Sieben Fragen an Tij D’oyen

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur Tij D’oyen konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Lollygag“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 24. Landshuter Kurzfilmfestivals 2024 lief, wie er sich die Geschichte in der Pandemie-Zeit ausgedacht und umgesetzt hat, was ihm visuell am Herzen lag und ob es eine weiterführende Fassung des Films geben wird.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?

Isaac Powell

Die Idee für den Film entstand durch meine Isolation während der COVID-Pandemie. Alle meine Mitbewohner waren aus der Stadt geflohen und ich war allein in unserer großen Vierzimmerwohnung. Nachts ertappte ich mich dabei, wie ich meine Nachbarn von gegenüber beobachtete. In den meisten Nächten hatten sie Geschlechtsverkehr, ohne die Vorhänge zuzuziehen. Zuerst kam ich mir pervers vor, als ich sie beobachtete, aber durch die Wiederholung ihrer Handlungen wurde mir klar, dass sie wussten, dass man sie sehen konnte. Diese Dynamik des Beobachtens und Beobachtetwerdens hat den Keim für die beiden Hauptfiguren in „Lollygag“ gelegt.

Dein Film lief im Genre-Block auf dem Landshuter Kurzfilmfestival zwischen Science Fiction und Horror. Wo würdest Du Deinen Film selbst einordnen? 

Gaby Slape

Ich persönlich würde den Film als dunkle Komödie einstufen, aber ich schätze und begrüße die Assoziation mit Genrefilmen.

Wo und wie lange habt ihr den Film auf die Beine gestellt?

Wir haben den Film vor Ort in den Hamptons in New York gedreht. Wir haben zwei halbe Tage und einen ganzen Tag gedreht.

Ich mochte die Bilder sehr, die Du für deinen Kurzfilm gefunden hast. Was lag Dir visuell am Herzen? 

Es klingt überflüssig zu sagen, dass mir als Filmemacher das Visuelle wichtig ist, aber es ist so. Ich mag es, wenn meine Filme eher stilisiert sind. Zu dieser Zeit habe ich viele französische New-Wave-Filme gesehen, insbesondere die von Rohmer. In Anlehnung an diese Inspirationen wusste ich, dass ich eine idyllische und schöne Welt schaffen wollte, um die makabre Geschichte zu kontrastieren und zu verstärken.

Dein Cast ist auch perfekt ausgewählt – wie hast Du sie gefunden und nach welchen Kriterien ausgewählt? 

Isaac Powell

Sie waren eine Traumbesetzung, was vor allem daran lag, dass sie fast alle meine Freunde waren. Die Dreharbeiten fühlten sich wirklich so an, als ob wir alle an diesem Pool abhängen würden. Nachdem wir jeden Tag fertig waren, aßen wir eine große Mahlzeit, tranken Bier und schwammen. Es war ein Traum. Ich habe den Film mit Isaac Powell (The Boy Next Door) im Hinterkopf geschrieben. Er ist ein guter Freund aus dem College, und ich hatte großes Glück, dass ihm das Drehbuch gefiel. Gaby Slape (The Girl Next Door) und ich waren auch auf der gleichen Universität, wenn auch ein paar Jahre auseinander. Sie hatte gerade ihren Abschluss gemacht und war vor kurzem in die Stadt gezogen, und auch hier hatte ich großes Glück.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Als ich in der Mittel- und Oberstufe war, habe ich immer kleine Filme mit meinen Freunden gedreht – kleine Horrorfilme und Klassenprojekte, die ich mit diesem beschissenen kleinen Camcorder aufgenommen habe. Aber dann ging ich auf die Universität, um Schauspiel zu studieren, und hörte auf zu drehen. Nach dem Abschluss habe ich schnell gemerkt, dass die Mühsal des Vorsprechens nichts für mich war, und so habe ich angefangen, mit meinen Freunden kleine Videoskizzen zu machen. Dadurch wurde meine vergessene Leidenschaft für das Filmemachen aus der Kindheit wieder geweckt. Dann, während der Pandemie, las mein guter Freund und Produzent Cameron Morton das Skript für „Lollygag“ und meinte: „Wir müssen das jetzt machen.“ Und das haben wir dann auch gemacht, und es lief irgendwie gut, und der Rest ist Geschichte.

