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Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Filmemacher Scott Calonico konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Satanic Cult for Dummies“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm der 24. Landshuter Kurzfilmtage 2024 lief. Er erzählt von der Ausgangsidee, wie sie zu zweit eigentlich ein längeres Projekt im Sinn hatten und wie wohl er sich mit seiner Dokumentation im Genre-Programm gefühlt hat.
The original english language interview is also available.
Wie bist Du auf das Video aufmerksam geworden, was die Grundlage für den Kurzfilm ist und wie ging es von da aus weiter?
Ich war auf der Suche nach einem Projekt, das ich ohne Kontakt mit anderen Menschen realisieren konnte, als es mit Corona losging. Ich durchstöberte Videos im Internet-Archiv und stieß auf „Law Enforcement Guide to Satanic Cults“. So einfach war das.
Kann man das Original-Schulungsvideo irgendwo sehen?
Aber natürlich. Hier ist der Link.
In welchem Rahmen – konntest Du den Film realisieren? Wie groß war Dein Team?
Nun, Corona hat natürlich die Produktion verlangsamt. Aber das ist der Grund, warum wir den Film so gemacht haben, wie wir ihn gemacht haben. Was konnten wir mit der Distanz zwischen und umsetzen? Wir hatten zwei Crewmitglieder – mich in Berlin und meinen Koproduzenten Harmon Leon, der von Brooklyn aus arbeitete. Wir wussten, dass wir nicht viel Geld für diesen Film ausgeben würden.
Was war Dir bei der Umsetzung wichtig – was lag Dir beim Schnittprozess am Herzen und wie kam dein eigenes Voice-Over ins Spiel?
Wir wollten das Video „Law Enforcement Guide“ so zeigen, wie es tatsächlich war. Wir wussten, dass wir wahrscheinlich einige andere Videoelemente einfügen würden, also mussten wir herausfinden, wie wir diese von den Videostücken des „Law Enforcement Guide“ unterscheiden konnten. Also verwendeten wir den „Law Enforcement Guide“ im ursprünglichen 4:3-Videobandformat, und wenn wir andere Videoelemente verwendeten, erweiterten wir sie auf das 16:9-Format. Ursprünglich hatten wir vor, die Geschichte viel umfassender zu gestalten – vielleicht sogar zu einem Spielfilm auszuweiten – und andere Elemente der Satanismus-Panik der 1980er Jahre in den Vereinigten Staaten einzubringen. Letztendlich haben wir uns aber entschieden, uns nur auf das „Law Enforcement Guide“-Video selbst zu konzentrieren. Das führte zu einer Menge Konflikte zwischen mir und meinem Co-Autor Harmon Leon. Ich denke aber, dass wir am Ende den richtigen Weg eingeschlagen haben. Was das Voice-Over-Element angeht, so hatten wir ursprünglich eine Menge Text im Film und ich dachte, wir bräuchten eine Art persönliches Element. Ich habe schon Sprachaufnahmen für Firmenvideos gemacht, also dachte ich mir, ich mache es einfach selbst.
Dein Film lief im Genre-Block in Landshut – hast Du Dich da wohl gefühlt, oder siehst Du Deinen Film eher als eine klassische Dokumentation?
Ja, das war interessant. Vor allem, als wir eine Frage aus dem Publikum hatten, ob es sich um eine Mockumentary handelt. Ich denke, es hat gut gepasst. Meine Dokumentarfilme neigen dazu, nicht zu konventionell zu sein. Alles, was mit Satan zu tun hat, ist nicht allzu konventionell.
Kannst Du mir noch etwas mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich besuchte die Filmhochschule an der University of Texas in Austin. Robert Rodriguez war in meiner Klasse. Wir hatten das unglückliche Timing, mehr oder weniger die letzte Generation von Filmemachern zu sein, die noch nicht alle digitalen Werkzeuge zur Verfügung hatten. Trotzdem hat mir das Drehen auf Film Spaß gemacht. Wir benutzten die aufziehbaren Bolex-Kameras, mit denen man im Zweiten Weltkrieg Soldaten und Zeitungsreporter losgeschickt hat. Diese Dinger waren Panzer. Nach der Filmschule begann ich, mehr mit der Videoproduktion zu experimentieren, weil Film einfach so teuer und zeitaufwendig war. Als dann die digitale Revolution einsetzte, kehrte ich zur Kurzfilmproduktion zurück. Als ich anfing, kurze Dokumentarfilme zu drehen und damit auf Filmfestivals Erfolg hatte, wusste ich, dass ich meine Berufung gefunden hatte.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Aber natürlich! Wir sind kurz vor dem Abschluss unseres (meines) ersten Spielfilms, „Hero Traitor Father Spy“, über einen ostdeutschen Spion, der 1979 überlief, seine Familie in Ostdeutschland zurückließ, in die Vereinigten Staaten ging und Banker an der Wall Street wurde. Ich habe mit dem Sohn des Spions, Andy, zusammengearbeitet, und wir erzählen die Geschichte aus seiner Perspektive. Der Spion war Werner Stiller, der für die Stasi in Ost-Berlin arbeitete, und als er überlief, war das eine der größten Geschichten des Kalten Krieges. In Deutschland wurden einige Filme über ihn gedreht, aber in den Vereinigten Staaten hat noch niemand die Geschichte gehört.
