehr zu eurer Zusammenarbeit erzählen – wie habt ihr zueinander gefunden und wie verlief die Arbeitsteilung?

Wir haben uns vor zehn Jahren an der Filmhochschule kennengelernt und bereits früh begonnen, gemeinsam Filme zu machen. Bei „Space Dogs“ gab es keine festgelegte Arbeitsteilung. Wir waren beide gleichermaßen in das Drehbuch, die Produktion und die Regiearbeit involviert.

Werdet ihr weiterhin zusammenarbeiten? Sind schon neue Projekte geplant?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben ja auch unsere gemeinsame Firma RAUMZEITFILM – mit der wir aber vor allem unsere eigenen Filme produzieren. Als nächstes arbeiten wir am „Teil 2“ einer Hundetrilogie. Die Dreharbeiten beginnen bereits Mitte Januar.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Space Dogs

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