Sieben Fragen an Ivana Laučíková

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Interview: Im Gespräch mit der slowakischen Filmemacherin Ivana Laučíková, die zusammen mit Martin Snopek den Kurzfilm „Posledny Autobus“ (ET: „The Last Bus“) schuf, welcher im Jahr 2013 auf dem Filmfest Dresden mit dem Goldenen Reiter Animationsfilm ausgezeichnet wurde und in diesem Jahr nochmal im Programm ‚Critic’s Finest‘‘ gezeigt wurde. Sie erzählt von der Grundidee, der eindringlichen Musikauswahl und unter welchen schwierigen Bedingungen der Film entstanden ist. 

The original english language interview is also available.

Aus welcher Grundidee heraus entstand die Geschichte zu „Posledny Autobus“? 

Grundidee war es, die Geschichte von Juden zu erzählen, die während des Zweiten Weltkriegs aus europäischen Ländern flohen.

Ivan Martinka

Darf man als Zuschauer hier eine Kritik an der Jagd selbst sehen?

Die Bedeutung ist überall dort, wo man sie sehen kann. Als Zuschauer braucht man keine Erlaubnis, um irgendeine Bedeutung zu sehen, man nimmt sich einfach alles, was man aus dem Film will.

 

Was war euch bei der Umsetzung wichtig? Wieso habt ihr euch für diese Art der abgehackten Kameraführung entschieden?

Der Film wurde als eine besondere Art der Pixilation gefilmt. Wir drehten ihn als eine Serie statischer Fotos und arbeiteten dann mit dem Filmmaterial wie mit den Animationsphasen.

Das Wichtigste während der Dreharbeiten war es, zu überleben. Wir drehten ihn im frühen Winter, im Freien, im Wald. Es war eisig kalt, es schneite, die Schauspieler sahen unter den Tiermasken nichts, und ihr Schauspieltempo sollte viermal langsamer sein als in Echtzeit. Schreckliche Bedingungen, die auf die Atmosphäre im Bild projiziert wurden.

Ich würde gern mehr über den Entstehungsprozess und das Charakterdesign erfahren.

Martin Snopek zeichnete als Filmkunstdesigner die Skizzen von Tierfiguren, dann suchten wir in der ganzen Slowakei nach dem Original-Tierfell, und dann kam die eigentliche Arbeit – Martin Blizniak fertigte die Tierköpfe an und klebte die Fellstücke auf die Pappmaché-Formen.

Ganz wichtig ist auch die Musik – diese treibt die Handlung voran, wiederholt sich und macht die Unruhe deutlich. Wie ist sie entstanden?

Beim Schnitt des Films fuhr ich einmal mit dem Auto, es war dunkel, regnerisch, ich war nostalgisch, und ich hörte mir das Album der slowakischen Progressive-Rock-Gruppe Teatro Fatal an. Plötzlich wurde mir klar, dass das Lied, das ich singe, die Geschichte unserer Hauptfigur, des Wolfes, vollkommen begleiten könnte. Ich brauchte eine Weile, um meine Kollegen davon zu überzeugen, dass die Poesie dieses Liedes funktionieren wird. Aber wir versuchten, das Bild mit der Musik zu verbinden, und es war perfekt. Dann baten wir Jakub Ursiny vom Teatro Fatal, noch einige Ambient-Stücke hinzuzufügen, und das war’s.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen von Dir und Deiner Zusammenarbeit mit Martin Snopek erzählen?

Michal Rovnák

Martin Snopek begann diesen Film als Drehbuchautor, Kunstdesigner und Regisseur und suchte nach einem Produzenten. So bin ich zum Team gekommen, als Produzent. Später während der Dreharbeiten stellten wir einfach fest, dass der Umfang der Regiearbeit so groß war, dass wir sie gemeinsam teilten, und so blieb es als Regiezusammenarbeit bis zum Ende der Postproduktion. Der Prozess war sehr anstrengend, abgesehen von den Problemen beim Dreh, mit denen wir auf vielen Ebenen gegen die Zweifel unserer Umgebung ankämpfen mussten, machte es uns stärker, zu zweit dagegen anzukämpfen.

Wie ist es Dir seitdem ergangen? Woran arbeitest Du aktuell?

Martin hat seinen eigenen neuen Film „Monster“ (2018, Trailer auf YouTube) fertiggestellt und arbeitet derzeit an einem neuen Film in der Vorproduktion. Ich war lange im Mutterschaftsurlaub, und jetzt stelle ich meinen neuen Kurzfilm „Mercy“ fertig. Im Moment planen wir kein neues gemeinsames Projekt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Posledny Autobus


Interview: In conversation with the Slovakian filmmaker Ivana Laučíková, who together with Martin Snopek created the short film „Posledny Autobus“ (ET: „The Last Bus“), which was awarded the Golden Horseman Animated Film at the Filmfest Dresden in 2013 and was shown again this year in the program ‚Critic’s Finest“. She tells us about the basic idea, the haunting selection of music and under what difficult conditions the film was made. 

What was the basic idea behind the story of „Posledny Autobus„? 

Basic idea was to tell the story of Jews escaping European countries during WWII.

As a viewer, are you allowed to see here a critique of hunting itself?

The meaning is everywhere where you can see it. As a viewer you do not need any permission to see any meaning, you just take everything you want from the film.

What was important to you during the realization? Why did you choose this kind of choppy camera work?

The film was filmed as a special kind of pixilation. We shot it as a series of static photographs and then we worked with the footage as with the animation phases.

The most important thing during the shooting was to survive. We shot it in early winter time, outside, in the woods. It was freezing, snowing, the actors did not see anything under the animal masks and their acting tempo was supposed to be 4-times slower than real-time. Horrible conditions projected to the atmosphere in the picture.

I would like to know more about the process of creation and the character design.

Martin Snopek as a movie art-designer drew the sketches of animal characters, then we were looking for the original animal fur all along Slovakia and then the real work came – Martin Blizniak crafted the animal heads, gluing the pieces of fur to the paper mâché moulds.

The music is also very important – it drives the action forward, repeats itself and makes the restlessness clear. How was it created?

When editing the film, I once drove the car, it was dark, rainy, I was nostalgic and I was listening to the album by Slovak progressive rock group Teatro Fatal. Suddenly I realized that the song I’m a-going could totally accompany the story of our main character, The Wolf. It took me a while to persuade my colleagues that the poetry from this song will be functioning. But we tried to join the picture with the music and it was perfect. Then we asked Jakub Ursiny from Teatro Fatal to add some more ambient tracks and that’s it.

Finally, can you tell me a little bit about you and your collaboration with Martin Snopek?

Martin Snopek started this film as a scriptwriter, art-designer and director and he was looking for a producer. That’s how I got to the team, as a producer. Later during the shooting, we just realized that the amount of directorial work was so huge that we shared it together and it stayed it as a directorial co-operation till the end of the post-production. The process was very exhausting, except the problems on the stage we had to fight against the doubts of our surrounding on many levels, it made us stronger to fight it when there were two of us.

How has it been since then? What are you currently working on?

Martin finished his own new film „Monster“ (2018, Trailer on YouTube) and is working on a new film in pre-production at the moment. I was on my maternity leave for a long time and now I am finishing my new short film „Mercy“. As for now we do not plan any new project together.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Posledny Autobus“ 

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