Sechs Fragen an Eric Montchaud

Interview: Im Gespräch mit dem französischen Filmemacher Eric Montchaud konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Un Caillou Dans la Chaussure“ erfahren, warum er sich für Frösche und Hasen für seine Geschichte entschied und was bei Animationen für ihn wichtig ist.

The original english language interview is also available.

Das Gefühl fremd zu sein steht im Zentrum Deiner Geschichte. Wie kam es dazu dies über einen Animationsfilm mit Tieren erzählst? Kannst Du mir mehr zur Figurenentwicklung erzählen und warum Dich für diese Tiere entschieden hast?

Tatsächlich fühle ich mich nicht sehr wohl mit Puppen, die Menschen darstellen, sie sehen normalerweise eher wie Puppen aus und das mag ich nicht, also stelle ich mir meine Figuren automatisch als anthropomorphe Tiere vor. Vielleicht liegt es daran, dass ich normalerweise Filme für Kinder mache, ich weiß es nicht. Ich wähle die Tiere so, dass es nicht zu realistisch ist, aber dennoch verständlich genug, damit Kinder verstehen können, was passiert. Es ist eine ziemlich schwere Geschichte, aber ich wollte, dass es eine gewisse Distanz gibt, damit die Kinder keine Angst haben. Am Anfang war es ein Frosch in einem Land voller Wölfe, aber ich habe die Wölfe in Kaninchen verwandelt, damit sie nicht sofort als feindlich angesehen werden. Die Hauptfigur war von Anfang an eine Art Frosch. Sein runder Kopf macht ihn sympathisch, aber seine riesige Zunge macht ihn seltsam, wir sind von dieser Kreatur sowohl angezogen als auch fasziniert.

Kannst Du mir im Allgemeinen mehr zu den Animationen und was Dir dabei am Herzen lag erzählen?

Ich mag es, wenn wir uns an die Puppe anpassen und versuchen, sie mit ihren Qualitäten und Schwächen lebendig werden zu lassen. Die Animation muss nicht spekulativ sein, sondern körperlich und sensibel. Wir müssen in der Lage sein, die Puppe ihre Gefühle fühlen zu lassen und dabei ökonomisch zu bleiben. Ich möchte, dass man das Objekt, das Material spürt, es geht nicht nur darum, die Realität zu duplizieren, sondern sich der Realität der Puppe anzupassen. Mir gefällt, dass die Animation glatt, aber nicht perfekt ist.

Was war Dir bei der tonalen Ausgestaltung wichtig?

Ich arbeite schon lange mit dem Musiker Pierre Bastien und dem Sounddesigner Loic Burkhardt zusammen und bitte sie jedes Mal, Klänge zu erfinden, die in einer Realität realistisch sein könnten, die es nicht gibt. Ich möchte, dass die Klänge roh sind, Farbe und Rauheit haben und überraschend sind. Der Sound ist für mich genauso wichtig wie das Bild, sie geben den Figuren und dem Setting Identität. Wenn ich die Geschichte schreibe, habe ich oft Geräusche im Kopf, aber ich gebe Pierre und Loic Hinweise auf die erzählerischen Anteile, ohne zu genau zu sein, denn ich möchte auch überrascht werden. Für mich ist ein Film eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Profis und jeder bringt ein, was er kann.

Wie geht es mit Deinem Animationsfilm weiter – wo wird man ihn sehen können?

Nun, im Wesentlichen auf Festivals, und ich denke, dass es irgendwann, wenn es möglich sein wird, einen Vertrieb in Kinos in einem Programm mit anderen Kurzfilmen geben wird. Der Film wurde von einem Verleiher gekauft, aber mit der COVID-Pandemie weiß ich nicht, wann er veröffentlicht werden wird.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich habe vorher Wirtschaft studiert und als Archivar und Briefträger gearbeitet und in meiner Freizeit Kurzfilme in Stop-Motion gemacht. Eines Tages sah ich „Alice“ von Jan Svankmajer und das hat mich zur Animation gebracht, und bald darauf wurde eine Schule eröffnet, die Autodidakten aufnahm. Es ist die Schule La Poudière, die jetzt anerkannt ist. Ich bewarb mich und wurde angenommen und konnte zwei Jahre lang Animation studieren. Dann habe ich als Stop-Motion-Animator an Werbespots, Kurzfilmen und an Michel Gondrys Spielfilmen gearbeitet. Und jetzt bin ich seit ein paar Jahren wieder als Regisseur tätig, während ich weiterhin für andere animiere.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Es gibt mehrere Projekte, ich habe gerade eine Finanzierung für einen weiteren Kurzfilm erhalten, und ich habe Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Filmemachern. Es bleibt abzuwarten, welches Projekt fertiggestellt wird.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Un Caillou Dans la Chaussure


Interview: In our conversation with French filmmaker Eric Montchaud, we were able to learn more about his short film “Un Caillou Dans la Chaussure“, why he chose frogs and rabbits for his story, and what is important to him in animation.

The feeling of being a stranger is at the center of your story. How did you come to tell this story through an animated film about animals? Can you tell me more about the character development and why you chose these animals?

In fact I’m not very comfortable with puppets that represent humans, they usually look more like dolls and I don’t like that, so I naturally imagine my characters as anthropomorphic animals. Maybe it’s because I usually make films for children, I don’t know. I choose animals so that it’s not too realistic but sensible enough so that children can understand what is happening. It’s quite a hard story but I wanted that there is a distance so that children are not afraid. At first it was a frog in a country of wolves but I changed wolves into rabbits so that they are not too immediately seen as hostile. The main character was since the beginning a kind of frog. His round head makes him sympathetic but his huge tongue makes him strange, we are both attracted and intrigued by this creature.

In general, can you tell me more about the animation and what was important to you about it?

I like it when we adapt to the puppet and try to make it come alive with its qualities and weaknesses. The animation must not be speculative but embodied and sensitive. We must be able to make the puppet feel its feelings while remaining economic. I want you to feel the object, the material, it’s not just about duplicating reality but adapting to the reality of the puppet. I like that the animation is smooth but not perfect.

What was important to you in the acoustic design?

I have been collaborating for a long time now with Pierre Bastien, the musician and Loic Burkhardt on sound design, and I ask them each time to invent sounds that could be realistic in a reality that does not exist. I want the sounds to be raw and to have color, roughness and to be surprising. The sound is as important to me as the image, they give identity to the characters and the setting. When I write the story I often have sounds in mind but I give indications on the narrative stakes to Pierre and Loic without being too precise because I also want to be surprised. For me, a film is a collaboration between different professionals and each one brings what he can.

What’s next for your animation film – where will it be shown?

Well essentially in festivals, and I think that at some time, when it will be possible, there will be a distribution in cinemas in a programme with others shorts. The film has been bought by a distributor but with the COVID epidemic I don’t know when it will be released.

Finally, can you tell me a little bit about yourself and how you got into film?

I’ve been studied economics before and I was working as an archivist and a postman and I was doing short films in stop motion in my free time, One day, I saw “Alice” of Jan Svankmajer and that’s what drive me into animation, and soon after a school that accepted self-taught students was opened. It is the school La Poudière which is now recognized. I applied and was accepted and was able to study animation for two years. Then I worked as a stop motion animator on commercials, short films and on Michel Gondry’s feature films. And now I’m back to directing for a few years while continuing to animate for others.

Are there already new projects planned?

There are several projects, I’ve just received funding for another short film, and I have projects in collaboration with other filmmakers. It remains to be seen which project will be completed.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Un Caillou Dans la Chaussure

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