„Forrest Gump“ von Winston Groom (1986)

254 Seiten / Heyne Verlag

Buchkritik: Vermutlich kennt jeder Robert Zemeckis großartigen Film „Forrest Gump“ (1994) mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman von Winston Groom und nahm diesen als Vorlage für einen wilden Ritt durch die amerikanische Geschichte. Doch den Roman kannte zum Erscheinen des Films kaum jemand, erst nach dem Kinostart vermarktete sich der Roman genauso gut wie auch „Das Bubba-Gump-Shrimp-Kochbuch“ (Winston Groom) von 1995.

Forrest Gump war immer bewusst, dass er dumm ist. Trotzdem will er seine Jugendliebe Jenny für sich gewinnen. Sonst hat er keine Pläne für sein Leben. So verschlägt es ihn zuerst ans College zum Footballspielen, dann mitten in den Vietnamkrieg. Danach nimmt er an der Tischtennismeisterschaft in China teil, tritt einer Band bei und wird unfreiwillig zum Astronauten ausgebildet. Immer wieder begegnen ihm dabei Bekannte, u.a. Lieutenant Dan, der Affe Sue und natürlich Jenny, doch leider gehen ihre Wege stets wieder auseinander. 

Wie es aus der Inhaltsbeschreibung herauszulesen ist, stecken viele verschiedene Geschichten und Episoden in diesem Buch. Dabei verschlägt es Forrest, der nicht wirklich als Held oder Identifikationsfigur dient, an viele verschiedene Orte und er lässt sich vom Strudel der Zeit fortreißen. Fast nichts davon wird von ihm gesteuert und trotzdem schlägt er sich meistens relativ gut. Doch der Autor Winston Groom (*1943) weiß leider nicht, wann es mal gut ist, denn teilweise sind die Begebenheiten und Zufälle so abstrus, dass man das Gefühl bekommt, dass er nicht wusste, wo er bei seinen Fantastereien den Schlussstrich ziehen soll. Davon haben es auch einige Episoden gar nicht in das Drehbuch von Eric Roth geschafft, der sich für den Film ein realistisches Bild des ungewöhnlichen Helden und seiner Erlebnisse zusammenstellte, die durch die amerikanische Geschichte mit ihren großen Höhepunkten ihren roten Faden erhält. Genau dieser stringenter Aufbau fehlt dem Roman. So sorgen zwar die unerwarteten Situationen und Szenenwechsel natürlich auch für einen gewissen Unterhaltungsfaktor, u.a. die innige Freundschaft zu einem Affen, aber was dem Buch auf jeden Fall fehlt, ist Sympathie. Forrest ist ganz anders als der Tom Hanks-Forrest. Er ist ein grobschlächtiger Kerl, der vor allem für seine Größe und Kraft geschätzt wird, und wahrlich nichts von der naiven Schüchternheit des Filmhelden besitzt. Im Gegensatz dazu wirkt er vor allem durch seine Wortwahl aber auch durch seine Gedanken auf unangenehme Weise primitiv und einfältig. Groom entschied sich, die Geschichte aus Forrests Perspektive zu schreiben und wählte dafür eine grammatikalisch furchtbare Umgangssprache. Bis zum Ende des Buchs wird man sich an die Ausdrucksweise nicht gewöhnen und gleichzeitig immer wieder vor dem Kopf gestoßen werden, wenn der Protagonist Worte in den Mund nimmt wie ‚Arschloch‘ und ‚Bumsen‘. Hier geht viel verloren, denn sprachlich ist es ein Albtraum, das Buch zu lesen, und zudem ist Forrest kein Mensch, den man gern auf seinen Wegen begleitet. Auch seine Gefährten besitzen wenig Sympathien. Das Buch ist zwar voller Abenteuer und auch guten Ideen, doch Spannung und Sympathien weiß der Autor nicht aufzubauen. Umso wunderbarer ist es, dass Roth und Zemeckis das Potential des Stoffes erkannt haben und daraus einen großartigen Film gemacht haben. 

Fazit: Der Roman „Forrest Gump“, erschienen 1986, war die Vorlage für den oscarprämierten, gleichnamigen Spielfilm. Der Autor Winston Groom schuf mit Forrest einen eigenwilligen Helden, der viele, auch teilweise abstruse Abenteuer erlebt. Doch leider weiß der Autor die einzelnen Episoden nicht gut miteinander zu verbinden, übertreibt es von Zeit zu Zeit und vor allem schafft er es nicht Sympathien zu verteilen, so verliert sich die Geschichte in ihren ganzen Anekdote. Hinzu kommt eine sehr gewöhnungsbedürftige Ausdrucksweise, die das Lesevergnügen erheblich schmälert. So erkennt man schlussendlich das Potential in der Geschichte und freut sich, dass daraus so ein großartiger Film entstanden ist, den ich mehr empfehlen kann, als den Roman selbst.

Bewertung: 2/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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