„The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ (Staffel 2, 2018)

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Serienkritik: Nachdem die erste Staffel der Buchadaption „The Handmaid’s Tale – Die Report der Magd“ bei Kritikern und ZuschauerInnen einschlug wie ein Bombe, bewegen und schockieren konnte, wird die Serie in ihrer zweiten Staffel, dieses Mal ohne Roman-Hintergrund, konsequent fortgesetzt und der Blick zusätzlich noch erweitert.

Als die Mägde für ihre gemeinschaftliche Weigerung, eine Steinigung vorzunehmen, bestraft werden, steht die schwangere June alias Desfred (Elisabeth Moss) unter strenger Beobachtung, doch trotzdem gelingt ihr die Flucht. Als nach geraumer Zeit die letzte Etappe von Amerika nach Kanada bevorsteht, ist sie mittlerweile hochschwanger und wird leider verraten. Zurück bei dem Kommandanten Fred Waterford (Joseph Fiennes) und seiner Frau Serena Joy (Yvonne Strahovski) werden andere Saiten aufgezogen. Es geht den beiden nur noch um das Kind, doch June selbst scheint am Ende ihrer Kräfte. Als ihr Emily (Alexis Bledel) wieder begegnet, welche von den Kolonien zurückgeholt wurde, beginnt ihr Widerstandsgeist wieder zu erblühen. 

Der Serienmacher Bruce Miller adaptierte mit der ersten Staffel von „The Handmaid’s Tale“ den gleichnamigen Roman von Margaret Atwood

. Dieser wurde schon mehrmals verfilmt. Doch die Serienadaption mauserte sich zu einem absoluten Erfolg durch ihre schonungslose Umsetzung und Verortung in der heutigen Zeit. Sie zeigt dabei die Entwicklungen der Zeit erschreckend realistisch auf. Die zweite Staffel mit ihren 13 Episoden folgt den eingeschlagenen Pfaden, auch wenn es dafür keine Romanvorlage mehr gab. Die Autorin Atwood war aber bei der Entwicklung der zweiten Staffel ebenfalls beteiligt und durfte sich Elemente wünschen, welche berücksichtigt werden sollten. So wird die Geschichte um June konsequent und im Konsens mit ihrer Erfinderin weiterentwickelt. Doch wunderbar ist hier auch die Erweiterung der Blickwinkel. Nicht nur bekommen die ZuschauerInnen die Kolonien zu sehen, andere Haushalte, sowie die Bemühungen der Amerikaner, welche in Kanada gestrandet sind, sondern man erfährt auch mehr über Serena Joy, welche in dieser Staffel eine zentrale Rolle einnimmt. An ihr zeigt die Serie, wie es sich so entwickeln konnte und warum Frauen diesen Weg bereitwillig gehen. So dringt man weiter in das Herz des neuen Staats Gilead und all seine Auswucherungen vor und verfolgt die Ereignisse mit einer Mischung aus Spannung und Emotionalität und wird immer wieder von den Wendungen und Charakterentwicklungen überrascht.  

Optisch bleibt sich die Serie ebenfalls treu. Die Szenerie ist trostlos und grau, als ob die Sonne nie über diesen Orten scheint. Auch während ihrer Flucht und in der Versteckzeit überwiegen die düsteren Farben. Umso mehr setzen auch hier die Mägde mit ihrer roten Kleidung einen starken Kontrastpunkt. Das nutzten die Serienmacher geschickt aus und schufen starke, eindringliche, durchkomponierte Bilder, welche ihrer eigenen Choreographie und Rhythmus folgen. Hinzu kommt, neben dieser kalten Welt aus Beton und Grau, die erdfarbene, dreckige Welt der Kolonien, welche im starken Kontrast zur sterilen Welt der Oberen von Gilead stehen. Der Cast der zweiten Staffel ist auch derselbe wie in der ersten, so dass sie ihre Figuren weiter ausbauen können. Besonders beeindruckend ist die Komplexität der Figur der Serena Joy, welche von Yvonne Strahovski („Chuck“ (2007-2012)) mit enormer Tiefe und wechselnden Gefühlen zwischen Eiseskälte und Nahbarkeit gespielt wird. Die Frauenfiguren sind eh der Knackpunkt der Serie – auch Alexis Bledel („Gilmore Girls: Ein neues Jahr“ (2016)) spielt auf emotionaler Ebene eine wichtige Rolle, ebenso wie die Hauptfigur June, verkörpert von Elisabeth Moss („Der Unsichtbare“ (2020)). Im Gesamten besticht auch die zweite Staffel mit dem Bild einer dystopischen Zukunft, wie es dazu kam und wie es sich anfühlen würde, dort zu leben. Großartig inszeniert und gespielt geht auch die zweite Staffel unter die Haut und hält die Spannung bis zum nicht vorhersehbaren Ende aufrecht. 

Yvonne Strahovski und Elisabeth Moss

Fazit: Die 13 Folgen der zweiten Staffel der amerikanischen Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ erzählen wunderbar die Geschichte des totalitären Staates Gilead und des Lebens der zu gebärfähigen Mägden gezwungenen Frauen weiter. Dabei erweitert die zweite Staffel den Blick auf andere Orte und Figuren, erzählt die Hintergrundgeschichte und vertieft die Themen. Mit storytechnischen Überraschungen, einer gelungenen Bildsprache und einem hervorragenden Cast ist auch die zweite Staffel lohnenswerte Serienunterhaltung, so dass man sich bereits auf die dritte Staffel freut.

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 2 der Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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