„Haeberli“ (2019)

Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2019

Filmkritik: Die 30-minütige Dokumentation „Haeberli“ aus der Hand von Moritz Müller-Preißer feierte auf dem 63. DOK Leipzig ihre Weltpremiere und ist ein gelungenes und schwungvolles Portrait eines außergewöhnlichen Mannes.

Adolf Haeberli lebt in einem windschiefen Haus mitten in St. Moritz. Seit Jahren befindet er sich in Streit mit dem Politaparat der Gemeinde, für die das Haus ein Schandfleck ist. Doch Haeberli lässt sich so schnell nicht unterkriegen und schreibt munter einen Brief nach dem anderen.

Der Dokumentarfilmer Moritz Müller-Preißer stieß bei einem Besuch in St. Moritz selbst auf das herausstechende Haus und konnte den Bewohner Adolf Haeberli für sein neuestes Dokumentarfilmprojekt gewinnen. Mit offenem Blick lernt der Filmemacher und so auch die ZuschauerInnen den alten, exzentrischen Mann kennen, der sich nicht nur durch seine mangelnden Aufräumqualitäten und einen hohen Streitbedarf auszeichnet, sondern mit seinen vielen Interessen eine facettenreiche Person ist. Dank Müller-Preißer lernen wir alle seine Seiten kennen und stoßen so ein wenig zu dessen Persönlichkeit vor. Abgerundet wird der Film durch Interviews mit der ‚Gegenseite‘. So kommt nicht nur sein Bruder zu Wort, mit dem er seit vielen Jahren kein Wort mehr gewechselt hat, sondern auch den Bürgermeister des Ortes. Hinzu kommen stimmige, schön eingefangene Bilder aus dem Alltag des rüstigen 83-jährigen, welche oft von der wunderbar flotten Musik des Komponisten Sebastian Fillenberg unterlegt sind. So entstand im Gesamten ein sympathisches Portrait eines kauzigen Mannes, das nicht auf ihn herabschaut, sondern sich ihm unbefangen und offen nähert.

Fazit: Das dokumentarische Portrait „Haeberli“ begleitet eine Zeit lang den exzentrischen 83-Jährigen bei seiner alltäglichen Routine. Dabei lernen wir Adolf Haeberli von vielen Seiten kennen, aber auch die ‚Gegenseite‘ und tauchen damit in sein Leben ein. Der Dokumentarfilmer Moritz Müller-Preißer wählt dafür eine urteilsfreien Ansatzpunkt und schafft es so, diese doch sehr komplizierte Person mit viel Offenheit und Sympathie einzufangen.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „ Haeberli“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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