- Jetzt online! – Der Film „Beautiful Men“ - 19. April 2026
- Acht Fragen an Idir Serghine - 16. April 2026
- „Oni“ (2025) - 16. April 2026
Filmkritik: Das Animationsstudio Pixar bringt seit 1995, als sie mit „Toy Story“ gestartet haben, gut gemachte, gefühlvolle und sehr unterhaltsame Filme auf den Markt. „Alles steht Kopf“ war ein absoluter, verdienter Kassenschlager im Jahr 2015. Jetzt kam die Fortsetzung „Alles steht Kopf 2“ (OT: „Inside Out 2“, USA, 2024) von Kelsey Mann in die Kinos und Pixar hofft, den Erfolg wiederholen zu können.
Nach den turbulenten Kinderjahren scheint die 13-jährige Riley mittlerweile alles im Griff zu haben. Sie hat mit Bree und Grace zwei fantastische Freundinnen gefunden, mit dem Eishockey läuft es auch sehr gut und ihre Familie ist immer für sie da. Doch da klopft die Pubertät an die Tür und außerdem bahnen sich große Veränderungen an. Bei einem Testspiel bei einer möglichen Highschool-Mannschaft steht Riley immer wieder vor schwierigen Entscheidungen. Zudem sind in ihrem Kopf neue Emotionen – Zweifel, Ennui, Neid und Scham – eingezogen und sorgen für mächtig Trubel in der Schaltzentrale und verbannen zudem die althergebrachten Emotionen Freude, Traurigkeit, Angst, Ekel und Wut ins Nirwana.
Der 2015 entstandene Animationsfilm lieferte einen wunderbaren Einblick in die Köpfe von Kindern. Doch auch als Erwachsener konnte man sich mit seinen vielfältigen Emotionen dort wieder erkennen. Es war humorvoll und mit viel Herz erzählt, so dass man unweigerlich alle Figuren ins Herz schloss. Schon damals endete der Film mit einer roten Warnleuchte, welche die Pubertät einläutete. Im zweiten Teil wird genau an dieser Stelle anknüpft. Kurz erfahren wir, wie es Riley geht, welche Erfolge sie erzielt und wie sich ihr Ich aus all den Überzeugungen und Emotionen geformt hat. Doch dann erscheint in ihrem Kopf ein Abrisskommando und vier neue Emotionen ziehen ein. Auch diese sind schon kleineren Kindern und auch Erwachsenen nicht unbekannt: Zweifel (im Englischen etwas treffender: Anxiety), Langeweile (hat hier als Ennui auch stets einen genervten Ton), Scham und Neid. Natürlich wirft das alles durcheinander. Was der Auslöser ist, sich mit Gefühlen, aber auch Gedanken und Erinnerungen zu beschäftigen, an die man lieber nicht mehr denken mag. Während Fröhlichkeit eine durch und durch perfekte, liebenswerte Riley im Sinn hat, stellt man sich die Frage, was alles unsere Persönlichkeit ausmacht und geformt hat. Besonders treffsicher ist die Darstellung einer Panikattacke, aber auch alle Entscheidungen, die besonders lebensverändernd sind. Da trifft der Film mit vielen Nuancen den Nagel auf den Kopf und lässt so das Publikum erneut mitfühlen und auch mitleiden. Wer hier nicht an eigene Erfahrungen denkt oder sich mit der einen oder anderen Emotion identifiziert, hat bisher schlecht in sich hineingehört.
Umgesetzt wurde das Ganze in schönsten 3D-Animationen. Dabei wurde der Stil natürlich vom Vorgänger übernommen und perfekt weitergeführt. Die Welt von Riley ist dabei nicht unrealistisch eingefangen, aber natürlich für kindliche Augen mit einer durchgehenden Schönheit und Reinheit angepasst. Aber sie haben dabei auf einen diversen Cast und dass die Figuren nie zu eindimensional werden geachtet. In Rileys Kopf wird Fantasie ganz groß geschrieben. Die unterschiedlichen Emotionen passen optisch und farblich gut zu dem, was sie sind. Sie leben in einer riesigen Welt mit Insel der Werte (Familie, Freunde etc.), einem Tresor der Geheimnisse, Erinnerungsbibliotheken und einem Nirwana der verdrängten Erinnerungen. So erleben wir wieder einen Roadtrip durch Rileys Kopf. Kritikpunkt ist daher, dass man sich vielleicht etwas zu sehr auf dem Erfolgsrezept des ersten Films ausgeruht hat. Doch das kann man getrost ignorieren, da man mit den Emotionen mitfiebert, wenn sie auf die dunklen Geheimnisse und Abgründe aus Sarkasmus treffen. So ist auch der zweite Teil ein Feuerwerk an Ideen, um Kindern und auch ihren Eltern mehr das eigene Innenleben zu zeigen. Wunderbar sind hier der Umgang mit schwierigen Gefühlen und die wohltuende Auflösung, wenn alle Emotionen zusammenarbeiten und die Botschaft des Films am Ende gemeinsam entdecken.
Fazit: „Alles steht Kopf 2“ ist die Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2015 und mischt die gleichen Zutaten mit neuen Ideen und dem ‚Alptraum‘ Pubertät. Dabei bleibt sich der Film treu, besitzt die richtige Mischung aus Gefühl und Humor und wirklich jeder, ob Groß oder Klein, kann sich in diesem Film wiederfinden.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: 12. Juni 2024
Trailer zum Film „Alles steht Kopf 2“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Thomas Abeltshauser, ‚Kritik zu Alles steht Kopf 2‘, epd-film.de, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „Alles steht Kopf 2“
- Pop Culture Happy Hour, ‚‚Inside Out 2‘ is a Pixar sequel worth celebrating‘, npr.org, 2024
- Denise Taureg, ‚Alles steht Kopf 2 – Filmkritik ~ Filmisches Allerlei Podcast‘, podcast.de, 2024
- Dennis Baumann und Leonard Mink, ‚Alles steht Kopf 2 (ODER) Das Meta-Drehbuch ~ Schaun wir mal… Podcast‘, podcast.de, 2024
- Podcast ‚How We Seeez It!‘, ‚Inside Out 2‘, podbean.de, 2024
- Der Tele-Stammtisch, ‚Alles steht Kopf 2 | Nicht nur gefühlt ein würdiger Nachfolger?‘, tele-stammtisch.de, 2024
- Leila Latif, ‚Truth & Movies: A Little White Lies Podcast‘, acast.com, 2024
- Jörg Albrecht, ‚Neue Filme 12.06.2024‘,deutschlandfunk.de, 2024
- Anna Wollner & Tom Westerholt, ‚Animationsfilm „Alles steht Kopf 2“: Pixar ist zum Erfolg verdammt‘, deutschlandfunknova.de, 2024
- Patrick Wellinski, ‚Vollbild. Die ganze Sendung.‘, deutschlandfunkkultur.de, 2024