Sieben Fragen an Elizabeth Hobbs

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Interview: Im Gespräch mit der britischen Filmemacherin und Animationskünstlerin Elizabeth Hobbs konnten wir mehr über ihren Animationsfilm „The Debutante“ erfahren, der auf dem 65. DOK Leipzig seine Deutschlandpremiere feierte, wie sie zu der Geschichte kam, was ihr bei der Umsetzung am Herzen lag und warum sie sich immer wieder neuen künstlerischen Erzählformen zuwendet. 

The original english language interview is also available.

Dein Animationsfilm basiert auf einer Vorlage von Leonora Carrington – wie bist Du zu dem Stoff gekommen und warum hast Du Dich entschieden, ihn umzusetzen?

Die Kurzgeschichte wurde mir 2017 von einem guten Freund gesendet. Ich mochte alles an ihr, dass sie so überraschend und anarchisch ist, und die direkte Sprache, die daher kommt, dass die Geschichte von der Künstlerin auf Französisch geschrieben wurde, was ihre Zweitsprache war. Wenn ich Biografien über die Künstlerin lese, erkenne ich, dass die Geschichte autobiografisch ist, und das macht sie zu einer reicheren Leseerfahrung. Ich wollte die Geschichte auch deshalb adaptieren, weil so viele Teile der Geschichte mit meinen eigenen Erfahrungen übereinstimmen und ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte irgendwie immer noch aktuell ist.

Was war für Dich wichtig: Wolltest Du einen surrealen Film schaffen, der Freude macht oder lag Dir eine spezielle Botschaft am Herzen?

Ich freue mich immer, wenn es Spaß macht, einen Film zu sehen, aber meine Priorität ist immer, dass es Spaß macht, ihn zu machen. Ich wollte unbedingt die Chance haben, Carringtons Geschichte zu adaptieren, weil es darin auch so viele köstliche dramatische Momente gibt, und ich wusste, dass es wirklich spannend wäre, diese mit der Sprache des Films zu entwickeln, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hutch Demouilpied und dem Cutter Mark Jenkins.

Wie lange hast Du an dem Projekt gearbeitet? Wie groß war Dein Team?

Das Kernteam bestand aus vier Personen, meiner fantastischen Produzentin Abigail Addison, unserem Komponisten und Cutter (beide oben erwähnt) und mir selbst. Nachdem Abigail und ich erfolgreich eine Finanzierung durch den BFI Short Form Animation Fund erhalten hatten, dauerte es zwei Jahre, den Film zum Leben zu erwecken.

Erzähl mir bitte mehr zu den großartigen Animationen. Wie hast Du sie entwickelt? Was war Dir visuell wichtig?

Ich arbeite immer direkt unter der Rostrum-Kamera [Anm. d. Red. eine Podiumskamera für Animationsaufnahmen von statischen Objekten], und in diesem Fall habe ich eine traditionelle Animationstechnik mit Farbe und Tinte auf Papier sowie einige Collagen und Scherenschnitt-Animationen verwendet. Es macht mir immer Spaß zu versuchen, Bewegung und Bedeutung mit minimalen Details zu vermitteln. In diesem Film habe ich mich auf die Frauen und Filme aus dem Jahr 1938 bezogen, als die Geschichte geschrieben wurde, weil es visuell wichtig war, die vielen Wege aufzuzeigen, die das britische Klassensystem findet, um Menschen zu schikanieren, die mit ihren Haaren, ihrer Kleidung oder ihren Manieren nicht so ganz passen.

Was war Dir bei der Voice Over und bei der tonalen Ausgestaltung wichtig?

Wir haben drei fantastische Schauspieler ausgewählt, die die Figuren zum Leben erwecken können. Die Künstlerin Leonora Carrington lebte ein langes und erfolgreiches Leben als Künstlerin in Mexiko, und wir besetzten Joanna Davids Erzählerin als eine Art Anspielung darauf. Die Hyäne und die junge Debütantin wurden von Alexa Davies und Naomi Stafford mit viel Wärme und Humor gespielt. Die Komposition und das Sounddesign enthalten ebenfalls subtile Verweise auf Carringtons spätere Jahre in Mexiko. Unser Komponist hat eine ganz bestimmte Palette von Instrumenten verwendet, um musikalische Themen für die Figuren zu schaffen, die sich auf der Dinnerparty auflösen und aufeinander treffen können. Es war so aufregend, eng mit einem Komponisten zusammenzuarbeiten, der so mutig und nachdenklich war, was sowohl die Geschichte als auch ihren biografischen und historischen Kontext betraf.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Animationsfilm gekommen bist?