Sind bereits neue Projekte geplant? 

Isaac Powell

Mein nächster Kurzfilm, „Nepotism, Baby!“, wird im Juni auf den Festivals gezeigt. Das ist eine weitere dunkle Komödie über genau das, wonach es klingt. Es geht um ein berühmtes, besessenes junges Mädchen, das alles tut, um einen Hauch von Ruhm zu erlangen, nachdem ihre Vetternwirtschaft sie im Stich gelassen hat. Es ist absurd, verdreht und lustig. Außerdem befinden wir uns aufregenderweise in der Entwicklung meines ersten Spielfilms, der eine Erweiterung des Kurzfilms „Lollygag“ sein wird. Wir planen, ihn noch in diesem Jahr zu drehen.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Lollygag


Interview: In our conversation with American director Tij D’oyen, we learned more about his short film „Lollygag„, which screened in the ‚Shock Block‘ program of the 24th Landshut Short Film Festival 2024, how he came up with and realized the story during the pandemic, what was important to him visually and whether there will be a follow-up version of the film.

How did the idea for your short film come about? 

The idea for the film came from my isolation during the COVID pandemic. All my roommates had fled the city and I was left alone in our large four bedroom apartment. At night I found myself spying on my neighbors across the way. Most nights they would have intercourse without drawing the curtains. At first I felt pervy watching them, but through the repetition of their acts I started to realize that they knew they could be seen. It is this dynamic of watching and being watched that planted the seed for the main two characters in „Lollygag

Your film was shown in the genre block at the Landshut Short Film Festival between science fiction and horror. Where would you categorize your film yourself? 

I personally would categorize the film as a dark comedy, but appreciate and welcome the association with genre films. 

Where and for how long did you make the film? 

We shot the film on location in the Hamptons in New York. We shot for two half-days and one full day. 

I really liked the images you found for your short film. What was important to you visually? 

It sounds redundant to say visuals are important to me as a filmmaker, but they are. I like my films to be on the more stylized side of things. I was watching a lot of French New Wave films at the time, specifically those of Rohmer. Pulling from those inspirations, I knew I wanted to build a world that was idyllic and beautiful to contrast and heighten the macabre narrative. 

Your cast is also perfectly chosen – how did you find them and what criteria did you use to select them? 

They were a dream cast, largely in part to the fact that they were mostly all my friends. The shoot really just felt like us all hanging out by this pool. After we wrapped each day we ate a big meal and drank beers and swam. It was a dream. I wrote the film with Isaac Powell (The Boy Next Door) in mind. He is a dear friend from college and I was very lucky that he liked the script. Gaby Slape (The Girl Next Door) and I also went to the same university, although a few years apart. She had just graduated and recently moved to the city, so again, I got very lucky. 

Can you tell me a bit more about yourself and how you came to making films? 

I always used to make little movies with my friends when I was in middle and high school–little horror films and class projects I’d shoot on this crappy little camcorder. But then I went to university for drama and stopped creating. After graduating, I quickly realized that the audition grind was not for me and so I started to make little video sketches with my friends. This sort of rekindled that forgotten passion I had for filmmaking from childhood. Then during the pandemic my good friend and producer Cameron Morton read the script for „Lollygag and was like „we need to make this right now.“ And so we did, and it somehow went well, and the rest is history.

Are there any new projects planned? 

My next short, „Nepotism, Baby!“, is about to begin the festival circuit in June. That’s another dark comedy about… well exactly what it sounds like. It follows this famed obsessed young girl who does whatever she can for an ounce of fame after her nepotism fails her. It’s absurd and twisted and funny. We are also, excitingly, in development on my first feature which will be an expansion on the „Lollygag short. We plan to shoot that later this year. 

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Lollygag

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