Acht Fragen an Geoffroy de Crécy

Interview: Im Gespräch mit dem französischen Regisseur und Illustrator Geoffroy de Crécy konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Empty Places“ erfahren, den es online und auf diversen Festivals (u.a. auf dem 28. Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart) zu sehen gibt, warum er sich dafür entschied von Maschinen ohne Menschen zu erzählen, wieso Beethoven das perfekte Stück lieferte und was ihm visuell am Herzen lag.

The original english language interview is also available.

Wie kam es zu der Idee für Deinen Kurzfilm „Empty Places“?

Da ich kein guter Animator bin, habe ich angefangen, einige Loops mit animierten Maschinen zu erstellen. Sie sind viel einfacher zu animieren als Menschen! Diese Loops wurden ziemlich populär, und ich beschloss, das Ganze noch ein bisschen weiter zu treiben und einen richtigen Kurzfilm daraus zu machen.

Du erzählst eine Dystopie – eine Welt ohne Menschen, aber Dein Film ist absolut nicht dunkel, sondern zelebriert beinah die Schönheit von einsamen Orten. Kannst Du mir dazu erzählen und ob Du drüber nachgedacht hast, mehr die Hintergründe auszuschmücken?

Ich bin froh, dass du bemerkt hast, dass es visuell nicht düster ist. Ich wollte diese alltäglichen Orte mit einem Sinn für Schönheit darstellen. Wahrscheinlich weil ich auch ein Illustrator bin, wollte ich, dass jede Szene schön komponiert und schön anzusehen ist. Das ist ein weiterer Grund, warum ich fast keine Kamerabewegung verwendet habe. Ich wollte, dass es wie eine animierte Illustration oder Fotografie aussieht. Die Hintergrundgeschichte wird nicht erzählt. Jeder Betrachter kann sich seine eigene Geschichte vorstellen, das ist die Idee.

Wie kam die Zusammenstellung der einzelnen Orte zustande?

Ich begann mit der Looping-Animation der Maschine jeder Szene. Dann baute ich eine Komposition, die von der Nahaufnahme bis zum Weitwinkel funktionieren konnte. Ich wusste, dass sich die Kamera nur um ihre eigene Achse zurückziehen würde. Und die Umgebung um die Maschine würde im Laufe des Films enthüllt werden. Die Komposition ist immer so gemacht, dass sie die Abwesenheit von Menschen beleuchtet. Das Prinzip für jede Szenenkomposition steckt im Titel: „Empty Places“.

Kannst Du mir zu Deinem Stil erzählen – was liegt Dir visuell am Herzen? 

Mein Stil ist eine echte Mischung aus Animation und Illustration. In meinem Leben habe ich zuerst gezeichnet, dann habe ich in der Animation gearbeitet und dann wieder in der Illustration. Ich denke, Bewegung und Art Direction/Composition müssen komplett symbiotisch sein. Der Stil, den ich für diesen Film gewählt habe, passt zu der Idee von animierten Maschinen: er ist geometrisch, sehr einfach mit primären Formen, die Texturen sind prozedural: vom Computer generiert. Das gilt auch für die Animation.

Bei den Farben wollte ich recht warm sein. Ich wollte nicht, dass die Farbe irgendeine Traurigkeit vermittelt, irgendeine Richtung über die Stimmung des Films vorgibt: diese Orte sind leer, man kann denken, dass es traurig ist … oder nicht. Das entscheidest du, nicht ich.

Hast Du Vorbilder, an denen Du Dich orientierst?

Ich mag Fotografen wie William Egglestone oder Stephen Shore. Sie haben viele Bilder ohne menschliche Figuren gemacht, die aber trotzdem einige Geschichten vermitteln. Für diesen Film war wohl auch der Maler Edward Hopper eine Inspiration.

Kannst Du mir noch mehr zu Musikauswahl erzählen – warum hast Du Dich für das Stück von Beethoven entschieden?

Ich wollte ein Klavier, denn das Klavier ist eine Maschine. Ich fand dieses Beethoven-Stück, das zwei wichtige Eigenschaften hatte: Es ist sehr repetitiv, mit einer internen Wiederholungsschleife, aber es gibt auch einige sehr emotionale Variationen darin. Das war perfekt, und auch wenn ich versuchte, ein anderes, weniger bekanntes Stück zu finden, konnte ich kein anderes finden, das so gut funktionierte.

Kannst Du mir am Schluss noch mehr über Dich erzählen?

Ich lebe in Paris, habe zwei Kinder und einen Hund. Ich arbeite als Illustrator für Presse und Werbung, ich arbeite auch als Regisseur.

Sind bereits neue filmische Projekte geplant?

Nicht wirklich. Ich mache alle zehn Jahre einen Kurzfilm. Wir sehen uns im Jahr 2031!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Empty Places


Interview: In a conversation with French director and illustrator Geoffroy de Crécy, we were able to learn more about his short film “Empty Places“, which can be seen online and at various festivals (including the 28th Festival of Animated Film Stuttgart), why he decided to feature machines without people, why Beethoven provided the perfect score, and what was close to his heart visually.

How did the idea for your short film “Empty Places” come about?

As I’m not a good animator, I started to create some loops with animated machines. They are much easier to animate than humans! These loops became quite popular, and I decided to push it a bit further, and make a real short movie out of it.

You seem to be showing a dystopian world without people, but your film is not dark at all, it almost celebrates the beauty of lonely places. Can you tell me about that and whether you thought about adding more of a backstory to your images?

I’m happy you noticed it is not visually dark. I wanted to represent these common places with a sense of beauty. Probably because I’m also an illustrator, I wanted each scene to be beautifully composed, and lovely to watch. That’s another reason why I’ve used almost no camera move. I wanted it to look like animated illustration or photography. The backstory is not told. Each viewer can imagine its own story, that’s the idea.

How did you come up with the composition of each place?

I started from the looping animation of the machine of each scene. Then I built a composition that could work from the close up to the wide angle. I knew the camera would only pull back on its own axis. And the environment around the machine would be revealed during the film. The composition is always made in a way it enlights the absence of people. The principle for each scene composition is in the title: “Empty Places“.

Can you tell me about your style – what do you care about visually? 

My style is a genuine mix between animation and illustration. In my life, I was first drawing, then I worked in animation, and then in still illustration again. I think motion and art direction/composition must be completely symbiotic. The style I chose for this film fits with the idea of animated machines: it is geometrical, very simple with primary shapes, the textures are procedural: generated by the computer. So is the animation.

For the colours, I wanted to be quite warm. I didn’t want the color to convey any sadness, to give any direction about the mood of the film: these places are empty, you can think it is sad…or not. You decide, not me.

Do you have any role models or inspirations you follow?

I like photographers like William Egglestone, or Stephen Shore. They made many pictures without human figures, but which still convey some stories. For this film the painter Edward Hopper was probably an inspiration.

Can you tell me more about your choice of music – why did you choose the piece by Beethoven?

I wanted a piano, because the piano is a machine. I found this Beethoven piece, which had two important qualities: it is very repetitive, with an internal loop, but there are also some very emotional variations in it. That was perfect, and even if I tried to find another, less famous piece, I could find any other that worked as well.

Can you tell me more about yourself at the end?

I live in Paris, I have two kids and a dog. I work as an illustrator for press and commercials, I also work as a director.

Are there any new film projects planned?

Not really. I make a short movie every ten years. See you in 2031!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Empty Places“ 

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