„Causality and Meaning“ (2020)

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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2020

Filmkritik: Der Filmemacher und Künstler Martin Brand verbindet in seinem Experimental-Kurzfilm „Causality and Meaning“, online gesehen auf den 66. Oberhausener Kurzfilmtagen, Einzelaufnahmen von Gegenständen in einer gewissen Abhängigkeit zueinander und mit der damit einhergehenden Bedeutung.

In nur zehn Minuten bekommt der Zuschauer 635 Bilder zu sehen. Farblich geordnet sind sie artverwandt. Denn alle Logos, Symbole, Grafiken, Internet-Memes, Illustrationen und Produkte stehen für negative Ausprägungen der Zeit. So finden wir vor allem Chauvinismus und Antifeminismus wieder, welche Hand in Hand gehen mit Rassismus und der rechten Bewegung. Immer wieder werden auch Bilder von gewaltorientierter Unterhaltung und rechter Internetkultur eingestreut, die so den erschaffenen Kosmos ergänzen.

Eine wahre Bilderflut bricht auf den Zuschauer herein. Vor weißen Grund werden die Symbole, Gegenstände etc. ohne erstmaligen Bezug oder Kontext abgelichtet, doch schnell erkennt man nicht nur eine farblich stringente Anordnung, sondern auch eine Verbindung auf der Bedeutungsebene. Der Kurzfilm schafft es so, gesellschaftliche Missstände anzuprangern ohne direkte Sprachausgabe. Durch seine Abfolge von Bildern werden bei dem Betrachter Elemente miteinander in einen Kontext gesetzt, zwischen denen man möglicherweise bisher keinen Zusammenhang sah, so evoziert der Kurzfilm zusätzlich auch noch weiterführenden Fragen und sensibilisiert die Zuschauer. Unterlegt sind die Aufnahmen von einer Komposition von Matthias Muche, der einen treibenden Beat vorgibt, kombiniert mit den gesprochenen Worten des britischen Komponisten Anthony Moore, die teilweise zu einem Hintergrundrauschen werden. Zusammen entstand hier ein starker, gesellschaftskritischer Kurzfilm, dessen Wurzeln eindeutig in der Kunst verhaftet sind und der so nicht den gängigen Sehgewohnheiten entspricht. Doch wenn man sich auf dieses außergewöhnliche Arrangement einlässt, entfaltet er seine volle Kraft und Wirkung.

Fazit: Der deutsche Experimental-Kurzfilm „Causality and Meaning“ beschäftigt sich mit einer schnellen Bilderflut und einem treibenden Beat mit gesellschaftlichen Missständen und sensibilisiert dafür, wie diese bereits durch einzelne Objekte etc. vermittelt werden. Der Regisseur und Künstler Martin Brand fand dafür eine eindringliche Bildsprache, welche ihre Wirkung nicht verfehlt und den Zuschauer zu Diskussion und Nachdenken anregen kann.

Bewertung: 7/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 66. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen – Katalog (Programm ‚Deutscher Wettbewerb‘)
  • Eintrag des Kurzfilms „Causality and Meaning“ auf der Website des Regisseurs Martin Brand

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