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Interview: Im Gespräch mit der Filmemacherin und Animationskünstlerin Marjolaine Perreten („The Last Day of Autumn“) konnten wir mehr über ihren 30-minütigen Kurzfilm „Pebble Hill“ (OT: „La Colline aux cailloux“) erfahren, der auf dem 16. KUKI Berlin lief, warum sie Spitzmäuse zu ihren Helden wählte, um welches größeres Thema es geht und warum der Ton bei ihrem Animationsfilm ebenso wichtig ist.
The original english language interview is also available.
Erzähl mir mehr zur Entstehung Deines Kurzfilms und warum Du Dich für Spitzmäuse entschieden hast?
Ich habe mich für Spitzmäuse entschieden, weil sie bekanntlich die kleinsten Säugetiere sind (zusammen mit einer anderen seltenen Fledermausart). Ich wollte mit diesem Maßstab spielen und zeigen, wie groß die Welt ist, wenn man so klein ist. Wie groß sind die Möglichkeiten, verloren zu gehen oder gefährdet zu sein. Interessant ist auch, dass Spitzmäuse als ausgestorben galten, weil sie aufgrund ihrer geringen Größe sehr schwer zu finden waren. Aber vor ein paar Jahren sind sie in einigen Teilen der Schweiz wieder aufgetaucht.
Hattest Du auch im Sinn, Kindern die Thematik von Heimatlosigkeit und Flucht näherzubringen?
Tatsächlich ist das dem Film zugrunde liegende Thema – Flucht und Einwanderung aufgrund des Klimawandels – der versteckte Grund für die Abreise der kleinen Familie. Dieses schwerwiegende Thema wird auf eine Art und Weise behandelt, die für ein junges Publikum geeignet ist und Eltern und Kinder dazu ermutigt, über die aktuellen Gegebenheiten zu diskutieren. Die Animation hilft mir, mich in die Sichtweise der Kinder hineinzuversetzen und ihnen einen Teil der Hintergrundgeschichte auf eine leichtere Art und Weise zu vermitteln.
Dein Film entstand als Independent-Film, richtig? Wie schwer war es, das Projekt zu realisieren und wie viel Zeit hat es in Anspruch genommen?
Ich bin mir nicht sicher, was du mit ‚unabhängigem‘ Film meinst, aber ich kann dir sagen, dass der Film von Nadasdy Film Sàrl in Genf (CH) produziert wurde, mit den französischen und belgischen Koproduzenten La Boîte Prod und Les Films du Nord. Wir haben die notwendigen Mittel vom Schweizer Fernsehen, der Regionalförderung und dem Schweizer Kulturfonds erhalten, um einen so langen Film ins Leben zu rufen. Bei diesem Format handelt es sich um einen 26-minütigen ‚TV Special‘-Kurzfilm, der normalerweise für das Schweizer Fernsehen gedreht wird, aber glücklicherweise fand der Film seinen Weg ins Kino in einem 50-minütigen Kurzfilmprogramm zum selben Thema. Dank dieser Neuerung können auch Familien mit kleinen Kindern in den Genuss einer Kinovorführung von angemessener Länge kommen, was eine tolle Idee ist! Der Film wurde auch bei mehreren Festivals angenommen, trotz seiner Länge, durch die ein Programm natürlich schnell verstopft.
Der Stil hat einen hohen Wiedererkennungswert – würdest Du sagen, Du hast Deinen Stil gefunden und was liegt Dir optisch am Herzen?
Wir lernen und wachsen jeden Tag! Ich denke (und hoffe), dass sich mein Stil weiter entwickeln wird. Ich hänge immer noch an den Spuren meines allerersten Praktikums als Background Artist bei l’Enclume, einem großen belgischen Studio. Mein Traum wäre es, meine Technik an die Geschichte anzupassen, aber ich stecke immer noch in meiner Komfortzone fest.
Welche Werke (Film, Malerei etc.) inspirieren Dich?
Grafisch schätze ich den japanischen Minimalismus und die japanische Kunst sehr, aber ich habe auch ein Faible für die Welt von Tove Jansson [Anm. d. Red.: Erfinderin der „Mumins“], die mich auch in ihrer Erzählweise inspiriert. Ich lese auch viele Kinderbücher, zum Beispiel die Werke von Kitty Crowther oder Béatrice Alemagna. Aber die meiste Inspiration bekomme ich von dem, was mich umgibt. Meine Dialoge zum Beispiel sind fast allesamt Dinge, die ich gehört habe. Das macht die Geschichte und die Figuren authentisch.
