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Interview: Im Gespräch mit dem deutschen Filmemacher Alexander Isert konnten wir mehr über den Kurzfilm „Für Immer Sieben“ erfahren, der im Kinderprogramm des 36. Filmfest Dresden 2024 lief und den er zusammen mit Antje Heyn („Cat Lake City“ (2019)) realisierte. Wie sie dazu kamen, das Kinderbuch von SaBine Büchner zu verfilmen, wie sie ihren Stil auf den Film übertragen haben und wie sie die Aufgaben unter sich aufgeteilt haben.
Wie seid ihr auf SaBine Büchners Buch gestoßen und wie schnell war die Idee da, das als Kurzfilm zu erzählen, mit Büchners Unterstützung?
SaBine Büchner und ich haben gemeinsam Animation an der HFF (heute: Filmuniversität) Potsdam studiert und tatsächlich lange Zeit im selben Raum gearbeitet. damals übrigens noch mit ganz wunderbarem Blick auf den Babelsberger Griebnitzsee und als Teil einer Gruppe von Studenten, die unterm Strich stark klassisch-zeichnerisch und noch weitgehend nicht digital ausgerichtet war. Das ist, wenn man so möchte, gemeinsame DNA.
Ich bin dann später bei Protoplanet Studio mit Antje Heyn zusammengekommen, die einen Hintergrund in Grafik-Design und visueller Kommunikation der Kunsthochschule Berlin-Weissensee hat und ihrerseits signifikant von Pictoplasma geprägt ist. Zusammen mit der Malerin Johanna Hochholzer (Absolventin UdK Berlin), die die meisten unserer vorangegangenen Filme designt und gecleant hat, haben wir viele Jahre lang ein Dreiergespann gebildet. Geteilt haben wir bei Protoplanet immer eine Begeisterung für 2D-Grafik bzw. Zeichnung – auch mit einem Zug ins Minimalistische -, und wir haben mit vorangegangenen Filmen, insbesondere „Pawo“ (2015), die Erfahrung gemacht, dass da bei Kindern – und nicht nur denen! – eine Saite angeschlagen war.
Es war dann mehr oder weniger an diesem Punkt, dass ich dachte, Antje und SaBine (die da bereits lange Jahre als Kinderbuchillustratorin und -autorin tätig war) sollten sich mal kennenlernen; im Sinne der Eruierung einer gemeinsamen gestalterischen und auch erzählerischen Sensibilität/Schnittmenge. Und genau so kam es dann. SaBine mochte unsere bisherigen Arbeiten und meinte, es wäre ein Traum von ihr, wenn aus ihrem Debütbuch ein Film würde – und da wir zu der Zeit selbst auf der Suche nach einem neuen Projekt waren, voilà!
Ihr habt euch visuell stark an den Stil des Kinderbuchs gehalten, richtig? Was war euch visuell wichtig?
Das ist richtig. Ich denke, es war bei diesem Film oberstes Gebot, dass die Figuren alle getroffen sind im Sinne der Buchvorlage – und SaBine hat einfach einen absolut wiedererkennbaren Stil des Figurendesigns. Es gibt da einen ausgeprägten Sinn für Form und teilweise sehr spezifische Proportionen – beispielsweise bei der Größe von Augen, oder auch der Länge von Schnauzen etc. -, anhand derer man die Urheberin einfach sofort identifiziert. Und natürlich muss das im Film berücksichtigt werden! – Was Johanna Hochholzer gemacht hat, war, dass sie gestreifte oder gepunktete Kleidungsstücke durch unifarbene ersetzt hat (ansonsten hätte das einen merklichen animatorischen Mehraufwand bedeutet). Zudem sind unsere Farben tendenziell kräftiger als im Buch, und es gibt an ein paar Stellen auch leichte Justierungen im Text. All das hält sich aber in sehr kleinem Rahmen, und wir haben uns da eng mit der Autorin abgestimmt.
Letztendlich haben wir für diesen Film deshalb auch das Hauptarbeitswerkzeug gewechselt und erstmals in Toon Boom animiert, da wir von einer allzu vektorisierten Erscheinungsform weg wollten. Für die Animation selbst war klar, dass wir einen sehr klassischen Ansatz fahren und dass das Spiel sowie die Unterscheidbarkeit der einzelnen Charaktere voneinander A und O sind. Also für den Betrachter gut lesbar – dabei aber nicht überdreht. Das entspricht einfach sehr diesen Figuren.
Was lag euch beim Voice-Over am Herzen und wer spricht es ein? Gibt es auch eine internationale Fassung?
Die Wahl der deutschen Voice-Over-Stimme Helge Heynold war von Beginn an eine Idee der Autorin – und wir freuen uns, dass er dem entsprochen hat. Seine Stimme und überhaupt die ganze Art seiner Intonation sind ziemlich charakteristisch und besitzen einen Humor, der für SaBines Buch wunderbar passt.
Zudem haben wir von Michael Turnbull eine englische Übersetzung machen lassen, die – gemessen daran, wie eigen der Tonfall des Buchs bereits im Deutschen ausfällt – fantastisch punktgenau ist. Eingesprochen hat sie Alexis Krüger, der in Leipzig als Sprecher arbeitet, eine wunderbar variable Stimme hat – und darüber hinaus ein hohes Verständnis von Animation.
Wo wird man in Zukunft die Möglichkeit haben den Film zu sehen?
Der Film wird vorläufig – also in den kommenden etwa zwei bis drei Jahren – primär auf Festivals zu sehen sein. Er ist aber auch für viele andere Zwecke gut geeignet, wie beispielsweise pädagogische Programme, TV-Screenings, etc.
Gab es eine Aufgabenteilung zwischen Dir und Antje Heyn?
Die Regie-Aufteilung ist im Grunde ein Ergebnis unserer inzwischen langjährigen Zusammenarbeit bei Protoplanet Studio. Antje Heyn ist diejenige von uns, die immer den Grundimpuls für bestimmte Stoffe spürt – seien es selbst entwickelte oder solche nach fremden Vorlagen – und die es liebt, sie anzuschieben und ins Leben zu rufen. Heisst, sie bestellt da auch stark einen produktionerischen Aspekt. Als jemand, die ursprünglich von Grafik-Design und Visueller Kommunikation mit Spezialisierung auf Animation kommt, weiss sie im Herstellungsprozess immer genau, wie sie das Spiel von bestimmten Figuren haben möchte, und kann es bis hinunter in die Animationsdetails und einzelne Dynamiken vermitteln.
An diesem supervisorischen Punkt überschneiden sich unsere Kompetenzen dann, weil ich mehr am praktisch-zeichnerischen Ende sitze. Ich habe selbst drei der insgesamt sieben Figuren animiert, mache das Compositing und letztlich auch den Schnitt; zu den anderen Animationsleuten bin ich aber auch das kommunikatorische Scharnier. Was Supervision angeht, war meine Rolle bei „Für Immer Sieben“ größer als bei unseren vorangegangenen Filmen. Wir hatten schlicht mehr Figuren und somit auch einige involvierte Animator:innen; alles musste am Ende stilistisch stimmig und auch möglichst miteinander vergleichbar sein.
Sind bereits neue Projekte – allein oder zusammen – geplant?
Ja, wir arbeiten derzeit bereits an einem nächsten Kurzfilm. Nachdem wir alle unsere vorherigen Filme selbst entwickelt haben, basiert diese Produktion noch mal auf einer Kinderbuchvorlage: „Vor meiner Tür auf einer Matte“ von Nadja Budde. Das ist stilistisch und vom Humor her auf jeden Fall wieder was komplett Konträres.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Für Immer Sieben“