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Kurzfilm / Polen / Animation / 2022
Filmkritik: Der polnische Kurzfilm „Crab“ (OT: „Krab“) von Piotr Chmielewski, sollte ursprünglich ein Auftakt für eine Serie werden, die aber so nicht umsetzbar ist, jetzt ist der Film der Anfang einer Kurzfilm-Trilogie und lief im Jugendprogramm des 36. Filmfest Dresden 2024.
Eine Krabbe führt ein einsames, aber unbeschadetes Leben. Eines Tages wird sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und findet sich in einer Schiffsküche wieder und schnell ist ihr klar, sie soll im Kochtopf landen.
Der Filmemacher Piotr Chmielewski kam über einen Umweg zum Film und verliebte sich dort in das Stop-Motion-Handwerk. Den Anfang für „Crab“, für den er auch das Drehbuch schrieb, war die Idee, historische Ereignisse aus der Sicht eines Tieres einzufangen. Als Erstes nahm er sich den Untergang der Titanic vor. Dabei erfahren wir erst am Ende, warum es auf dem Schiff so turbulent zugeht. Bis dahin erleben wir die Welt aus der Sicht einer Krabbe, die als Gericht auf den Tischen der Reisenden enden soll. Als Zuschauer:innen nehmen wir ihre Position und ihren Blickwinkel ein. Wir sehen die Küche als gefährlichen und äußerst bedrohlichen Ort.
Dafür verwendet Chmielewski Horror-Elemente, wie den Einsatz von Dunkelheit, Ungewissheit, andere tote Tiere und immer tödliche Objekte, die der kleinen Krabbe zu nahe kommen. Mit viel Feingefühl fängt er also ein, wie es einem Tier vermeintlich ergehen mag, wenn es realisiert, dass jemand ihm an den Kragen will. Dabei ist es ihm wichtig, den Fleischverzehr nicht anzuprangern, sondern einfach nur eine andere Sichtweise darauf zu liefern. Umgesetzt ist das alles in charmanten Stop-Motion-Bildern. Die Materialien der Puppen und Umgebung, wie das Wasser aus Folie oder das Feuer aus Wolle, sind klar in ihrer Beschaffenheit und Haptik erkennbar. Doch trotzdem funktioniert die Illusion – also dass es sich auf seine Art echt anfühlt – perfekt. Mit viel Liebe zum Detail und gelungenen Ideen wurde so der Film in jahrelanger Arbeit mit vielen fantastischen Bildern erschaffen, sodass man gar nicht umhin kann mit zu fiebern.
Fazit: „Crab“ ist ein Stop-Motion-Film von Piotr Chmielewski, der die Fluchtversuche einer Krabbe zeigt, die für den Kochtopf bestimmt ist. Stilsicher inszeniert und vor allem mit handwerklich tollen und liebevoll gestalteten Bildern untermalt, lässt einem das Schicksal der Krabbe mit Sicherheit nicht kalt.
Bewertung: 8/10
Trailer zum Kurzfilm „Crab“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 36. Filmfest Dresden 2024 – Katalog (Programm ‚Jugend‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Piotr Chmielewski‘, testkammer.com, 2024
- Eintrag des Regisseurs Piotr Chmielewski beim Portal ‚Polish Shorts‘
- Jamie Lang, ‚2024 Oscars Short Film Contenders: ‘Crab’ Director Piotr Chmielewski‘, cartoonbrew.com, 2023
- polish animations, ‚“Crab” receives award in Italy‘, polishanimations.pl, 2023