Nach meinem Abschluss 1992 arbeitete ich zehn Jahre lang als Druckgrafikerin und stellte Künstlerbücher her, bevor ich mich aus Liebe zu Geschichten und Erzählungen der Animation zuwandte. Jedes Mal, wenn ich einen Film mache, probiere ich eine neue Reihe von Materialien und Techniken aus, ich lerne also ständig dazu.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Für 2024 ist eine spannende Zusammenarbeit mit der Komponistin Chaya Czernowin im Bereich Animation und Live-Performance geplant. Außerdem habe ich ein neues Kurzfilmprojekt in der Anfangsphase der Entwicklung.

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Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Debutante


Interview: In our conversation with British filmmaker and animation artist Elizabeth Hobbs, we were able to learn more about her animated film “The Debutante,” which celebrated its German premiere at the 65th DOK Leipzig, how she came up with the story, what was close to her heart during its realization, and why she keeps turning to new artistic narrative forms. 

The animated film is based on a story by artist Leonora Carrington. How did you come across that material and why did you decide to adapt it with „The Debutante“?

I was sent the short story in 2017 by a good friend of mine. I loved everything about it, that it’s so surprising and anarchic, and the direct language that comes from the story being written by the artist in French, which was her second language. Reading biographies about the artist, I can see that the story is autobiographical, and that makes it a richer research experience. I also wanted to adapt the story because so many parts of the story resonate with my own experiences and I felt that the story was somehow still current.

What was most important to you: Did you want to create a surreal film that is fun to watch or did you have a specific message you wanted to convey?

I’m always glad if the film is fun to watch, but my priority is always that it’s fun to make. I really wanted the chance to adapt Carrington’s story because there are also so many delicious dramatic moments in the story and I knew that it would be really exciting to develop those using the language of film, especially in collaboration with the composer Hutch Demouilpied and editor Mark Jenkins.

How long did you work on the project? How big was your team?

The core team was four people, my fantastic producer Abigail Addison, our composer and editor (both mentioned above) and myself. Once Abigail and I had been successful in getting funding from the BFI’s Short Form Animation Fund, the film took 2 years to bring to life.

Please tell me more about the great animation style. How did you develop it? What was visually important to you?

I always work directly under a rostrum camera and in this case I’ve used a traditional animation technique with paint and ink on paper, as well as some collage and paper cut animation. I always enjoy trying to convey movement and meaning with minimal detail. In this film I have referenced the women and films from 1938 when the story was written, because it was visually important to show the many ways the British class system finds to trip up people who aren’t quite right in their hair, or dress or manners. 

What was important to you in the voice over and in the sound design?

We chose three fantastic actors who could bring the characters to life. The artist Leonora Carrington lived a long and successful life working as an artist in Mexico, and we cast Joanna David’s narrator as a way of alluding to that. The hyena and young Debutante were played by Alexa Davies and Naomi Stafford with great warmth and humor. The composition and sound design also has subtle references to Carrington’s later years in Mexico, our composer used a very specific range of instruments to create musical themes for the characters that could unravel and collide at the dinner party. It was so exciting to work closely with a composer who was so brave and thoughtful about both the story and it’s biographical and historical context.

Can you tell me a bit more about yourself and how you got into animation?

After I graduated in 1992 I was a printmaker producing artist’s books for ten years before moving sideways into animation through a love of narratives and storytelling. Each time I make a film I try out a new range of materials and techniques, so I’m learning as I go along.

Are there any new projects already planned?

I have an exciting animation and live performance collaboration planned for 2024 with composer Chaya Czernowin. I also have a new short film project in the early stages of development.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „The Debutante

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