Acht Fragen an Marjolaine Perreten

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Interview: Im Gespräch mit der schweizer Filmemacherin und Animationskünstlerin Marjolaine Perreten konnten wir mehr über ihren fantastischen Animationsfilm „The Last Day of Autumn“ (OT: „Le Dernier Jour d’Automne“), gesehen auf dem 32. Filmfest Dresden, erfahren, wie die Geschichte aus Kindheitserinnerungen entstand und warum sie sich neben klassischen Waldbewohnern auch für Schildkröte und Hermelin entschieden hat.

The original english language interview is also available.

Wie kam es zu Deiner Geschichte für den Kurzfilm „The Last Day of Autumn“ – warum unternehmen die Tiere ein Radrennen?

Als Kind habe ich sehr viel Zeit im Wald hinter unserem Haus verbracht. Mit meinen jüngeren Schwestern haben wir viele Fahrradteile gefunden, und wir haben uns immer gefragt, wie kommt es, dass die dort zu finden sind? Wie kommen die dorthin? Machen Tiere etwas damit, wenn niemand zuschaut? Das war wirklich der Ausgangspunkt. 

Und dann kam ein richtiges Konzept heraus; die Tiere machen am letzten Herbsttag traditionell ein Radrennen. Ein Rennen gegen den Winter, der immer näher rückt. Sie ahmen also die Menschen nach, aber sie fahren kein Rennen gegeneinander, sondern gegen etwas Gemeinsames.

Für welche Zielgruppe hast Du Deinen Kurzfilm konzipiert – ich könnte mir gut vorstellen, dass er bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gut funktioniert.

Vielen Dank für diesen schönen Standpunkt! Ich schätze, ich habe immer noch einen kindlichen Verstand, also segeln meine Filme automatisch in diese Richtung. Aber wenn ich einen Kurzfilm schreibe, setze ich mir immer das Ziel, dass er für ein großes Publikum geeignet sein muss. Ich versuche immer, den Film für Eltern passend zu machen, so dass sie sich nicht langweilen. Das ist eine schwierige Art des Schreibens, es braucht verschiedene Ebenen von Lektionen. 

Ich mag die Zwischentöne Deiner Erzählung sehr – für mich ist es ein Film über ein mitfühlendes Miteinander. Würdest Du sagen, dass das der Kern der Geschichte ist?

Ja, definitiv! Ich wollte den Menschen sagen, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu helfen und auf die anderen zu warten, was das Wichtige im Leben ist. Deshalb weiß man am Ende des Films nicht, wer das Rennen gewonnen hat. Denn das ist nicht wichtig.

Erzähl mir etwas zu den Animationen und was Dir bei der Ausgestaltung Deiner Waldbewohner am Herzen lag – die sind einfach wunderbar!

Nun, meine Animationen sind wirklich einfach, da ich die Animation selbst gelernt habe. Also mache ich es, schaue, ob es funktioniert, und behalte es dann, wenn es das ist, was ich wollte! (lacht) Aber es ist wirklich eine instinktive Art, es zu tun.

Ich habe versucht, Waldtiere zu nehmen, auch wenn ich mich entschieden habe, eine Schildkröte hinzuzufügen (lachen). Das ist eine Referenz zur Fabel vom Hasen und von der Schildkröte, die gegeneinander rennen. Ich weiß nicht, ob die Leute das bemerkt haben.  Aber das ist auch ein Teil der Ebenen, auf denen ich schreibe! Ich habe einen Bären hinzugefügt, weil er im Winter schläft. Deshalb ist er auch so schläfrig. Und der Hermelin ändert im Winter seine Farbe. Sie ist der Startpunkt des Rennens. Ihr Schwanz wird weiss, dann weiss jeder, dass der Winter naht und das Rennen gleich beginnt. Der Fuchs ist auch hier, um zu zeigen, dass dieser Film keine Gefahr darstellt, weil in ihm jeder dieses Rennen ohne Gefahr erlebt.

Hattest Du filmische Vorbilder, auf die Du zurückgreifst?

Nicht wirklich. Ich lasse mich vor allem von Kinderbüchern im Allgemeinen inspirieren. Aber mir gefällt die Art und Weise, wie russische Animationen im Tempo gehen, immer mit großartigem Timing und Schnitt. Das macht kleine einfache Dinge immer liebenswert und lustig. Ich liebe auch den Humor und das Design von Tove Jansson, der finnischen Mutter der Mumins.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen. 

Nun, ich bin 29 Jahre alt, lebe in Freiburg in der Schweiz und arbeite in Genf in einem Animationsstudio namens Nadasdy Film. Sie stellten mich als Regisseur ein, nachdem ich 2015 die Schule La Poudrière in Valence (Frankreich) abgeschlossen hatte. Im Jahr 2017 gründete ich in meiner Heimatstadt ein kleines Animationsfilmfestival namens Savigny Animation Film Festival, um mehr Menschen diese Welt entdecken zu lassen.

Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass ich die Natur und die Tiere liebe. Ich mache auch Keramik, und mein Traum ist es, mein eigenes kleines Haus umgeben von Katzen zu haben.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Wir haben gerade mein nächstes Projekt finanziert, bei dem es sich um einen 26-minütigen Animationsfilm über Spitzmäuse handelt. Ich sollte also gleich nach Beendigung des Kurzfilms beginnen, an dem ich im Moment arbeite und der auf einer Graphic Novel basiert, in die ich mich letztes Jahr verliebt habe. Parallel dazu führe ich auch die künstlerische Leitung bei einem schönen Animationsfilm über Mary Anning von Marcel Barelli. Ich freue mich wirklich auf all diese schönen Dinge, die noch kommen werden! 

Bleibst Du dem 2D-Animationsfilm treu?

Ich denke ja, aber ich bin nicht völlig verschlossen, etwas anderes auszuprobieren, wie zum Beispiel 3D, das mit der Zeit immer besser wird.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Last Day of Autumn


Interview: In conversation with the Swiss filmmaker and animation artist Marjolaine Perreten we could learn more about her fantastic animation film „The Last Day of Autumn“ (OT: „Le Dernier Jour d’Automne“), seen at the 32nd Filmfest Dresden, how the story developed from childhood memories and why she chose turtle and ermine in addition to classic forest inhabitants.

How did your story for the short film „The Last Day of Autumn“ come about – why are the animals holding a bicycle race?

I used to spend a lot of time in the forest behind our house when I was a kid. We found a lot of bike pieces with my younger sisters, and used to wonder how come it is there? Why? Do animals make anything with it when no one is watching? That was really the starting point. 

And then a real concept came out; the animals are doing a bicycle race as a tradition during the last day of Autumn. Racing against winter which is coming really close. So they imitate humans, but do not race against each other, but against something in common.

For which target group did you conceive your short film? I could well imagine that it works equally well with children and adults.

Thank you very much for this nice point of view! I guess I have a kid mind still, so my films automatically sail in that direction… But when I write a short, I always fix myself the goal that it has to be suitable for a large audience. I am always trying to make the film fit parents, in a way they won’t get bored with it. That’s a hard way of writing, it needs different levels of lectures. 

I really like the nuances of your story – for me it is a film about a compassionate togetherness. Would you say that is the core of the story?

Yes definitely! I wanted to tell people the importance of helping each other, waiting for the others, which are the important things in life. 

That’s why at the end of the film, you don’t know who won the race. Because that’s not important.

Tell me something about the animations and what was important to you in creating your forest inhabitants – they are just wonderful!

Well my animations are really simple, as I learnt animation by myself. So I am doing it, see if it works, then keep it if it’s what I wanted! (laugh) but it’s really an instinctive way of doing it.

I tried to have forest animals, even if I chose to add a turtle (laugh). There is a nod to the fable of the Hare and the Tortoise racing against each other. I don’t know if people noticed that.  But that’s also a part of the levels I am writing! I added a bear because he is sleeping during winter. That’s why he is so sleepy. And the ermine is changing colors in winter. She is the starting point of the race. Her tail gets white, that’s when everybody knows winter is close and the race is about to start.

The fox is also here to show this film is a no-danger one, where everyone is living this race with no threat.

Did you have any cinematic role models you drew from?

Not really.. I am mostly inspired by children’s books in general. But I like the way russian animations are paced, always with great timing and editing. It always makes little simple things adorable and funny. I also love the humour and designs of Tove Jansson, the finnish mother of the Moomins.

Can you tell me a little more about yourself at the end? 

Haha well I am 29, living in Fribourg in Switzerland, and working in Geneva in an animation studio called Nadasdy Film.

They hired me as a director after I finished the school La Poudrière in Valence (France) in 2015. In 2017, I founded a small animation festival in my home town called Savigny Animation Film Festival, to make more people discover this world.

No need to say I love nature and animals.. I also do ceramics and my dream is to have my own small house surrounded by cats.

Are there any new projects already planned?

We just financed my next project which will be a 26 minutes animation film about shrews, so I should start right after I finish the short film I am working on at the moment, based on a graphic novel I fell in love with last year. I also do in parallel the art directing on a nice animation feature film about Mary Anning by Marcel Barelli. I am really looking forward for all these nice things coming! 

 Will you stay true to the 2D animation film? 

I think yes, but I am not totally closed to trying something else, like 3D for example, which gets nicer and nicer with time.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „The Last Day of Autumn“ 

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