Acht Fragen an Lucy Gamades

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der amerikanischen Filmemacherin Lucy Gamades konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Mesopotamia, TX“ erfahren, der im Internationalen Wettbewerb des 41. interfilm Berlin 2025 zu sehen war, wie es war bei einer real stattfindenden Sonnenfinsternis zu drehen, wie dokumentarisch ihr Film ist und wie viel Raum diese Art von Inszenierung für Improvisationen ließ. 

The original english language interview is also available.

Was war die Ausgangsidee für Deine Geschichte?

Unser Produzent Michael hatte eigentlich die Idee, während einer Sonnenfinsternis etwas zu drehen. Wir haben mehrere Entwürfe des Drehbuchs durchgespielt, die jedoch alle zu kompliziert oder zu teuer waren. Etwa einen Monat vor Drehbeginn kam mir die Idee, es ganz einfach zu halten, ähnlich wie bei einer Geschichte im Stil von „Before Sunrise“. Ich habe das Drehbuch in einem Rutsch geschrieben und damit hatten wir unseren Plan.

Gab es Raum für Improvisation? Oder musste auch gerade wegen der begrenzten Drehzeit alles genau geskriptet werden.

Das Schöne an den Dreharbeiten war, dass ich etwa zwei Tage Zeit hatte, um mit den Schauspielern zu proben. Nicky und Megan konnten experimentieren und improvisieren, und einige der besten Ideen, die ihnen während der Proben einfielen, schafften es sogar in den fertigen Film. Wir hatten auch mit mehr Zuschauern am Felsen gerechnet, aber aufgrund der Wettervorhersage, die für diesen Tag Wolken ankündigte, war es ziemlich leer, und wir mussten am Anfang des Films einige neue Dialoge improvisieren, damit er unter diesen Bedingungen Sinn ergibt.  

Wie war es, bei einer realen Sonnenfinsternis zu drehen? Wo genau habt ihr gedreht?

Wir haben den Film im Enchanted Rock gedreht, einem Park in Texas mit einem großen Felsen, der etwa 130 Meter hoch ist. Das Land um ihn herum ist sehr flach, daher wusste ich, dass wir einen großartigen Blick auf die Sonnenfinsternis haben würden und dass es einen wunderschönen Horizonteffekt mit der Beleuchtung geben würde. Ich hatte noch nie zuvor eine Sonnenfinsternis gesehen und wollte angesichts der begrenzten Zeit und der Ungewissheit keine allzu genauen Pläne für diesen Teil machen, also gab ich den Schauspielern und Kameraleuten während der Dreharbeiten einfach Anweisungen. Das war stressig, aber auch ziemlich aufregend. 

Das Ereignis bedingt beinah ein dokumentarisches Filmen. Wie wichtig war die Authentizität? Was war dein visueller Ansatz? Sind die Menschen drumherum Statisten oder wirklich Sonnenfinsternis-Zuschauende?

Als ich das Drehbuch schrieb, wusste ich, dass ich es in den Dienst des Ereignisses selbst stellen wollte und nicht, dass die Sonnenfinsternis wie eine Spielerei wirkt. Ich wollte einen sehr einfachen visuellen Ansatz, der zur Sonnenfinsternis hinführt, sehr dokumentarisch. Die Menschen um uns herum waren alle nur da, um sie zu sehen (wir haben ihre Erlaubnis zum Filmen eingeholt), und wir haben ihre spontanen Reaktionen mit Ton aufgezeichnet. Wenn man so etwas beobachtet, bildet man eine Art spontane Gemeinschaft, und ich wollte ganz ehrlich zeigen, wie das war. Während der Sonnenfinsternis selbst gibt es einige Momente, in denen die Bildkomposition verändert wird oder die Aufnahmen unscharf sind, aber das ist mir egal, weil ich damit das Gefühl vermitteln möchte, mitten im Geschehen zu sein. Das unterscheidet sich sehr von den vorherigen Aufnahmen, weil sich für uns und die Figuren etwas verändert hat. 

Was lag Dir bei den Figuren speziell am Herzen und nach welchen Kriterien hast Du dafür die Schauspieler:innen ausgewählt?

Megan Greener und Nicky Maindiratta

Da wir wussten, dass wir ein Team zusammenstellen mussten, das bereit war, mit Ausrüstung einen Berg zu besteigen und mit allen anderen in einer Unterkunft zu übernachten, war uns von Anfang an klar, dass wir Schauspieler auswählen mussten, die nicht nur bereit waren, unter diesen Bedingungen zu arbeiten, sondern auch Spaß an dieser Erfahrung hatten. Ich kannte Megan aus einem früheren Kurzfilm und war seit Jahren mit Nicky befreundet, also schrieb ich beim Verfassen des Drehbuchs die Figuren um sie herum und ließ ihre Persönlichkeiten ein wenig in sie einfließen. Da das Drehbuch dialoglastig und einfach ist, wusste ich, dass die beiden es tragen und das Publikum während der gesamten Laufzeit fesseln können. 

Was lag Dir bei der Musik am Herzen?

Ich wusste, dass ich den Film wie einen Western beginnen lassen wollte, mit einer langen Vorspannsequenz und einem einsamen „Cowboy“, der in die Natur hinausgeht. „In the Shadow of the Valley“ hatte genau den richtigen Sound, und der Text ist ziemlich witzig, wenn man ihn in Verbindung mit Nickys Aufstieg auf den Hügel hört. Der zweite Song, der während der Sonnenfinsternissequenz verwendet wird, ist „Pencil Thought“ von LudoWic. Er spielt ein Trautonium, ein wirklich einzigartiges Instrument, das nicht viele Leute spielen, und die Klangqualität ist wunderbar, weil es groß und schwungvoll sein kann und sehr schnell düster und nachdenklich wird. Die Musik sollte in dieser Sequenz immer eine wichtige Rolle spielen, und sobald wir sie hörten, wussten wir, dass wir nichts anderes verwenden konnten. 

