„Der Report der Magd“ von Margaret Atwood (1985)

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416 Seiten / ab 12 Jahren / Piper / 12 €

Buchkritik: Der bereits 1985 erschienene Roman „Die Report der Magd“ (OT: „The Handmaid’s Tale“) der kanadischen Autorin Margaret Atwood ist ein genreprägendes Dystopie-Werk, das nah an der Realität ist und u.a. als Vorlage für die gleichnamige Serie des Streamingdienstes HULU diente.

Die Magd Desfred wurde dem Kommandanten und seiner Frau Serena Joy zugeteilt, um Nachwuchs in die Welt zu setzen. Im Staat Gilead, welcher weite Teile der ehemaligen USA bedeckt, ist Kinderarmut weit verbreitet. Die wenigen gebärfähigen Frauen werden als Mägde für die Großen und Mächtigen aufgespart und sollen sich voll und ganz darauf konzentrieren, Kinder zu bekommen, für die sie aber selbst niemals Mütter sein dürfen. Alles in dem Staat ist dabei streng überwacht, rigoros geregelt und Andersdenkende werden systematisch eliminiert. In dieser Welt versucht Desfred zu überleben und nicht an ihre frühere Familie zu denken, sondern sich einzufügen.

Der 416-Seiten-umfassende Roman ist eine erschreckende Dystopie, in der viele Aspekte, über die auch heute noch diskutiert wird, als Ausgangspunkt verwendet werden. Im Zentrum des Romans stehen dabei die Rechte der Frauen, welche hier aber wieder zurückgefahren werden. Im System Gilead, einem fiktiven Staat, der sich durch eine Gruppierung von engagierten Politikern aus den USA entwickeln konnte, wird den Frauen eine entsprechende Rolle zugeordnet – sei es als Ehefrau der Mächtigen, Gebärende, Aufpasserin, Haushaltsgehilfin oder Prosituierte. Jede Frau wird aufgrund ihrer Voraussetzungen in eine Rolle gezwungen, aus der sie sich nicht befreien kann. Die Ereignisse des Romans sind dabei zu Beginn des neuen Staates angesiedelt. So kann sich auch Desfred, deren realen Namen die Leser:innen nie erfahren, noch an ein normales Leben erinnern – mit Beruf, Mann und eigenem Kind. In gedanklichen Rückblenden erfahren wir davon, wie das Leben war, wie sich langsam alles veränderte und wann sie ihre eigene Familie das letzte Mal sah. Der Roman ist, wie es der Titel schon sagt, in Berichtform gehalten, sodass die Schilderungen beinah kühl und sachlich wirken, doch das Emotionale bricht immer wieder durch. Mit der Vorstellungskraft ergibt sich, auch wenn nicht alle Fragen aufgrund der sehr subjektiven Schilderung beantwortet werden, ein Gesamtbild, das einem in manchen Grundzügen doch erschreckend bekannt vorkommt. So büßt der Roman in Zeiten von Despoten wie Donald Trump und Abtreibungsverboten nichts an Schrecken ein. Wie tätig werden wir, wenn wir die Katastrophe kommen sehen? Wann gehen wir davon aus, dass es uns treffen wird und fangen an zu handeln? Die Frage, wie es soweit kommen könnte, wird ebenfalls in der Geschichte angeschnitten. Hinzu kommt eine gut lesbare Sprache und ein interessanter Appendix, der eine fiktive, wissenschaftliche Betrachtung Jahre später auf den Report der Magd wirft. Kein Wunder, dass dieses Buch noch heute absolut lesenswert ist und auch durch Filme („Die Geschichte der Dienerin“ (1990) von Volker Schlöndorff) und die aktuelle Serie „The Handmaid’s Tale“ (2017-2022), welche bereits vier Staffeln besitzt und dabei die Geschichte mit Einwilligung der Autorin Atwood weiter fabuliert, adaptiert wurde. Durch und durch ist es eine packende Geschichte, die unter die Haut geht und zugleich neugierig auf die Fortsetzung „Die Zeuginnen“ aus dem Jahr 2019 macht.

Fazit: „Der Report der Magd“ ist ein Roman der Schriftstellerin Margaret Atwood, der auch über 35 Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Aktualität verloren hat. Mit klaren Worten schildert sie eine nahe Zukunft, in der die Unterdrückung der Frau zu einer neuen Staatsform geführt hat. Die Dystopie ist dabei scharf formuliert, spannend und zieht einen sofort in die Geschichte, so dass der Roman durch und durch eine Empfehlung ist.

Bewertung: 5/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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