Ich arbeite auch an einem Kurzfilm aus dem Found-Footage-Archiv, „Watching the Detectives“, dem wir gerade den letzten Schliff geben. Im Grunde habe ich einen Haufen vergessenes Filmmaterial im Stadtarchiv von New York City gefunden und das alles zusammengefügt.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Satanic Cult for Dummies“
Interview: In our conversation with American filmmaker Scott Calonico, we were able to find out more about his short film „Satanic Cult for Dummies„, which was shown in the ‚Shock Block‘ program of the 24th Landshut Short Film Festival 2024. He talks about the initial idea, how the two of them actually had a longer project in mind and how comfortable he felt with his documentary in the genre program.
How did you become aware of the video, which is the basis for the short film and how did it go from there?
I was looking for a project that I could do remotely right when Corona hit. I was combing through videos on the Internet Archive and stumbled upon „Law Enforcement Guide to Satanic Cults“. Simple as that.
Is it possible to see the original training video somewhere?
Of course. Here is the link.
Within what framework were you able to realize the film? How big was your team?
Well, Corona, of course, slowed down the production time. But that’s why we did the film the way we did. What could we do remotely? We had two crew members – myself in Berlin and my co-producer Harmon Leon operating out of Brooklyn. We knew we weren’t going to spend a lot of money on this film.
What was important to you in the realization – what was important to you in the editing process and how did your own voiceover come into play?
We wanted to show the „Law Enforcement Guide“ tape as it actually was. We knew that we would probably be dropping in some other video elements, so we had to figure out how to distinguish those from the bits of video from „Law Enforcement Guide“. So we wound up using the „Law Enforcement Guide“ in the original 4:3 video tape aspect and then, if we used other video elements, blew them up to the 16:9 ratio. We originally envisioned a much broader element to the story – perhaps even expanding to a feature – by bringing in other elements of the 1980s Satanic Panic in the United States. But, in the end, we decided to focus just on the „Law Enforcement Guide“ tape itself. Actually, this led to a lot of strife between me and my co-writer Harmon Leon. In the end, though, I think we went in the right direction. As to the Voice-Over element, we originally had a lot of titles in the film and I thought we needed some kind of personal element. I’ve done voiceover for corporate videos, so I figured I’d just do it myself.
Your film was shown in the genre block in Landshut – did you feel comfortable there, or do you see your film more as a conventional documentary?
Yeah, that was interesting. especially when we had a question from the audience asking if this was a mockumentary. I think it was a good fit. My documentaries tend to not be too conventional. Anything that involves Satan isn’t going to be too conventional.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to making films?
I went to film school at the University of Texas at Austin. Robert Rodriguez was in my class. We had the unfortunate timing to be more or less the last generation of filmmakers who didn’t have all the digital tools at our disposal. Still, I enjoyed shooting on film. We used the wind up Bolex cameras that they used to send out with soldiers and newsmen during WWII. Those things were tanks. After film school, I started experimenting more with video production, because film was just so expensive and time consuming. Then, when the digital
revolution started happening, I moved back to making short films. After I started making short documentaries and having some success with them at film festivals, I knew I had found my calling.
Are there any new projects planned?
Of course! We’re getting towards the end of our (my) first feature, „Hero Traitor Father Spy“, about an East German spy who defected in 1979, left his family behind in East Germany, went to the United States and became a Wall Street banker. I worked with the spy’s son, Andy, and we’re telling the story from his perspective. The spy was Werner Stiller, who worked for the Stasi in East Berlin and, when he defected, it was one of the biggest stories of the Cold War. There have been a couple movies made about him in Germany, but nobody in the United States has heard the story.
I also have a found footage archive short, „Watching the Detectives“ that we’re just putting the finishing touches on now. Basically I found a bunch of forgotten footage in the New York City Municipal Archives and stringing that all together.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Satanic Cult for Dummies„
