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Interview: Im Gespräch mit der chinesischen Regisseurin Wenqian Zhang konnten wir mehr über den Kurzfilm „Remains of the Hot Day“ (OT: „Re tian wu hou“) erfahren, der auf der 74. Berlinale 2024 den Silbernen Bären der Jury Kurzfilm in der Sektion ‚Berlinale Shorts‘ gewonnen hat, wie sie ihre eigenen Erinnerungen darin verarbeitet und ob sie sich vorstellen kann, diese noch in einem Langfilm weiter auszuschmücken.
The original english language interview is also available.
Die Geschichte speist sich aus Ihren eigenen Erinnerungen – kannst Du mir mehr davon erzählen?
“Remains of the Hot Day” ist ein Kurzfilm, der in einer alten Wohnung spielt. Die innere Situation spiegelt teilweise die äußere Welt wider.
Zwischen 2019 und 2022, als ich meinen Dokumentarfilm „A Long Journey Home“ drehte, blieb ich fast zwei Jahre lang zu Hause, um mein jetziges Leben aufzuzeichnen. Mir fiel auf, dass alle Familienmitglieder beiläufig über ihr Leben sprachen, vor allem während der Lockdown-Zeit. Es war, als ob alles stillstand. Damals hatte ich das Gefühl, dass wir als Familie, in der drei Generationen zusammenleben, eingeengt wie in einem Tunnel sind und trotzdem so verschiedenartige Leben führen. Die Erlebnisse gaben mir das Gefühl, dass alle vergangenen und gegenwärtigen Zeiten ineinander gären. Die rasante Entwicklung der letzten 20 Jahre und die abrupten Pausen- und Zerfallsbilder präsentierten sich allmählich zusammen als ein melancholischer Traum. Es wäre eine gute Idee, dies filmisch zu erzählen. „Remains of the Hot Day“ war das Ergebnis davon.
In welchem Rahmen wurde euer Film gedreht?
Wir haben diesen Kurzfilm eine Woche lang in dieser alten Wohnung gedreht. Ich versuche immer noch herauszufinden, wie die Begrenzungen die Kreation fördern oder zerstören. Ich stelle mich im Prozess des Filmemachens immer wieder neu auf mich ein und genieße die freie Zeit und den Raum, den ich habe, um die Veränderungen, die wir durchmachen, zu reflektieren. Im Vergleich dazu, dass ich viel mehr Zeit aufwenden muss, um ein stabiles Leben zu führen, muss ich mich damit auseinandersetzen, wofür ich mich jetzt entscheide, denn ich habe auch Angst, dass mir die Möglichkeit genommen wird, die Welt um mich herum tief zu spüren.
Auch wenn wir immer wieder Möglichkeiten finden, Filme zu machen, war es immer eine Herausforderung, damit umzugehen. Die Menschen, mit denen wir zusammen Filme gemacht haben, sind alle junge Menschen in China, deren Lebensumstände variabel und unbeständig sind. Die meiste Zeit leben wir als Selbstständige oder Freiberufler, und wenn das, was wir tun, mit unserer persönlichen künstlerischen Arbeit zu tun hat, arbeiten wir normalerweise ohne Bezahlung zusammen.
Wie groß war euer Team? Unter welchen Bedingungen habt ihr den Film realisiert?
Das Team bestand aus nicht mehr als 15 Personen, und für die meisten Drehorte mussten mein Partner Yue Huang und ich so viele Vorbereitungen wie möglich im Voraus treffen. Abgesehen von der Ausrüstung, die immer am einfachsten zu handhaben ist, muss man alle anderen Abläufe des Filmemachens erst lernen und durchführen. Da wir durch unsere eigenen Erfahrungen und durch äußere Umstände, die mit Zensur und Kapitalanforderungen zu tun haben, eingeschränkt werden, muss die Erstellung eines Films eng mit der Möglichkeit der Produktion verbunden sein.
Was war Ihnen bei der Auswahl der Schauspieler wichtig?
