„Stump the Guesser“ (2020)

Kurzfilm / Kanada / Fiktion / 2020

Filmkritik: Das Dreier-Regie-Gespann Guy Maddin und die beiden Brüder Evan und Galen Johnson, die u.a. den Spielfilm „The Green Frog“ (2017) und den Kurzfilm „Accidence“ (2018) realisiert haben, stellten im ‚Berlinale Shorts‘-Programm ihren neuesten Kurzfilm „Stump the Guesser“ vor. 

Der Rater (Adam Brooks) ist eine große Attraktion auf dem Jahrmarkt. Er kann – natürlich gegen Bezahlung – wirklich alles erraten. Als er seine verlorene geglaubte Schwester (Stephanie Berrington) trifft und sich auch noch in sie verliebt, verliert er seine Kräfte. Doch das scheint nicht mehr wichtig zu sein, viel mehr tut er alles dafür, um sie heiraten zu können.

Die drei kanadischen Filmemacher Guy Maddin (*1956), Evan (*1983) und Galen Johnson (*1981) wissen mit dem Medium Film auf künstlerische Weise umzugehen, aber trotzdem stets unterhaltsam zu bleiben. Auch ihr neuester Kurzfilm – der 19-minütige „Stump the Guesser“, was soviel bedeutet wie „Verblüffe den Rater“ – befindet sich in der Mitte zwischen Unterhaltungskino und Kunst. Die Geschichte des Films ist dabei so unerwartet und ja auch skurril, dass sie damit wunderbar Spannung aufbaut. Der Verlauf der Geschichte und die Handlungen der Protagonisten sind ungewöhnlich und unvorhersehbar. Dabei ist es nicht einmal notwendig, dass die Figuren irgendwie sympathisch sind. Das Außergewöhnliche ist hier die Triebfeder. Einher geht es mit einem Stil, der sehr rückwärtsgewandt ist und den man lange

Randy Unrau

nicht mehr im Kino gesehen hat. „Stump the Guesser“ ist ein kompletter Stummfilm mit der klassischen Musikuntermalung und aufgehübschten Zwischenblenden. Dabei sind die Reminiszenzen an expressionistische Stummfilmklassiker wie „Nosferatu“ (1922) und vor allem „Das Kabinett des Dr. Caligari“ (1920) unübersehbar und es macht Freude in diese Welt, die sich expressiver Mimik und Gestik bedient, einzutauchen. Auch macht sich das scheinbar alte Material immer wieder bemerkbar und so kommt es zu Filmfehlern. Zusammen mit der ungewöhnlichen Geschichten entstand ein Kurzfilm, der es schafft, trotz vieler Rückbezüge, irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein, Spannung aufzubauen und vortreffliche Unterhaltung zu liefern.

Fazit: Im ‚Berlinale Shorts‘-Programm 2020 stellte der kanadische Filmemacher Guy Maddin, der schon oft zu Besuch auf der Berlinale war, seinen neuesten Kurzfilm „Stump the Guesser“ vor, der wieder in Zusammenarbeit mit Evan und Galen Johnson entstanden ist. Dabei beleben sie auf künstlerische Weise den Stummfilm neu, spielen mit dem Medium und erzählen eine ungewöhnliche Geschichte in einer charmanten Vintage-Optik – so bietet der Film wahrlich gute Unterhaltung. 

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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