Welchen Stellenwert nimmt für Dich der Ton und die Synchronisation ein?
Das Sounddesign ist der wichtigste Teil des Films. Es macht die Figuren und die Umgebung glaubwürdig. Ich verlange immer ein Höchstmaß an Realismus beim Sounddesign, und Jonathan Vaneste und Céline Bernard, mein Tontechniker und mein Geräuschemacher, haben hervorragende Arbeit geleistet! Der Ton spart auch eine Menge Dinge: Da die Animation sehr minimalistisch ist, werden einige Dinge mit Ton dargestellt!
Sind bereits neue Projekte geplant?
Oh ja! Derzeit habe ich bei dem Spielfilm „Mary Anning“ von Marcel Barelli die Künstlerische Leitung übernommen. Danach adaptiere ich eine Graphic Novel mit dem Titel „Sabre“ von Eric Feres; eine wunderschöne, nicht-dialogische Geschichte über einen Säbelzahntiger, der versucht, trotz seiner Andersartigkeit zu überleben. Und parallel dazu schreibe ich meinen ersten Spielfilm :^) Also… Vollzeit-Tagträumen!
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Pebble Hill“
Interview: In our conversation with filmmaker and animation artist Marjolaine Perreten („The Last Day of Autumn„) we found out more about her 30-minute short film „Pebble Hill“ (OT: „La Colline aux cailloux“), which screened at the 16th KUKI Berlin, why she chose shrews as her heroes, what the bigger issue is and why sound is just as important in her animated film.
Tell me more about the making of your short film and why you decided to go with shrews?
I chose shrews because they are known to be the smallest mammals (along with another rare species of bat). I wanted to play with this scale, showing how big this world is when you are so small. How are the possibilities to get lost, or endangered. It’s also interesting to note that shrews were thought to have disappeared, because it was very difficult to find them due to their very small size. But they reappeared a few years ago in some parts of Switzerland :^)
Did you also have in mind to bring the subject of homelessness and flight closer to children?
Indeed, the film’s underlying theme – flight and immigration due to climate change – is the hidden reason for the little family’s departure. This heavy subject is dealt with in a way that’s suitable for a young audience, encouraging parents and children to discuss current actuality. Animation helps me to go down to a child’s point of view, and let them get some of the backstory in a lighter way.
Your movie was made as an independent film, right? How difficult was it to realize the project and how much time did it take?
I am not sure what you mean by ‚independent‘ film, but I could tell you the film was produced by Nadasdy Film Sàrl, in Geneva (CH), with the French and Belgium co-producers La Boîte Prod and Les Films du Nord. We got the fundings from Swiss Television, the Regional help and Swiss Cultural funds which were necessary to bring such a long film to life. This format is a ‚TV Special‘ 26 minutes short film, which was usually made for swiss television, but luckily the film found its way to the cinema in a 50-minute programme of short films on the same theme. This innovation means that families with young children can still enjoy a cinema screening of reasonable length, which is an amazing idea! The film has also been accepted at a number of festivals, despite its length, which of course quickly clutters up a programme…
The style has a high recognition value – would you say you have found your style and what is visually close to your heart?
We learn and grow every day! I think (and hope) that my style will continue to evolve. I am still stuck with some traces of my very first internship as a background artist for l’Enclume, a great belgium studio. My dream would be to adapt my technique to the story, but I’m still stuck in my comfort zone…
Which works (film, painting etc.) inspire you?
Graphically, I have a great appreciation of Japanese minimalism and art but. I also have a soft spot for the world of Tove Jansson, who also inspires me in her storytelling. I am also reading a lot of children’s books, for example the work of Kitty Crowther or Béatrice Alemagna. But most of my inspiration comes from what’s around me. My dialogues, for example, are almost all things I’ve heard. That’s what makes the story and the characters authentic.
How important are sound and dubbing for you?
The sound design is the most important part of the film. It’s what makes the characters and the environment believable. I always ask for the utmost realism in my sound design, and Jonathan Vaneste and Céline Bernard, my sound engineer and my foley artist, did a remarkable job! Sound also saves a lot of things… As the animation is very minimalist, some things are played out using sound!
Are new projects already planned?
Oh yes! I am currently art directing the feature film of Marcel Barelli called „Mary Anning“. After this I am adapting a graphic Novel called „Sabre“, from Eric Feres; a beautiful non-dialog story about a saber-tooth tiger trying to survive despite its difference. And in parallel, I am writing my first feature film. :^) So… full time daydreaming!
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Pebble Hill„