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Filmkritik: Der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Black Tea“ (OT: „Black Tea“, Frankreich/ Mauretanien/ Luxemburg/ Taiwan/ Elfenbeinküste, 2024) von Abderrahmane Sissako spaltete die Zuschauer:innen und Kritiker:innen der 74. Berlinale 2024 gleichermaßen und ging am Ende im Wettbewerb auch leer aus.
Aya (Nina Mélo) steht kurz vor einer unglücklichen Ehe in ihrem Heimatland Elfenbeinküste. Doch sie zieht noch rechtzeitig die Reißleine und flüchtet nach China. Dort lebt sie in einer afrikanischen Diaspora und arbeitet in einem Teegeschäft. Hier entdeckt sie ihre Liebe zum Heißgetränk und die Ruhe und Sorgsamkeit, die mit der Zubereitung einhergehen. Ihr Chef Cai (Chang Han) teilt diese Liebe und so entsteht ein zartes Band zwischen den beiden.
Auf der 74. Berlinale 2024 liefen 20 Beiträge im Wettbewerb. Darunter „Sterben“ von Matthias Glasner, der später mit dem Deutschen Filmpreis 2024 ausgezeichnet wurde, und „Dahomey“, der den Hauptpreis der Berlinale erhielt. Der 111-minütige Spielfilm „Black Tea“ konnte keinen Preis gewinnen. Das spiegelt sich auch in den Reaktionen des (Fach-)Publikums wieder. Der in Mauretanien geborene Regisseur Abderrahmane Sissako („Timbuktu“ (2011)) erzählt nach einem gemeinsamen Drehbuch mit Kessen Fatoumata Tall, von der afrikanischen Diaspora in China. Das birgt viel interessantes Potential für eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kulturen, dem stellenweise auch problematischen Miteinander und damit, wie die Hautfarbe auch die Wahrnehmung beeinflusst. Aber all das macht der Film nicht, er erzählt stattdessen ausführlich von der Liebe zum Tee und der titelgebende Schwarztee wird zum gemeinsamen erotischen Faktor.
Dabei hat die Liebesgeschichte einen schalen Beigeschmack. Durch das Nicht-Thematisieren greift er Rassismus auf seine Weise auf und scheint sich dem Thema nicht stellen zu wollen. Zudem fehlt es der Handlung an Schwung und Voranschreiten. Der Anfang ist noch mitreißend inszeniert, doch mit dem Beginn der sehr langsamen und zarten Liebesgeschichte verliert der Film an Drive. Zwar sind alle Bilder wunderschön komponiert und die Darsteller:innen spielen ihren Rollen gut, doch der Film fühlt sich leer an und so kommt ein Gefühl von Langeweile auf, was nicht sein müsste, da die Ausgangslage spannend und auch unbekannt für das westliche Publikum ist.
Fazit: „Black Tea“ ist ein Spielfilm von Abderrahmane Sissako – angesiedelt in der afrikanischen Diaspora in China. Wo ein interessanter und vielseitiger Blick auf ein gemeinsames Miteinander liegen könnte, entstand ein träger Liebesfilm, dessen Geschichte sich durch sein Nicht-Ansprechen von Offensichtlichem und der sehr ruhigen Inszenierung nicht auf der Gefühlsebene übertragen kann.
Bewertung: 4,5/10
Kinostart: noch unbekannt
Trailer zum Film „Black Tea“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Black Tea“
- Eintrag des Films „Black Tea“ beim Pandora Filmverleih
- Lida Bach, ‚Black Tea‘, moviebreak.de, 2024
- Nadine Kreuzahler, ‚Filmkritik „Black Tea“ und „Who Do I Belong To“: Gequälte Seelen und Abreißkalender-Lebensweisheiten‘, rbb24.de, 2024
- Taszman, Jörg, ‚Berlinale-Kritik: „Gloria“ und „Black Tea“‘, deutschlandfunk.de, 2024