Kannst Du mir noch etwas mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich bin eine Filmemacherin, die ursprünglich aus Texas stammt, aber in New York lebt. Ich habe mich schon als Kind für Filme interessiert und habe sie an meiner Universität studiert. Seit etwa sieben Jahren arbeite ich nun professionell in der Postproduktion, hauptsächlich im Bereich Werbung, aber meine Leidenschaft galt schon immer dem Erzählfilm. 2023 habe ich meinen ersten Kurzfilm gedreht und arbeite seitdem kontinuierlich an Projekten.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Es gibt immer ein paar Projekte in Arbeit, aber im Moment konzentriere ich mich darauf, ein Drehbuch fertigzustellen. Es handelt sich um eine schwarze Komödie, die sich vom Ton her deutlich von „Mesopotamia, TX“ unterscheidet, aber einigen anderen meiner Werke ähnelt. Außerdem habe ich einen Horror-Kurzfilm produziert, der sich derzeit in der Postproduktion befindet und nächstes Jahr in die Kinos kommen wird.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Mesopotamia, TX


Interview: In our conversation with American filmmaker Lucy Gamades, we learned more about her short film „Mesopotamia, TX„, which was screened in the international competition at the 41st interfilm Berlin 2025, what it was like to shoot during a real solar eclipse, how documentary-like her film is, and how much room this type of staging left for improvisation. 

What was the initial idea for your story?

Our producer, Michael, actually came up with the idea to shoot something during an eclipse. We went through several iterations of the script, all of which were too complicated or expensive. About a month before we had to shoot, the idea came to me to make it very simple, like a „Before Sunrise“ type of story. I wrote the script in one sitting and we had our plan.

Was there room for improvisation? Or did everything have to be scripted precisely because of the limitations in shooting time?

One really nice thing about the shoot was that I had about two days of rehearsal time with the actors. Nicky and Megan were able to explore and improvise, and some of the best bits they came up with on the rehearsal days made it into the final film. We also expected a larger crowd at the rock, but because of the weather forecasting clouds that day, it was pretty empty and we had to improvise some new dialogue at the beginning of the film to make it make sense in those conditions.  

What was it like to film during a real solar eclipse? Where exactly did you film?

We shot the movie at Enchanted Rock, a park in Texas with a big rock mountain that’s about 130 meters tall. The land around it is very flat, so I knew we would have a great view of the eclipse and there was a beautiful horizon effect with the lighting. I had never seen an eclipse before, and didn’t want to plan too specifically for that part given the limited time and the unknown, so I just called out directions to the actors and cameramen as we were shooting. It was stressful, but pretty exhilarating as well. 

The event required almost documentary-style filming. How important was authenticity? What was your visual approach? Are the people around you extras or are they really people watching the solar eclipse?

When I wrote the script, I knew I wanted it to serve the event itself, and not make the eclipse feel like a gimmick. I wanted a very simple visual approach leading up to the eclipse, very documentary-like. The people around us were all people who were just there to see it (we got their permission to film them) and we recorded the wild sound of them reacting. You form sort of a spontaneous community when you watch something like this, so I wanted to be very honest about what that was like. During the eclipse sequence itself, there are some moments of reframing or shots that are out of focus, but I don’t care because it’s meant to convey a feeling of being in the moment. It’s very different from the previous shots because something has shifted for us and the characters. 

What was particularly important to you about the characters and what criteria did you use to cast the actors?

Knowing that we had to put together a team who would be willing to climb up a mountain with gear and stay in accommodations with everyone else, we knew going in that we had to pick actors who would not only be down to work in those conditions, but enjoy the experience. I knew Megan from a previous short and I had been friends with Nicky for years, so while writing the script I wrote the characters around them, infusing them with their personalities a bit. Since the script is dialogue-heavy and simple, I knew the two of them could carry it and keep audiences engaged across the runtime. 

What was important to you about the music?

I knew I wanted the film to open like a Western, with a long credits sequence and a lone „cowboy“ walking into nature. „In the Shadow of the Valley“ had exactly the right sound, and the lyrics are pretty funny when you listen to them in conjunction with Nicky’s climb up the hill. The second song, used during the eclipse sequence is „Pencil Thought“ by LudoWic. He plays a trautonium, which is a really unique instrument that not many people play, and the quality of the sound is wonderful because it can be big and swelling, and turn to somber and pensive very quickly. The music was always going to feature heavily in that sequence and as soon as we heard it, we knew we couldn’t use anything else. 

Can you tell me a bit more about yourself and how you came to film?

I’m a filmmaker originally from Texas, but I live in New York. I was always interested in film growing up, and I studied it at my university. I’ve been working professionally in post production for about 7 years now, mostly on commercial work, but my passion has always been in narrative. I directed my first short in 2023, and have been constantly working on projects since then.

Are there any new projects planned?

There are always a few things in the works, but right now I’m focused on finishing a feature script. It’s a dark comedy satire, quite different in tone from „Mesopotamia, TX“ but similar to some other work I’ve done. I also produced a horror short that is in post production right now, and will start making its way out into the world next year.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Mesopotamia, TX

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