Als ich die Schauspieler ausgewählt habe, suchte ich nach den Eindrücken, die ich in meiner Erinnerung hatte, und nach den Gesichtern, die mir helfen konnten, diese Eindrücke zu visualisieren.
Ich denke, es gibt noch Potenzial für eine längere Geschichte – kannst du dir vorstellen, in einem abendfüllenden Film auf deine Figuren zurückzukommen?
Ich bin noch dabei, einige Gedanken und Archive neu zu ordnen und würde gerne sehen, ob ich einen Langfilm machen kann.
Kannst du mir ein wenig über dich erzählen und wie du zum Filmemachen gekommen bist?
Ich habe 2017 meinen Abschluss an der Nanjing University gemacht und meinen MFA in Theaterwissenschaften erworben. Später ging ich nach Chicago, um ein weiteres MFA-Programm in Film, Video, Neue Medien und Animation zu studieren. Ende 2019 bin ich dann wieder nach China zurückgekehrt. Seitdem habe ich mit meiner Partnerin Yue Huang einen Dokumentarfilm und andere Spielfilme in verschiedenen Arbeitspositionen gedreht.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Remains of the Hot Day“
Interview: In our conversation with Chinese director Wenqian Zhang, we learned more about the short film „Remains of the Hot Day“ (OT: „Re tian wu hou“), which won the Silver Bear of the Jury Short Film in the ‚Berlinale Shorts‚ section at the 74th Berlinale 2024, how she processes her own memories in it and whether she can imagine further embellishing them in a feature-length film.
The story is fed by your own memories – can you tell me about them?
„Remains of the Hot Day“ is a short film that takes place in an old apartment; the inner situation partly reflects the outside world.
Between 2019 and 2022, when I made my documentary “A Long Journey Home”, I stayed home for almost 2 years to record my present life. For me, all the family members were casually talking about their lives in a murmuring way, especially during lockdown time; it was like everything was stopped then. At the time, I started to feel that, as a three-generation co-existing family, we lived through such an extensively different life tunnel. The experiences gave me this feeling that all the past and present times are fermenting together; the rapid development during the last 20 years and abrupt pause and decay images gradually presented together as a melancholic dream. It would be good to make films about it. “Remains of the Hot Day” was the result of that.
In what context was your film made?
We made this short film in this old apartment for a week. I am still trying to determine how the limitations will generate or destroy the creation. I keep adapting myself through the process of filmmaking and enjoy the free time and space I own to echo the changes we are going through. Compared with spending much more time to earn a stable life, I have to confront what I choose now, as I am also frightened of being deprived of the chance to deeply feel the world surrounding me.
Even though we keep finding possibilities to make films, it was always a challenging thing to deal with. The people we worked with together to make films are all young people in China whose living situations are flexible and unstable. Most of the time, we live in a self-employed or freelancer situation, and if what we do is related to our personal artwork, we usually work with each other without payment.
How large was your team? Under which conditions did you realize the film?
The team is around no more than 15 people, and for most shooting places, my partner Yue Huang and I need to be able to deal with and make as many preparations as possible in advance. Except for the equipment, which is always the easiest part to deal with, all of the other filmmaking procedures are in the process of doing and learning. As we will be limited by our own experiences and outside situations concerned with censorship and capital requests, creating a film has to be closely connected with the possibility of production.
What was important to you when choosing the actors?
When I chose the actors, I searched for the impressions I had in my memories and the faces that could help me visualize the impressions.
I think there is still potential for a longer story – could you imagine returning to your characters in a feature-length film?
I am still rearranging some thoughts and archives and would like to see if I can make a feature film.
Can you tell me a bit about yourself and how you came to making films?
I graduated from Nanjing University in 2017 and earned my MFA in Theater. Later, I went to Chicago to study another MFA program in Film, Video, New Media, and Animation. Then, I returned back to China at the end of 2019. Since then, I made one documentary and other fiction films in different working positions with my partner, Yue Huang.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Remains of the Hot Day„


