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Serienkritik: Während der Corona-Pandemie erschien die erste Staffel der US-amerikanischen Serie „Bridgerton“. Die Produzentin Shonda Rhimes, die mit ihrer Produktionsfirma Shondaland maßgeblich hinter der Erfolgsserie „Grey’s Anatomy“ (2005-bis jetzt) steckt, adaptierte für Netflix die Romanreihe von Julia Quinn und schuf die perfekte Daheim-Bleiben-Serie.
London, 1813: Es ist die Zeit im Jahr, in der die jungen High Society Damen in Großbritannien der Königin Charlotte (Golda Rosheuvel) vorgestellt werden. Jedes Jahr kürt sie dabei eine Favoritin, die vermutlich die besten Heiratschancen haben wird. Daphne Bridgerton (Phoebe Dynevor) ist eine klare Favoritin und kann sich nach der Benennung durch die Königin nicht vor Heiratsanträgen retten. Gut, dass ihre Mutter Violet (Ruth Gemmell) und ihre Geschwister, allen voran ihr älterer Bruder Anthony (Jonathan Bailey), sie unterstützen und bei der Partnerwahl leiten. Als Simon, der Duke of Hastings, (Regé-Jean Page) auf der Bildfläche erscheint, scheint das Schicksal vorbestimmt, doch dieser hat geschworen, niemals zu heiraten. Gut, dass die unbekannte Lady Whistledown alle Geheimnisse im Visier hat und den Londoner Stadtteil Mayfair so immer wieder aufzumischen weiß.
Die Fernsehproduzentin und Drehbuchautorin Shonda Rhimes hat sich mit „Greys Anatomy“, eine Arztserie die bereits seit 20 Jahren läuft, einen Namen gemacht. Ihre eigens gegründete Produktionsfirma Shondaland ist ein Garant für viele Serienerfolge u.a. „Scandal“ (2012-2018) und „How to Get Away with Murder“ (2014-2020). Mit „Bridgerton“ lieferte sie zum richtigen Zeitpunkt eine Serie, die schnell in aller Munde war. Geschaffen wurde sie von Chris Van Dusen nach der gleichnamigen Romanreihe (2000-2006) von Julia Quinn. In der Serie verweben sich gekonnt Historiengeschichte mit Telenovela-Erzählsträngen. Wie bei „Gossip Girl“ (2007-2012) wird das Publikum durch die Handlung mit Hilfe einer unbekannten Erzählerin geführt, die mit ihren Artikeln alle Geheimnisse aufdeckt und oft die Handlungen mit Zündstoff befeuert. Das Feld der moralischen Verfehlungen ist hier breit gesät: Es gibt verheimlichte Schwangerschaften und Verlobungen, düstere Geheimnisse der Vergangenheit, Armut und Abstieg in der gesellschaftlichen Hierachie, homosexuelle Erweckungserlebnisse und illegitime Verbindungen. So bietet jede der acht Folgen genug Drama und Abwechslung, wie man es von einer guten Telenovela (vergleichbar mit den deutschen Soaps) erwartet. Auch für Gefühl, Liebe, Tränen und auch ein paar ausführlichen Sexszenen ist genug Platz.
Handwerklich ist alles sehr stimmig umgesetzt. Dabei setzen die Serienschöpfer auf ein gelungenes Zeitkolorit des viktorianischen Englands und kombinieren es hin und wieder mit modernen Elementen, so ertönen auch bekannte Pop-Songs als Klavierversionen. Man sieht der Serie den Spaß an dieser Zeit, den Kleidern, der Ausstattung und den Locations an. Mit viel Liebe zum Detail und auch einer gewissen Fabulierlust wird hier der Londoner Stadtteil Mayfair inszeniert. Dort tummeln sich viele spielfreudige Darsteller:innen u.a. Phoebe Dynevor und Regé-Jean Page als das Hauptpaar dieser Staffel. Jonathan Bailey kann als älterer Bruder seine etwas schroffere Seite zeigen und die feinfühlige Penelope, gespielt von Nicola Coughlan, die der heimliche Star der Serie ist. Die Inszenierung geht so Hand in Hand mit den vielen Geschichten, sodass alles für eine leichte und leichtfüßige Unterhaltung vorhanden ist und man hier zwar keine hohe Kunst serviert bekommt, aber gute Unterhaltung, welche die Zeit verfliegen lässt.
Fazit: Die US-amerikanische Serie „Bridgerton“, geschaffen von Shonda Rhimes nach einer Romanreihe von Julia Quinn, bietet leichte Unterhaltung, indem sie gekonnt ein Historien-Drama mit Telenovela-Erzählsträngen verbindet. Dabei verwendet die von Shondaland produzierte Serie einen ansprechenden Stil und einen unverbrauchten Cast, der die Zuschauenden mit viel Spielfreude in diese (schön fiktionalisierte) Zeit zurückversetzt.
Bewertung: 3/5
Trailer zur Staffel 1 der Serie „Bridgerton“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über die Serie „Bridgerton“
- Kathleen Hildebrand, ‚„Bridgerton“ ist erfolgreichste Serie in der Geschichte von Netflix‘, sueddeutsche.de, 2021
- Ricarda Opis, ‚„Bridgerton“: Gehrock, Korsage und der weibliche Blick‘, derstandard.de, 2024


