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Filmkritik: Der kanadische Spielfilm „Universal Language“ von Matthew Rankin, der bisher vor allem mit seinen ungewöhnlichen Kurzfilmen wie „Municipal Relaxation Module“ (2022) aufgefallen ist, erzählt von einem winterlichen Tag in Winnipeg Doch dieses Kanada ist iranisch und die Landessprache ist Farsi.
Die Schwestern Negin (Rojina Esmaeili) und Nazgol (Saba Vahedyousefi) entdecken an einem eisigen Tag eine eingefrorene 500-Rial-Note, die sie unbedingt bergen wollen, doch wie können sie sie aus dem Eis bekommen? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, begeben sich auf die Suche nach Hilfe durch die Stadt und treffen dabei auf einen Truthahnhändler (Bahram Nabatian), den Touristenführer Massoud (Pirouz Nemati), der einer Gruppe von Menschen die Stadt und ihre Architektur näher bringt, und auch auf einen Truthahn selbst. Zur gleichen Zeit macht sich Matthew (Matthew Rankin) auf den Weg, seine kranke Mutter zu besuchen, doch vor Ort ist es nicht mehr so, wie es mal war, und er fühlt sich fremd.
Der kanadische Regisseur Matthew Rankin, der zusammen mit Ila Firouzabadi und Pirouz Nemati das Drehbuch schrieb und auch eine der Hauptrollen übernahm, schuf mit seinem zweiten Langspielfilm ein Kanada, das als Parallelwelt angesehen werden kann. Die Bevölkerung der Stadt Winnipeg spricht vorwiegend Farsi, die Kulturen haben sich vermischt und die Stadtteile werden anhand ihrer unterschiedlichen Architekturstile bezeichnet. Die Architektur in diesem winterlichen Winnipeg besitzt etwas Unwirtliches und Abweisendes. Viele einfarbige, kastenförmige Gebäude prägen den städtischen Raum. Davor und darin scheinen sich die Menschen beinahe zu verlieren. Doch trotzdem steht der Mensch im Vordergrund seiner Geschichte. Beinahe episodisch erzählt der Regisseur von verschiedenen Menschen, die an diesen winterlichen Tagen unterwegs sind und dabei zum Teil skurrile Begegnungen haben. So spielen ein Truthahn, ein laufender Weihnachtsbaum und ein Taschentuch-Laden eine Rolle im Film. All das fängt er mit einer Prise Humor und stets auch mit einem Hauch Melancholie ein. Das Seltsame und Fremdartige geht hier Hand in Hand mit der Stimmung und fängt das Potpourri der Menschheit auf seine Weise gelungen ein. Auch vermeidet der Film es, zu viele Erklärungen zu liefern, sondern lässt die Zuschauenden selbst erkunden und staunen, um sich dann von der Welle aus Wunderlichkeit, Leichtfüßigkeit und Melancholie davontragen zu lassen.
Der Look schmiegt sich perfekt an die eigenwillige Geschichte an. Rankin schuf ein unvertrautes Winnipeg, das stark von einer postmodernen Architektur mit geometrischen Formen, Beige- und Grautönen und der Verwendung von Beton gekennzeichnet ist. Auch die Kleidung der meisten Bewohner:innen ist dezent und schmiegt sich der grau wirkenden Umgebung an. Doch der Eindruck täuscht, auch wenn sich die Menschen äußerlich an ihre Umgebung anpassen, sind sie voller Wünsche, Träume und Leben. Die Figuren werden von einem großartigen Cast verkörpert. Hinzu kommt eine stimmige musikalische Untermalung der Komponisten Amir Amiri und Christophe Lamarche-Ledoux. So liefert Rankin einen ungewöhnlichen Spielfilm, der sich mit Surrealität und Eigenwilligkeit an die großen Fragen des Lebens wagt und so fragt, was ein gutes Leben ist.
Fazit: „Universal Language“ ist der zweite Langspielfilm des Kanadiers Matthew Rankin, der sich darin ein alternatives Kanada ausmalt und in einem einzigartigen Stil, der gleichzeitig irritiert und fasziniert, von den Menschen und ihren Wünschen erzählt und dafür ein beige-graues Winnipeg voller störrischer Architektur und Seltsamkeiten schuf.
Bewertung: 4/5
Kinostart: 23. Januar 2025
Trailer zum Film „Universal Language“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Universal Language“
- Universal Language / Teheran ist in Kanada, in Podcast: Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 20.01.2025.
- Patrick Seyboth: Universal Language, in: EPD film, Ausgabe 1/25, S.54.
- Patrick Wellinski: Film der Woche: „Universal Language“, in Podcast Studio 9, 23.01.2025.